Das Frauenrennen um die Ironman-70.3-WM-Krone ist entschieden. Taylor Knibb war mal wieder in einer eigenen Liga unterwegs.

Samstagmorgen an der Côte d’Azur: Kurz vor dem Start müssen auch die Profis noch mal den Schwimmkurs studieren.

Punkt 7:00 Uhr: Das Rennen um die 20. Ironman-70.3-Weltmeisterschaft ist eröffnet.

Mehr oder weniger galant nehmen die fast 50 Profi-Frauen die ersten Meter über den steinigen Strand.

Rasch bildet sich im 26 Grad warmen Mittelmeer eine größere Spitzengruppe. Allein absetzen kann sich heute niemand.

Sophie Evans aus Großbritannien ist die Erste, die wieder festen Boden unter die Füße bekommt. In 25:49 Minuten absolviert sie die 1,9 Kilometer. Danach fällt sie allerdings rasch zurück. Am Ende wird sie 14.

Die spätere Siegerin ist von Beginn an vorn dabei. Taylor Knibb erzielt die fünfbeste Schwimmzeit und scheint beim Landgang bereits voll fokussiert auf die nächste Disziplin zu sein.

Auf ihr ruhen die französischen Hoffnungen: Marjolaine Pierré kommt aus der Nähe von Nizza und wird dem Rennen noch ihren Stempel aufdrücken.

Ironman-Weltmeisterin Solveig Løvseth hat angeblich nicht viel vor bei dieser 70.3-WM. Ihr Fokus liege auf der Titelverteidigung in einem Monat auf Big Island, sagt sie. Trotzdem liegt sie nach dem Schwimmen mit 1:40 Minuten Rückstand in Schlagdistanz zur Spitze.

Auch Laura Philipp blickt bereits auf Kona. Vorher will sie in Nizza möglichst viele Punkte für die Ironman Pro Series abgreifen. Dass sie nach dem Schwimmen zurückliegt, ist keine Überraschung. Mehr als drei Minuten Rückstand ist aber eine Menge Holz.

Nach und nach kommen die weiteren Profi-Frauen aus dem Wasser und fast jede ist froh über eine helfende Hand beim steilen Schwimmausstieg.

Nach dem Wechsel aufs Rad fackelt Taylor Knibb nicht lang. Die Topfavoritin übernimmt mit dem ersten Anstieg die Kontrolle über das Feld.

Als eine von nur wenigen Profis hat sich Løvseth bei diesem Rennen für einen Rennradrahmen mit Triathlonaufsatz entschieden.

Alanis Siffert ist gut in Form. Die Schweizerin spielt ihre Stärke in den Bergen aus und positioniert sich früh in den Top drei.

Lena Meißner hält auf dem Rad lange Zeit mit. Erst zum Ende hin verliert sie einige Positionen.

Julie Derron fährt eher unauffällig. Sie weiß um ihre Laufstärke und dass hinten raus noch viel möglich ist.

Nach einem kurzen Flachstück in Nizza geht es bis Kilometer 45 nur bergauf. Ein leichter Kurs ist das sicher nicht. Aber einer WM würdig.

Knibb drückt im Anstieg mächtig auf die Tube. Fast sieben Minuten Vorsprung erarbeitet sie sich hinauf auf den Col de Vence und den zweiten Anstieg dahinter.

Auf der rasanten Abfahrt schlägt die Stunde von Lokalmatadorin Marjolaine Pierré. Wie keine andere legt sie sich in die Kurven und reduziert ihren Rückstand von acht auf vier Minuten. Unten in Nizza kommt sie als Zweite in T2.

Auch Siffert liegt weiter gut im Rennen.

Als Laura Philipp die Promenade das Anglais erreicht, deutet sich an, dass es heute nichts wird mit einer absoluten Top-Platzierung. Zwar kommt noch ihre Stärke, das Laufen, doch der Rückstand auf Knibb beträgt rund neun Minuten.

Unangefochten rollt Knibb in die Wechselzone.

Während ihre Konkurrentinnen noch radeln, läuft die 28-Jährige bereits das erste Mal die Promenade hinunter.

Kurz nach dem Wechsel in die Laufschuhe führt Katrina Matthews für kurze Zeit ein starkes Duo mit Løvseth an. Allerdings erwischt die normalerweise laufstarke Britin keinen guten Tag und spielt im weiteren Rennverlauf keine große Rolle mehr.

Ganz anders Julie Derron, die als Elfte vom Rad steigt und sich Stück für Stück nach vorn arbeitet.

Laura Philipp ist solide unterwegs und arbeitet sich vor. Was ist noch drin für die Heidelbergerin?

Zu hohes Tempo auf dem Rad? Mit schweren Beinen fällt Lena Meißner erst aus den Top Ten und später aus den Top 20 heraus. Das Ziel erreicht sie als 25.

Caroline Pohle läuft solide und hält ihre Platzierung unter den besten zehn.

Vorn ist die Sache gelaufen: Taylor Knibb wird ihren vierten Titel bei der Ironman-70.3-WM gewinnen.

4:19:24 ist heute die Siegerinnenzeit!

Eine von vorn bis hinten dominante und kontrollierte Performance der US-Amerikanerin.

Knibb gewann bereits 2022, 2023 und 2024.

Obwohl weit und breit niemand zu sehen ist, sprintet Julie Derron die letzten Meter ins Ziel. Sie erzielt in 1:13:04 die Top-Laufzeit des Tages und arbeitet sich zehn Plätze vor auf Rang zwei.

Für diese Leistung gratuliert Ironman-Chef Scott DeRue persönlich.

Alanis Siffert jubelt über ihren starken dritten Platz.

Auch sie muss nach dem Zieleinlauf erst mal ihre Kräfte sammeln.

Laura Philipp wird Sechste und damit beste deutsche Triathletin bei dieser WM.

Das Podium gehört diesen drei: Tayler Knibb gewinnt vor Julie Derron (links) und Alanis Siffert (rechts).


















