Sonntag, 21. Juli 2024

„Es wird ein spannendes Rennen für die Zuschauer – und schmerzhaft für uns“

Bengt Lüdke

Justus Nieschlag, für euch als Team war es am Donnerstag ein Auftakt nach Maß bei den Finals. Wie fällt dein persönliches Fazit nach dem ersten Renntag aus?
Wir können alle rundum zufrieden sein. Unsere Taktik, Lena Meißner, unsere letzte Starterin mit einem gewissen Puffer auf Laura Lindemann auf die Strecke zu schicken, ist aufgegangen. Für meinen Part war der Plan, dass ich auf dem Fahrrad wegfahre und eine Lücke aufreißen kann. Also so ähnlich, wie wir das beim Titel letztes Jahr auch gemacht haben. Als wir zu dritt ins Wasser gesprungen sind, war klar, dass ich ein schnelles Schwimmen liefern muss und ein schneller Wechsel, damit die Lücke erst mal da ist. Das hat ziemlich gut funktioniert, muss ich sagen.

Du warst zuletzt beim World-Cup-Rennen in Mexiko, wo du deine Leistung aus bestimmten Gründen nicht so abrufen konntest, wie du wolltest. Wie überrascht warst du von deiner eigenen Performance in der Staffel in Berlin?
Da war ich sehr positiv überrascht. Mexiko war für mich keine Reise wert. Ich war fünf Tage unterwegs für nichts. Das war hart und bitter, vor allem, weil meine Form dieses Jahr bisher sehr gut war. Dementsprechend hätte ich dort gern ein paar Punkte mitgenommen. Ich muss noch genau schauen, was der Grund war. Sicherlich war es auch zum Teil ein kleiner Magen-Darm-Infekt, den ich mir bei meinem Zimmerkollegen vermutlich eingefangen habe. Der lag nämlich schon vier Tage flach. Bei mir ging es nach dem Rennen los. Insofern war es jetzt vor den Finals auch eine kritische Phase und ich stand mit unserer sportlichen Leitung in Kontakt. Letztlich haben wir uns dazu entschieden, dass ich starte, weil ich mich am Morgen vor dem Rennen gut gefühlt habe. Insofern bin ich nicht nur überrascht, sondern auch erleichtert, dass es so gut geklappt hat.

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Das Rennen in Mexiko lief nicht so, wie erhofft. Im Kraichgau bei der Mitteldistanz lief es ganz anders. Dort hast du mit deinem Sieg ein Ausrufezeichen gesetzt. Wie sehr ist diese Distanz nach den Olympischen Spielen 2024 dein Ziel – und woran musst du trotz des jüngsten Erfolges noch arbeiten?
Das ist definitiv ein Ziel. Deshalb mache ich das jetzt bereits. Es war meine dritte Mitteldistanz. Es war zwar jedes Mal so, dass ich danach etwas staksig von dannen gezogen bin, was sich ein paar Tage hält. Das ist aber der Tatsache geschuldet, dass ich noch etwas Erfahrung sammeln muss, was die Verpflegung und das Pacing etwa angeht. Aber auch letztlich die Vorbereitung auf den ganzen Spaß, sich über die Dauer knapp unterhalb der Schwelle zu bewegen. Das ist muskulär noch mal etwas ganz anderes. Bisher habe ich mich circa drei Wochen vorbereitet, das ist aber ein bisschen wenig Zeit, um sich optimal darauf vorzubereiten.

Wie intensiv ist denn der Kontakt zu Kristian Blummenfelt oder Gustav Iden?
(lacht) Wir haben nur Kontakt, wenn wir uns im Trainingslager in der Sierra Nevada sehen, wo die ja meist anzutreffen sind. Das sind zwei lustige Typen. Da kann man schon mal etwas plaudern. Die sind aber echt verrückt, von der Mittel- bis zur Langdistanz zu gehen, die ja noch mal etwas ganz anderes ist, und dann zurück zur Sprintdistanz. Bei Gustav haben wir jetzt gesehen, dass es doch nicht ganz so einfach ist. Kristian will ja auch zurückkommen – und er hat ja bis 2024 noch ein bisschen Zeit. ich denke, wenn das jemand schaffen kann, dann ein Norweger.

