Joel Filliol ist vielleicht der beste Kurzdistanz-Coach aller Zeiten. Für den Kanadier ist sein Alltag mehr als Trainingsplanung – es geht um Beziehung, Vertrauen und tägliche Entscheidungen. Teil 7 unserer Serie, in der wir den erfolgreichsten Triathlontrainern über die Schultern schauen.

Die Olympischen Spiele in Peking 2008: Simon Whitfield biegt auf die Zielgerade ein, setzt zum Schlusssprint an. Lange sieht es so aus, als könne er Gold gewinnen. Am Ende wird er Zweiter, Jan Frodeno ist schneller. Für Joel Filliol, der an diesem Tag als Coach von Whitfield an der Strecke steht, zählt in diesem Moment nicht das Ergebnis. Er denkt nicht an den Trainingsplan, nicht an Laktatwerte oder Excel-Tabellen. Es ist der Weg, den sie gemeinsam gegangen sind.
Wenn Joel Filliol heute über Simon Whitfield spricht, klingt es nach mehr als nur Stolz auf einen Erfolg. Es ist die Erinnerung an eine lange gemeinsame Geschichte, die als zufällige Trainingsbekanntschaft beginnt. „Ich erinnere mich, dass ich damals als Athlet die Chance hatte, mit Simon zu trainieren. Das war noch bevor er 2000 in Sydney Olympiagold gewann.“ Zwei junge Kanadier, verbunden durch die gleiche Leidenschaft, noch ohne große Titel, aber mit offenen Augen für das, was möglich ist.
„Nach Athen 2004 bekam ich die Gelegenheit, mit Simon als sein persönlicher Coach zu arbeiten“, erklärt Filliol. 2008, bei den Olympischen Spielen in Peking, gelingt ihnen zusammen ein großer Wurf. Was bleibt, ist mehr als eine Medaille. Filliol spricht in der Rückschau von der Fähigkeit, sich immer wieder neu aufzustellen. „Simon hat das in seiner ganzen Karriere gemacht, sich neu zu erfinden. Das hat mich stark beeinflusst.“ Es ist eine Denkweise, die sein Handeln prägt. Diese Haltung ist zum Fundament seines Coachings geworden – und vielleicht der Grund, warum ihn Athletinnen und Athleten aus der ganzen Welt aufsuchen.









