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Leistungskurs Selbstvertrauen
Die Deutsche Meisterin Lisa Tertsch im Porträt

Lisa Tertsch ist die neue Deutsche Meisterin auf der Sprintdistanz. Ein Porträt einer jungen und erfolgreichen Sportlerin, für die Sport längst nicht alles ist.

Frank Wechsel / spomedis Lisa Tertsch führt das Rennen um die Deutsche Meisterschaft vor Nina Eim, Lena Meißner und Marlene Gomez-Islinger an.

Es ist das Jahr 2015. Das Abitur liegt für die damals 16-jährige Lisa Tertsch noch ein Jahr in der Zukunft, und während sich viele ­ihrer Altersgenossen auf Partys austoben und verständlicherweise nicht einmal darüber nachdenken, ob und was sie nach der ­Schule studieren wollen, beschäftigt sich die Darmstädterin bereits mit dem Spagat zwischen Elite-Universität und Leistungssport. 

In der Schule arbeitet sie an einem Spitzenabitur und in ihrer Freizeit trainiert sie sich im Schwimmen, Radfahren und Laufen auf ein Niveau, das ihr eine Top-Ten-Platzierung bei den Juniorenweltmeisterschaften im Triathlon ermöglicht. Und als ob das alles nicht genug wäre, ergattert sie nebenbei einen der begehrtesten Studienplätze der Welt an der Harvard-Universität in ­Boston.

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Hochleistung in Sport und Studium

Etwas mehr als fünf Jahre später hat sich an diesem Bild grundsätzlich wenig verändert, nur die Maßstäbe sind andere geworden. Während andere in diesem Alter Ausbildungen oder ihr Studium abbrechen und ihren Weg noch suchen müssen, die meisten Hochleistungssportler ihren ­Fokus komplett auf den Sport legen und die berufliche Ausbildung zunächst einmal hint- anstellen, hat Lisa Tertsch an keiner der beiden Fronten zurückgesteckt. Statt auf das Abiturzeugnis steuert sie nun eben auf den Bachelorabschluss im Hauptfach Economics mit Nebenfach Evolutionärbiologie an besagter Elite-Universität zu. Und statt um die ­Juniorenweltmeisterschaften im Triathlon geht es um die der U23. Lisa Tertsch wurde zwischenzeitlich mehrfach vom Deutschen Leichtathletikverband in den Kader für internationale Meisterschaften berufen und hat gegen die Triathlon-­Elite in der World ­Triathlon ­Series läuferisch Akzente gesetzt: für Tertsch nicht obwohl, sondern weil sie ihren eigenen Weg geht und in ihrem jungen Leben nicht komplett und verbissen auf den Sport setzt.

Dieser Entschluss ist wohl auch damit zu begründen, dass der Profisport oder große Turniere Tertsch in ihrer Jugend selbst kaum fesselten. Zwar entdeckte sie schon mit dem Start am Gymnasium das Schwimmen für sich, ergänzte das mit 13 Jahren um das Laufen und maß sich wenig später bereits in der nationalen Triathlonspitze, aber der Bedeutung dessen war sie sich so richtig nicht bewusst. Denn Olympische Spiele etwa verfolgte Tertsch damals kaum, und auch eine Trennung zwischen den Einzelsportarten und dem Triathlon erscheint ihr bis heute überflüssig: „Ich sehe mich als Ausdauersportlerin, die eben manchmal mehr läuft und manchmal mehr Triathlon macht“, sagt sie. 

Plötzlich Weltspitze

So kommt es, dass die Darmstädterin neben ihren Jugenderfolgen im Triathlon auch im Laufsport die hessischen Bestenlisten der Junioren dominiert und selbst 2020 noch mit einer 10.000-Meter-Zeit von 33:39 Minuten in ihrem einzigen reinen Laufwettkampf über diese Distanz eine Duftmarke setzt, die in Deutschland nur eine andere unter 23-jährige Deutsche im vergangenen Jahr toppen kann. Selbst altersklassenübergreifend liefen nur zehn deutsche Frauen die zehn Kilometer in 2020 ­schneller als Lisa Tertsch.

