Zehn Kilometer raus, zehn Kilometer zurück – und dazu Hitze, Wellen im Asphalt und der Mythos des Queen Kaahumanu Highway. Zwei Wochen vor dem Ironman Hawaii nehmen Frank Wechsel und Weltmeister Lars Wichert im ALOHA FRIDAY den entscheidenden Abschnitt der Laufstrecke unter die Lupe – und verraten nebenbei, warum sich vor dem Rennen ein Abstecher in die Kaffeeplantagen lohnt und weshalb die Startzeiten der Frauen für Diskussionen sorgen.

Bevor es um die Strecke geht, geht es erst einmal ums Ankommen: Über dem Pazifik braut sich ein Tropensturm zusammen, und wer zwischen Freitag und Dienstag Richtung Big Island fliegt, wurde von den Airlines bereits auf mögliche Umbuchungen hingewiesen. „Bingo, ich fliege am Montag“, stellt Frank trocken fest. Gepackt ist trotzdem: Kommende Woche melden sich die beiden bereits von der Insel.
Mauka und Makai: Hawaiianisch für Fortgeschrittene
Zum Einstieg gibt es eine kleine Sprachkunde. Auf Hawaii orientiert man sich nicht an links und rechts, sondern an zwei festen Bezugspunkten: „Mauka“ ist die Bergseite, „Makai“ die Meerseite eines Ortes – Begriffe, die auf der Insel so selbstverständlich benutzt werden wie Aloha und Mahalo. Wer also auf dem Rad Richtung Hawi durch die Lavawüste rollt, hat Mauka rechts – auf dem Rückweg links. Die Eselsbrücke unserer Experten: „Makai hört sich eher nach Sushi an“ – und Sushi gehört bekanntlich ans Meer.
Zehn Kilometer, drei Anstiege, kein Schatten
Dann wird es ernst: Oben an der Palani Road biegt die Laufstrecke links ab – raus in die Lava, raus auf den Queen Kaahumanu Highway. Gleich zu Beginn wartet mit dem berühmten „Iron War Climb“ einer der mythischsten Anstiege der Strecke, benannt nach dem legendären Duell zwischen Dave Scott und Mark Allen. Es ist auch die Stelle, an der Taylor Knibb im vergangenen Jahr entkräftet liegen blieb.
Der Highway selbst ist wellig, einsam und gnadenlos: Zehn Kilometer zieht sich der Weg vom Abzweig der Palani bis zum Eingang des Energy Lab, insgesamt läuft man 20 Kilometer auf dem Highway. Drei lange Anstiege prägen den Hinweg, und ab dem Moment, in dem man die Stadt verlässt, gibt es keinen Schatten mehr. „Da gibt es kein Entkommen“, sagt Lars, der vor zwei Jahren dabei gefilmt wurde, wie er Eiswürfel von der Straße aufsammelte.
Die Taktik: Von Station zu Station
Die Verpflegungsstationen liegen etwa eine Meile auseinander – gefühlt wird der Abstand zur Station am Energy Lab aber immer länger. Die Tipps aus der Folge für Agegrouper:
- Hangele dich mental von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, statt an die Gesamtlänge des Highways zu denken.
- Nimm an der letzten Station vor dem Energy Lab Eis mit und kaltes Wasser auf – in manchen Jahren wurde das Eis an den Stationen knapp.
- Orientiere dich im dichten Gedränge früh, wo du an der Station hinwillst, um nicht im „Verkehr“ festzustecken.
- Spare dir auf dem Rückweg Kräfte für den „Iron War Climb“ auf: Nach rund vier Kilometern bergab folgt aus einer Senke der Anstieg, der vielen Agegroupern kurz vor der Palani die Beine raubt – mit fast 40 Kilometern in den Knochen.
Wie schnell dieser Abschnitt gelaufen werden kann, zeigt die Bestmarke: Joe Skipper hält auf dem Stück von der Palani Richtung Energy Lab die schnellste Trainingszeit – 32:55 Minuten, ein 3:38er-Schnitt. Kristian Blummenfelt und Gustav Iden waren vier Tage später bei der Weltmeisterschaft nur unwesentlich langsamer unterwegs.
Kaffeepause: Warum sich der Blick nach Mauka lohnt
Wer vor dem Rennen Ruhe sucht, wird an den Hängen oberhalb des Highways fündig: Die Kaffeeplantagen von Big Island sind weltberühmt, eine wird sogar von einem Deutschen geführt. Kleine Museen, Tastingstationen, oft auch Eis – und ein Kaffee, der frisch vor Ort noch einmal besser schmeckt als importiert. „Ich habe gedacht, Kaffee ist Kaffee“, erinnert sich Frank an eines seiner ersten Hawaii-Erlebnisse, „aber Kaffee kann so unterschiedlich schmecken.“ Sein Fazit nach Jahren mit zweifelhaftem Bürokaffee: Der jährliche Hawaii-Trip ist auch eine Kaffeereise.
Startzeiten-Ärger: Der Frauenblock im Sandwich
Diskussionsstoff liefern die in dieser Woche veröffentlichten Startzeiten: Die Frauen-Altersklassen 40–44, 45–49 und 50–54 starten gemeinsam um 7:25 Uhr – eingeklemmt zwischen den Männern 40–44 (7:20 Uhr) und den Männern 45–49. Eine fünfmalige Altersklassen-Weltmeisterin aus Tschechien kritisierte auf Instagram, die nur fünfminütige Lücke könne zu einem „chaotisch unklaren Wettkampf“ führen – bei fast 2.000 Euro Startgeld sei es nicht die richtige Lösung, wenn Athletinnen womöglich im Windschatten der Männer landen.
Auch Lars betrifft die neue Ordnung: Er startet um 7:20 Uhr in der M40–44 – erstmals direkt vor einem großen Frauenblock und mit den schnellen Altersklassen M35–39 und M30–34 nur fünf beziehungsweise zehn Minuten vor ihm. „Man muss da auf jeden Fall achtsam sein“, sagt er.
TEAM GERMANY KONA26: 199 und ein Hochzeitstag
Das TEAM GERMANY KONA26 – powered by ROUVY zählt zum Aufnahmezeitpunkt 199 Mitglieder – eines fehlt noch zur 200. Die Statistik dahinter: Top-Berufe sind Ingenieure (10), Ärzte (8) und Rentner (6), die stärkste Altersklasse ist die M55-59, bei den Frauen die F30-34, die Top-Städte heißen Hamburg, München und Köln. In der F40–44 stehen unter anderem die siebenfache Hawaii-Starterin Silke Piri, die 2026 auf der Insel ihren zehnten Hochzeitstag feiern kann, sowie die dreimalige Altersklassen-Weltmeisterin Katrin Esefeld mit bemerkenswert konstanten Zielzeiten zwischen 9:49 und 9:58 Stunden am Start. Alle Athletinnen und Athleten samt Startzeiten gibt es unter tri-mag.de/kona26.
Die komplette Folge „ALOHA FRIDAY: Im Sturm raus in die Lava, wo der gute Kaffee wächst“ gibt es bei „Carbon & Laktat“, dem Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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