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SzeneAusbruch des Mauna Loa auf Hawaii: Der Stand der Dinge

Ausbruch des Mauna Loa auf Hawaii: Der Stand der Dinge

Der größte Vulkan der Welt spuckt wieder Feuer. Was hat es mit dem Ausbruch des Mauna Loa auf sich, was bedeutet das für Kailua-Kona und ist der Ironman Hawaii gefährdet? Ein Update.

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Ausbruch des Mauna Loa – eine Aufnahme aus einem Aufklärungsflugzeug etwa acht Stunden nach dem Beginn der Eruption.

Was ist der Mauna Loa?

Der Mauna Loa (“langer Berg”) ist mit 4.170 Metern zwar geringfügig weniger hoch als sein Nachbar Mauna Kea (“weißer Berg”) im Norden, doch gilt er als das größte Bergmassiv der Welt. Seine langen Flanken setzen sich unter den Pazifik fort und fallen dort weitere fünf Kilometer bis zum Meeresboden ab. Der Meeresboden wiederum wird durch die enorme Masse des Mauna Loa um weitere acht Kilometer nach unten gedrückt, damit befindet sich der Gipfel des Vulkans etwa 17 Kilometer über seiner Basis. Der riesige Berg bedeckt die Hälfte der Insel Big Island und nimmt etwa 85 Prozent der Fläche aller anderen hawaiianischen Inseln zusammen ein.

Wo liegt der Mauna Loa?

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Der Mauna Loa liegt im Südteil der Insel Big Island und ist benachbart von den Vulkanen Mauna Kea im Norden, Hualalai im Westen und dem ebenfalls derzeit aktiven Kilauea im Süden. Der Gipfelkrater Mokuaweoweo liegt etwa 40 Kilometer östlich von Kailua-Kona – dem Ort der Ironman-Weltmeisterschaften, die seit 1982 hier ausgetragen werden und zuletzt am 6. und 8. Oktober 2022 stattfanden.

Wie oft bricht der Mauna Loa aus?

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1843 ist der Mauna Loa 33-mal ausgebrochen. Eine Eruption fand in der Geschichte im Schnitt alle fünf bis sechs Jahre statt. Seit dem letzten Ausbruch im Jahr 1984 ruhte der Vulkan, ein erneuter Ausbruch war damit statistisch wahrscheinlich und überfällig.

Wie verläuft der aktuelle Ausbruch?

Die aktuelle Eruption begann am Sonntag, 27. November 2022, um kurz vor Mitternacht. Eine halbe Stunde vor dem ersten Sichtbarwerden von Lava in den Webcams des Hawaiian Volcano Observatory (HVO) ereignete sich ein Erdbeben der Stärke 4,4, das in einigen bewohnten Gegenden der Insel spürbar war. Wenig später konnten Bewohner in vielen Gegenden das rote Glühen am Himmel beobachten, auch in Kailua-Kona. Der Ausbruch begann zunächst im Gipfelkrater Mokuaweoweo und setzte sich dann in der nordöstlichen Rift-Zone fort, wo aus drei bis zu fünf Kilometer langen Rissen bis zu 70 Meter hohe Lavafontänen schossen. Von ursprünglich drei dieser Risse war bis 16 Stunden nach Beginn der Aktivität nur noch eine aktiv, die Lava befand sich am Montagabend (Ortszeit) etwa 15 Kilometer von der Saddle Road und damit der nächstgelegenen wichtigen Infrastruktur entfernt.

War der Ausbruch erwartbar?

Ja. Geologen haben seit Mitte September eine zunehmende Erdbebentätigkeit und eine Aufblähung des Vulkans gemessen, vor allem im Gipfelnähe. Trotzdem ist es bis heute kaum möglich, Zeitpunkt und genauen Ort eines Ausbruchs vorherzusagen. Die Anwohner des Berges wurden in den letzten Wochen aufgefordert, sich auf einen möglichen Ausbruch vorzubereiten.

Sind Wohngebiete gefährdet?