Dass sie gut ist, weiß Tertsch – ohne aber zu viel darüber nachzudenken. „Ich habe auch früher schon immer von Jahr zu Jahr gedacht“, sagt sie. Bereits als Jugendliche habe sie Ziele gehabt, die sie im Laufe der kommenden Saison erfüllen wollte. Erst als sie 2015 bei der Junioren-WM in Chicago Zehnte wird und dabei die zweitschnellste Zeit läuft, spricht die damals 16-Jährige den Potsdamer Ron Schmidt an: den Coach von Laura Lindemann, die in Chicago als ­einzige Triathletin schneller lief als Tertsch und das Rennen gewann. „Ich dachte, das wäre jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, das Ganze noch gezielter anzugehen. Und Ron wusste ja anscheinend, wie es geht“, sagt sie.

Erfolgreicher Ausflug in den Laufsport

Dass diese Zusammenarbeit nicht lange halten würde, ahnt Tertsch aber damals schon. „Mir war klar, dass es schwierig werden würde, das Triathlontraining mit dem Studium in Harvard zu verbinden“, erinnert sie sich. Dieses Studium tritt sie im Sommer 2016 an und entscheidet im gleichen Jahr nach einem zweiten Rang bei den Juniorenweltmeisterschaften in Mexiko, sich aus dem Triathlon-Wettkampfsport zurückzuziehen, weil sich das Triathlontraining schwer mit dem Studium vereinbaren lässt – auch, weil ihr die Infrastruktur und das Netzwerk, das sie sich in Darmstadt aufgebaut hatte, fehlt.

Stattdessen verfolgt Tertsch neue Ziele: Neben dem Studium konzentriert sie sich ab dem Herbst 2016 zunächst auf das Laufen und findet dafür an der Harvard University den passenden Trainer. Zwar trainiert sie während der Zusammenarbeit mit ihm weiterhin strukturiert und meist ein- bis zweimal täglich, dennoch ermutigt sie der Coach zunehmend, sich trainingstechnisch in verschiedenen Methoden auszuprobieren, ohne ihr dabei starre Pläne vorzugeben. Sie soll nach Vorstellung ihres Coachs lernen, mehr in sich hineinzuhören, ihr eigenes Gefühl zu interpretieren und das Training, wenn nötig, diesem anzupassen. Um sich so etwa von fixen Intervallzeiten, denen sie im Training hinterherjagt, zu lösen – und das tut sie mit Erfolg. In den Jahren 2017, 2018 und 2019 wird sie aufgrund ihrer Leistungen vom Deutschen Leichtathletikverband in den Junioren- bzw. U23-Klassen zu Europameisterschaften im Crosslauf berufen, wo sie im deutschen Aufgebot 2018 Team-Europameisterin und 2019 in der U23 als beste Deutsche Achte wird. Für das Jahr 2021 erfüllt sie auch die Normen für den Perspektivkader in der Leichtathletik – entscheidet sich, da nicht beides möglich ist, aber für die Zugehörigkeit zum Triathlonkader.

Selbstbewusstes Comeback

Denn zum Triathlon findet sie schon im Sommer des Jahres 2018 zurück. „Ich ­hatte wieder Lust darauf, also habe ich ­angefangen, dafür zu trainieren“, erzählt sie. Im Laufe der folgenden Monate nimmt sie auch wieder Kontakt zu Ron Schmidt auf, die Zusammenarbeit versiegt aber nach und nach und endet im Laufe ihrer Comeback-Saison 2019, in der sie überraschend einen Weltcup in Antwerpen, mehrere ­Europacups sowie die U23-EM gewinnt. Bei der U23-Weltmeisterschaft in ­Lausanne stürmt sie erneut aufs Podest und wird am Ende der Saison durch die Europäische Triathlon Union als Triathletin des Jahres ausgezeichnet. 