Nach dem Schwimmen wird man sicherlich ein hartes Anfahren auf dem Rad provozieren.

Justus Nieschlag

Du bleibst also vorerst auf den kürzeren Distanzen. Was fasziniert dich daran?
Das ist ein sehr spannendes Format und stellt ganz andere Anforderungen. Das tut nicht unbedingt muskulär so sehr weh, sondern dort hat man das Herz-Kreislauf-Limit. Gerade in den superkurzen Formaten ist es spannend bis zum Schluss. Ich kann mich da gut auspowern. Bei der olympischen Distanz arbeiten wir noch daran, dass es auch beim Laufen hinten heraus klappt.

Im vergangenen Jahr hattest du eine Schulterverletzung und Probleme mit der Achillessehne. Inwiefern spürst du noch Nachwirkungen dieser Verletzungen?
Ich hatte zuletzt noch kleine muskuläre Probleme, da hat eine Muskelgruppe extrem kompensiert und war belastet. Aber grundlegend macht mir die Schulter keine Probleme im Schwimmen oder Sprinten. Die Achillessehne hält auch.

Henry Graf hat in der Staffel ein Ausrufezeichen gesetzt. Titelverteidiger Tim Hellwig war noch nicht am Start. Wie siehst du die Konkurrenzsituation für das Rennen am Sonntag?
Man konnte im Mixed Relay schauen, und die letzten Wochenenden international sehen, was abgeliefert wurde. Es wird eine extrem spannende Deutsche Meisterschaft. Chapeau auch an Henry, dass er den Mut hatte, nicht an der EM teilzunehmen und sich stattdessen auf die DM vorzubereiten. Solch eine Entscheidung muss man auch erst mal treffen: Eine EM sausen lassen, weil man das Gefühl hat, dass man nicht fit ist, aber bei der DM fit an den Start gehen möchte. Er hat gezeigt, dass die Entscheidung richtig war. Ich gehe davon aus, dass er das auch am Sonntag auf der Sprintdistanz zeigen wird. Die anderen Deutschen haben Leeds und beim Europacup gezeigt, was abgeht. Es wird vermutlich ein schönes, spannendes Rennen für die Zuschauer – und ziemlich schmerzhaft für uns Sportler.

Welches Ziel hast du dir gesteckt?
Von der Platzierung her habe ich mir das noch nicht überlegt. Klar ist für mich, dass mich der Titel weiterbringen würde, weil es zugleich die Qualifikation für die EM über die olympische Distanz ist. Das wäre mein Ziel, aber ich weiß, dass es extrem schwierig wird. Und wenn es nicht der DM-Titel wird, hat es keinen Einfluss auf meine weitere Saisonplanung.

Worauf wird es ankommen?
Nach dem Schwimmen wird man sicherlich ein hartes Anfahren auf dem Rad provozieren, um die Gruppe auseinanderzureißen.

Wie geht deine Saison nach der Deutschen Meisterschaft weiter?
Das ist zum jetzigen Zeitpunkt extrem schwierig. Ich würde gern beim WTCS-Rennen in Hamburg starten, aber dadurch, dass schon fünf Deutsche auf der Liste stehen, bin ich auf Wartelistenplatz eins und könnte nachrücken, falls jemand abmeldet. Dann würde ich mich gern über die DM oder das Rennen in Hamburg für die EM in München über die olympische Distanz qualifizieren. Nach der EM habe ich extrem viele Möglichkeiten, sei es Super League Championship Series, die 70.3 Weltmeisterschaft, für die ich mich qualifiziert und den Slot auch angenommen habe.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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