Aktuell nicht. Die Eruption begann im Gipfelbereich, innerhalb weniger Stunden wurden Lavaflüsse in nordöstliche Richtung beobachtet. Dort ist die Flanke des Mauna Loa weniger steil. Sollten sich die Lavamassen hier weiterbewegen, wird es erfahrungsgemäß mehrere Wochen bis Monate dauern, bis bewohnte Gebiete erreicht werden. 1984 machte die Lava erst 700 Meter vor der Ortsgrenze von Hilo Halt.

Müssen Menschen evakuiert werden?

Derzeit nicht. Als Vorsichtsmaßnahme hat der Zivilschutz zwei Notunterkünfte im Süden der Insel und beim den Triathleten bekannten Schwimmbad von Kailua-Kona eröffnet. Die Experten des United States Geological Survey (USGS) warnen, dass sich die Lage besonders zu Beginn einer Eruption schnell ändern kann und sich die Bevölkerung informiert halten soll. Alle öffentlichen Schulen waren am Montag geöffnet, die Zufahrtsstraße zum Mauna Loa wurde geschlossen.

Besteht eine Gesundheitsgefahr?

Der staatliche Wetterdienst der USA hat zunächst eine Aschefallwarnung herausgegeben: Für einen Teil von Big Island wurde eine Ascheansammlung von bis zu einem halben Zentimeter vorhergesagt. Die Asche kann möglicherweise Pflanzen und Tiere schädigen und die Sicht beeinträchtigen. Menschen mit Atemwegserkrankungen sollten im Haus bleiben, draußen sollte man sich Mund und Nase mit einer Maske oder einem Tuch bedecken. Die Warnung wurde innerhalb weniger Stunden aufgehoben. Auf Hawaii ist das Phänomen des Vog (eine Wortmischung aus Vulkan und Smog) durchaus bekannt, bei dem schädliche Gase über weite Strecke durch die Luft transportiert werden.

Kann die Lava Kailua-Kona erreichen?

Nein. Der Gipfel des Mauna Loa liegt etwa 40 Kilometer Luftlinie von Kailua entfernt. Allerdings liegt zwischen der Stadt und dem Berg noch der kleinere Vulkan Hualalai, um den die Lava nördlich oder südlich von Kailua an die Kona-Küste fließen würde. Der Hualalai gilt ebenfalls als nicht erloschen, doch sind gleichzeitige Eruptionen wie aktuell von Mauna Loa und Kilauea selten.

Ist der Flugverkehr nach Hawaii eingestellt?

Aktuell nicht. Über dem Mauna Loa wurde die Flugwarnstufe Rot eingerichtet, also ein Flugverbot verhängt. Die beiden internationalen Flughäfen in Hilo und Kailua-Kona sind weiterhin in Betrieb. Sollte es zu einem starken Ascheauswurf kommen und die Windrichtung unglücklich stehen, kann es zu Einschränkungen im Flugverkehr kommen, daher sollten Passagiere die Informationen von Airlines und Flughafen im Auge behalten. Da die hawaiianischen Vulkane nicht so explosionsartig ausbrechen wie die in anderen Teilen der Erde, sind großflächige Einschränkungen wie beim isländischen Eyjafjallajökull 2010 nicht zu erwarten. Damals war nahezu der gesamte transatlantische Flugverkehr zum Erliegen gekommen.

Ist der Ironman Hawaii gefährdet?

Aktuell nicht durch die Eruption selbst. Die Radstrecke wäre unmittelbar gefährdet, wenn der Ausbruch im Nordwesten des Gipfels lokalisiert wäre. Das ist aktuell nicht der Fall, für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen. Sollte die Eruption weitere Folgen für die Menschen oder das Inselleben haben, könnte das als Argument in der aktuellen Diskussion um das Zweitagesformat des Rennens in Spiel gebracht werden.

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Frank Wechsel
Frank Wechsel
Frank Wechsel ist Herausgeber der Zeitschriften SWIM und triathlon. Schon während seines Medizinstudiums gründete er im Oktober 2000 zusammen mit Silke Insel den spomedis-Verlag. Frank Wechsel ist zehnfacher Langdistanz-Finisher im Triathlon – 1996 absolvierte er erfolgreich den Ironman auf Hawaii.
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