„Es hat einfach nicht mehr gepasst“, erklärt Tertsch das Ende der Zusammenarbeit. Ihr in den USA verfestigter Ansatz, vermehrt in sich hineinzuhören und das Training dem eigenen Körpergefühl anzupassen, kollidierte mit festen Trainings­plänen und den Anpassungen an höhere Trainingsumfänge, wie sie viele andere Sportler auf ihrem Niveau trainieren. Im Gegenteil sei es eine Lektion aus ihrer Zeit in den USA gewesen, „dass es nicht darauf ankommt, wie viel man macht, sondern dass man das, was man tut, richtig macht“, sagt sie. „Ich hatte auch gelernt, dass es besser ist, den Tempodauerlauf von Montag auf Dienstag zu verschieben, wenn ich mich am Montag  nicht gut fühle – so lange ich ihn eben laufe. Dieses Fühlen, wie es mir geht und wann es zu viel wird, kann mir kein Trainer abnehmen.“ Das hatte Tertsch zwar schon vor ihrem Studium geahnt, „aber erst danach hatte ich das Selbstvertrauen, auch dazu zu stehen und zu machen, wovon ich wirklich überzeugt bin.“ Und ist seitdem ihr eigener Coach.

Prozess- statt Zieldenken

Das Studium in Harvard pausiert sie Mitte 2019 für ein Jahr und kehrt nach Darmstadt zurück, um sich voll auf ihre Olympia-­Chance zu konzentrieren. Sie steckt sich für 2020 das Ziel der ­Olympiaqualifikation, „wobei mir klar war, dass es schwierig werden und meine Zeit vielleicht erst 2024 kommen wird“, meint sie. „Ich sehe das Ganze nicht als verbissenes Pflichtziel. Aber Olympia ist mein Nordstern, an dem ich Orientierung finde.“ Die Geschichte ist bekannt: Anabel Knoll holt sich beim Olympia-Ausscheidungswettkampf Ende Mai das Ticket, Tertsch geht leer aus.

Frank Wechsel / spomedis Lisa Tertsch und Daniel Unger bei der Olympia-Quali in Kienbaum.

Als das Coronavirus die Olympischen Spiele in die Knie zwingt, ist das zunächst auch für Tertsch ein Rückschlag, wie ­Daniel Unger beobachtet hat. Der Bundesstützpunkttrainer aus Saarbrücken hält für die Deutsche Triathlon Union Kontakt zu Tertsch, die als eine von nur wenigen ­Kadersportlern abseits von Stützpunkten und Trainingsgruppen agiert. „Lisa ist sehr selbstbewusst, unheimlich zielorientiert und weiß genau, was sie will. Das ist beeindruckend, gerade auch angesichts ihres jungen Alters“, sagt Unger. Umso größer ist die Enttäuschung zunächst, als diese Ziele sich in Luft auflösen. „Ich habe aber schnell gemerkt, dass mir das Training trotzdem Spaß macht und man trotzdem arbeiten kann“, erzählt Tertsch. Sie erinnert sich wieder an eine Lektion ihres amerikanischen Trainers, die ihr Training heute Tag für Tag beeinflusst: dass sie eben nicht für ein fixes Ziel arbeite, sondern versuchen solle, den Prozess optimal zu gestalten – und das Ziel als Konsequenz daraus dann irgendwann von allein komme.

Arbeit statt Wunder

Neue Ziele kommen in der zweiten Jahreshälfte: Als das topbesetzte Weltmeisterschaftsrennen 2020 in Hamburg stattfindet, landet sie mit der zweitschnellsten Laufzeit aller Teilnehmerinnen als zweitbeste Deutsche auf Rang 16 und überzeugt auch in den folgenden Weltcups. Im Mixed Relay in Hamburg verliert das deutsche Team zwar durch Startathletin Tertsch im Schwimmen den Anschluss an die Spitze, das allerdings mit ihrer Vorahnung, weshalb es ihr nicht schwerfällt, diese Erfahrung schnell abzuhaken: „Es gibt keine Wunder. Mal passen die Umstände gut und dann kommt es einem wie ein Wunder vor. Aber wenn sich im Training nicht vorab gezeigt hat, dass ich schnell schwimmen kann, wird es auch im Wettkampf nicht plötzlich klappen“, sagt sie. „Wir wussten, dass die Aufstellung riskant war, weil Lisa im Schwimmen gerade auf den kurzen Strecken noch Rückstand hat“, sagt auch Unger. „Dass sie das riskant findet, hat sie uns gesagt. Aber trotz ihrer eigenen Bedenken hat sie unsere Entscheidung mitgetragen und sich voll reingeworfen, was ich für eine große Qualität halte.“

