Das schaffen nur die Allerbesten: Mit ihren Siegen bei der Ironman-70.3-WM und beim Ironman Hawaii hat sich Taylor Knibb in einen exklusiven Kreis von Doppelweltmeistern katapultiert.
Taylor Knibb hat dieses Jahr viel riskiert und alles gewonnen. Die US-Amerikanerin wagte den Doppelstart bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Nizza und dem Ironman Hawaii nur vier Wochen später. Das Risiko zahlte sich aus: Knibb gewann beide Rennen und ist damit die erste Athletin seit Daniela Ryf 2018, die sich in einem Jahr beide Ironman-Titel sichert. Vielleicht könnte man diesen Triumph in Zukunft den Grand Slam des Triathlons nennen.
Vor Knibb gelang dieses Kunststück lediglich zwei weiteren Athletinnen und Athleten. Craig Alexander und Leanda Cave machten 2011 und 2012 den Anfang, 2015 folgten Jan Frodeno und Daniela Ryf. Die Schweizerin schaffte das Double anschließend sogar noch zweimal. Auffällig: Auch die erfolgsverwöhnten Norweger haben es bislang nicht geschafft, beide Titel innerhalb eines Jahres zu gewinnen. Weltmeister auf beiden Distanzen waren Gustav Iden und Kristian Blummenfelt bereits, das Double blieb ihnen jedoch bisher verwehrt.
Die Doppelsieger bei Ironman-WM und Ironman-70.3-WM
| Jahr | Name | Ironman-WM | Ironman-70.3-WM |
|---|---|---|---|
| 2011 | Craig Alexander (USA) | Hawaii | Henderson (USA) |
| 2012 | Leanda Cave (GBR) | Hawaii | Henderson (USA) |
| 2015 | Jan Frodeno (GER) | Hawaii | Zell am See (AUT) |
| Daiela Ryf (SUI) | Hawaii | Zell am See (AUT) | |
| 2017 | Daiela Ryf (SUI) | Hawaii | Chattanooga (USA) |
| 2018 | Daiela Ryf (SUI) | Hawaii | Port Elizabeth (RSA) |
| 2026 | Taylor Knibb (USA) | Hawaii | Nizza (FRA) |
Knibbs Saisonplanung geht auf
Mit ihren beiden WM-Titeln hat Knibb nicht nur ihre physische Klasse auf der Lang- und Mitteldistanz unter Beweis gestellt. Sie zeigte auch, wie konsequent sich eine Saison auf die Höhepunkte ausrichten lässt. Nach zwei Siegen im März beim T100-Rennen an der Gold Coast und beim Ironman 70.3 Oceanside sicherte sie sich im April mit Rang zwei beim Ironman Texas das Hawaii-Ticket.
Im Mai und Juli folgten lediglich zwei Starts auf der Kurzdistanz in der World Triathlon Championship Series (WTCS). Danach konzentrierte sich Knibb auf die Vorbereitung ihrer Highlights in der zweiten Jahreshälfte. Zwischen den beiden Ironman-Weltmeisterschaften stand sogar noch ein Abstecher auf dem Programm: Bei der WM im Einzelzeitfahren in Montréal belegte sie Rang 13 und war damit beste US-Amerikanerin.
Für ihre Titel-Ambitionen nahm Knibb bewusst in Kauf, in der lukrativen Ironman Pro Series nicht das Maximum herauszuholen. Obwohl sie mit einem Rennen weniger antrat, beendete sie die Gesamtwertung auf Rang sieben.
Wie weit kann Taylor Knibb noch kommen?
Mit 28 Jahren ist Knibb bereits vierfache Ironman-70.3-Weltmeisterin und amtierende Ironman-Weltmeisterin. Wie weit ihre Reise noch führen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Die Bestmarke von Daniela Ryf, die auf beiden Distanzen jeweils fünf WM-Titel sammelte, ist jedenfalls noch ein gutes Stück entfernt.
Allerdings war die Schweizerin in einem ähnlichen Alter wie Knibb heute, als sie ihre große Titelsammlung startete. Ihren ersten Ironman-70.3-WM-Titel gewann sie mit 27 Jahren, ihren ersten Hawaii-Titel mit 28. Knibb hat also noch Zeit, aufzuholen. Nach diesem Jahr ist jedenfalls klar: Ihr Double aus Nizza und Hawaii muss nicht das letzte gewesen sein.