Frank Wechsel / spomedis Alles unter Kontrolle: Noch lässt Lisa Tertsch ihre Konkurrentinnen Lena Meißner und Nina Eim gewähren …

Das Schwimmen hat auch Tertsch als ihre größte Baustelle ausgemacht. Da im olympischen Format Windschattenfreigabe herrscht, entscheidet oft die Zugehörigkeit zur ersten oder zweiten Radgruppe über die Chance auf Top-Platzierungen. Etwas, was ihr auf Top-Niveau derzeit noch nicht immer gelingt. „Aber ich bin sicher, dass ich da noch nicht ausgereizt bin und den Sprung schaffen kann“, erzählt Tertsch, die als Kaderathletin während der Pandemie-Einschränkungen im Winter zumindest viermal wöchentlich im Darmstädter Bad trainieren kann – keine idealen Bedingungen, aber welche, für die sie angesichts der aktuellen Situation dankbar ist. Denn auch diese Erkenntnis zeichnet Lisa Tertsch aus: „Man darf nicht alles unter dem Aspekt dessen bewerten, was objektiv bei perfekten Bedingungen ideal wäre, sondern unter dem, was unter den gegebenen Umständen eben tatsächlich möglich ist“, sagt sie.

Tunnelblick durch Ablenkung

Das Studium in Harvard hat Tertsch kurz vor den Hamburger Rennen ebenfalls wieder aufgenommen und bringt es, ermöglicht durch die Coronapandemie, im Mai überwiegend im Fernstudium von Darmstadt aus zu Ende. Und obwohl die Deutsche ­Triathlon Union es sonst grundsätzlich lieber sieht, dass Olympia-Aspiranten sich voll auf den Sport fokussieren, hat Unger im Falle von Tertsch da eine andere Meinung. „Ich glaube, sie braucht diese Doppelbelastung. Und sie braucht Ziele, möglicherweise auch abseits des Sports“, sagt er. Und er stimmt in diesem Punkt mit Tertsch überein, die sagt: „Ich kann nicht einfach nur Sport ­allein machen, das reicht mir nicht. Ich brauche Projekte und Ziele daneben.“ Das nimmt ihr Druck, das fordert sie mental – fördert sie gerade dadurch aber auch in „dem Tunnelblick und dem absoluten Willen“, den Unger bei ihr ausgemacht hat. 

Zur ­Konzentration  gehört auch, dass Lisa Tertsch sich zum Beispiel nicht übermäßig mit Reaktionen auf ihre  Social-Media-Auftritte beschäftigt, weil dies schlicht zu viel Energie kosten würde. Und sie braucht auch die Aufmerksamkeit nicht: Die Liebe zum Training und zur Bewegung selbst motivieren die ­Darmstädterin mehr als der Zuspruch, den sie mit ihren Leistungen ernten könnte. Wo in der Öffentlichkeit häufig das Bild entsteht, dass Hochleistungssport und Beruf kaum zu vereinbaren seien, zeigt Tertsch, dass diese Aufgaben einander sogar zuträglich sein können. Dabei sieht sie auch ihre ­Eigenverantwortlichkeit als Teil ihres Erfolgsrezepts: „Es verhilft mir zur richtigen Motivationshaltung“, sagt sie. „Wenn ich für mein Training selbst verantwortlich bin, dann trainiere ich die Einheiten, weil ich sie trainieren will. Und nicht nur, weil sie auf dem Plan stehen.“ 

Dass dies zumindest für Tertsch funk­tioniert, hat auch Daniel Unger beobachtet. „Lisa hat die Fähigkeit, sich Scheuklappen aufzusetzen und mit großem Selbstbewusstsein einfach zu marschieren. Dazu sehe ich in Rennen und Leistungsdiagnostiken, wie stark sie sich in welchen Bereichen quälen kann“, sagt er. Selbst in vermeintlich aussichtslosen Rennsituationen gebe Tertsch nie auf und hole alles aus sich heraus. In Kombination mit ihrer offensichtlichen Veranlagung zum Ausdauersport (Tertschs 18-jährige Schwester Marie läuft die 3.000 Meter bereits in 9:46 Minuten) ergebe das ein Potenzial, aus dem noch Großes entstehen könne.

Freiraum geben, Zeit nehmen

„Die Aufgabe des Verbands sehe ich darin, Lisa Freiraum zu geben und sie einfach zu unterstützen, wo sie es benötigt“, sagt ­Unger. Zwar sei er überzeugt, dass die Weltspitze auf der Kurzdistanz nur über hochklassige Trainingsgruppen zu erreichen sei. „Aber da sie keine Sportsoldatin oder -polizistin ist, sondern quasi freischaffende Sportlerin, hat sie freie Hand. Und wir wollen sie auch nicht aus ihrer Struktur reißen und sind schon froh, wenn wir sie punktuell etwa im Trainingslager oder in bestimmten Phasen am Stützpunkt erleben und sie da gewisse Abläufe wie das Fahren in der Gruppe oder Massenstarts trainieren kann“, sagt Unger. Umgekehrt ist auch Tertsch glücklich über den Freiraum, den ihr der Verband gibt, und gewährt Unger über eine Trainingsplattform Zugriff auf die Aufzeichnungen ihres Trainings, das sie regelmäßig mit Patrick Langes Lauftrainer Wolfgang Schweim berät. „Sie weiß, dass sie sich bei Fragen an uns wenden kann, und tut das auch. Sie fragt viel, und vor ­allem lernt sie schnell und sehr gern“, sagt Unger. Deshalb hält er es „auch nur für eine Frage der Zeit“, bis die 22-Jährige ihren Rückstand im Schwimmen gegenüber der Weltspitze aufgeholt hat.

Es stellt sich nur die Frage, wie viel Zeit Tertsch sich dafür selbst geben will. In den kommenden beiden Saisons wolle sie auf jeden Fall auf den Sport setzen, sagt sie. Sie hat auch die Olympischen Spiele 2024 bereits im Hinterkopf und kann es sich vorstellen, ähnlich wie Nicola Spirig weiterhin Ausflüge zu internationalen Laufmeisterschaften zu machen, sollte sie sich den entsprechenden Qualifikationsnormen weiter annähern. „Denn das Training für das reine Laufen und den Triathlon sind auch auf hohem Niveau miteinander zu vereinbaren. Meine besten Zeiten bin ich im Triathlontraining gelaufen“, ist sie überzeugt.

Sie ahnt aber ebenfalls bereits, dass sie nach ihrem Bachelorabschluss im Mai noch andere Projekte neben dem Sport finden muss. Denn auch Lisa Tertsch kennt Zweifel: Nicht etwa hinsichtlich ihrer Leistung, ihres Trainings und ob sie diese Verantwortung nicht abgeben sollte. Das sei „keine Geheimwissenschaft und funktioniert ja augenscheinlich auch in Eigenregie“, sagt sie. Sondern dahingehend, wie viel sie dem Sport in ihrem Leben unterordnen will und ab wann es unvernünftig würde. 

Wo andere Sportler sagen, nach ihrer Karriere alles für ihren olympischen Traum getan haben zu wollen, sagt Tertsch, sie wolle alles dafür getan haben, „was innerhalb meiner Möglichkeiten sinnvoll war“. Denn jede Trainingseinheit koste auch Zeit und Energie, die sie sonst in ihre Ausbildung investieren könne. Doch so, wie ihr das Studium als Ausgleich für den Sport dient, funktioniert es aktuell auch andersherum. Und bei allem Optimierungsstreben steht auch bei Lisa Tertsch eines immer noch über allem anderen: „Ich mache diesen Sport, weil ich riesengroßen Spaß da­ran habe.“

Frank Wechsel / spomedis Deutsche Meisterin 2021: Lisa Tertsch

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1 Kommentar
  1. Simon

    Ein tolles Porträt!

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