Sensationssieg in Nizza: Gustav Iden gewinnt die Ironman-70.3-WM

Sensationssieg in Nizza: Der Norweger Gustav Iden gewinnt die Ironman-70.3-WM an der Côte d’Azur vor dem zweifachen Olympiasieger Alistair Brownlee und Rodolphe von Berg. Kienle ist auf Rang fünf der beste deutsche Athlet.

Von > | 8. September 2019 | Aus: SZENE

Gustav Iden gewinnt die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2019 in Nizza.

Gustav Iden gewinnt die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2019 in Nizza.

Foto >Frank Wechsel / spomedis

Der Name des 23-jährigen Norwegers stand im Vorfeld der Mitteldistanz-Weltmeisterschaft wohl auf den wenigsten Tippzetteln der Experten. Gustav Iden sichert sich in seinem erst dritten Rennen auf der 70.3-Distanz den Sieg und gleichzeitig auch den Weltmeistertitel. Bei seinem zweiten Mitteldistanz-Wettkampf Anfang Dezember 2018 kam Iden in Bahrain als Zweiter ins Ziel und lieferte gleichzeitig mit 3:29:25 Stunden die zweitschnellste Zeit auf der Ironman-70.3-Distanz der Geschichte. 

Ein Schwimmen mit ersten Überraschungen

Das Schwimmen an diesem malerischen Morgen an der Côte d’Azur hält bereits einige Überraschungen bereit. Die erste ist, dass sich die starken Schwimmer rund um Josh Amberger und Alistair Brownlee nicht vom Hauptfeld absetzen können. Eine große Gruppe von mehr als 15 Athleten verlässt das 25,6 Grad warme Wasser des Mittelmeers und stürmt Richtung der ersten Wechselzone. Amberger erreicht als Erster nach 23:15 Minuten wieder das Festland Nizzas. In dem Führungspulk befinden sich unter anderem auch der US-Amerikaner Ben Kanute, der zweifache Ironman-70.3-Weltmeister Javier Gomez, der Norweger Kristian Blummenfelt, der Brite Adam Bowden und auch der Deutsche Florian Angert. Die zweite große Überraschung auf den ersten 1,9 der insgesamt 113 Kilometern ist Sebastian Kienles Schwimmleistung: Nachdem auch die zweite Verfolgergruppe aufs Rad gestiegen ist und Kienles Rad eines der letzten in der Wechselzone ist, gibt es die ersten fragenden Gesichter, ob dem 70.3-Weltmeister aus den Jahren 2012 und 2013 etwas zugestoßen ist. Mit einem Rückstand von 3:35 Minuten kommt Kienle als 41. von 51 Profi-Athleten aus dem Wasser. Der amtierende Ironman-Weltmeister Patrick Lange erwischt einen deutlich besseren Start in das Rennen und kommt als 19. mit 1:16 Minuten Rückstand aus dem Mittelmeer.

Auch auf den ersten Kilometern auf dem Rad geht es ordentlich zur Sache. Erster Verlierer der zweiten Disziplin ist der Norweger Gustav Iden, dem auf dem ersten härteren und kurzen Anstieg die Kette rausspringt. Wenig später zündet der zweifache Olympiasieger Alistair Brownlee den Turbo und kann sich relativ schnell von der Spitze absetzen. Der einzige Athlet, der ihm noch folgen kann, ist der US-Amerikaner Ben Kanute. Nach Kilometermarke 27,1 ist der Vorsprung des Führungsduos Brownlee und Kanute bereits auf mehr als eine halbe Minute auf den Australier Sam Appleton und den zweifachen Ironman-70.3-Europameister Rodolphe von Berg. Die zweite größere Verfolgergruppe, in der unter anderem Gomez, Amberger, Angert und die beiden Norweger Blummenfelt und Iden mitfahren, hat zu diesem Zeitpunkt bereits eine Minute Rückstand auf den führenden Briten. Lange und Kienle sind nach knapp 27 Kilometern auf dem Rad rund vier Minuten hinter Brownlee.

Alistair Brownlee erobert den Col de Vence

Am extrem anspruchsvollen Anstieg des Col de Vence zeigt sich schnell, wer die besten Radfahrer der Führungsgruppe sind: Allen voran Alistair Brownlee, der die Serpentinen des Bergs mit einer Leichtigkeit hochprescht, als wären es nur leichte Hügel. Hinter Brownlee und seinem ersten Verfolger Ben Kanute positionieren sich Gustav Iden, der nach dem ersten Schock auf dem Rad ebenfalls ordentlich Tempo macht und auch Rodolphe von Berg. Die deutschen Favoriten Sebastian Kienle und vor allem Patrick Lange können den hohen Geschwindigkeiten nicht folgen. Kienle verliert eine Minute auf die Führenden, Lange fällt mit einem Rückstand von 8:40 Minuten sogar auf Position 32 zurück. 

Auf der technisch anspruchsvollen Abfahrt setzt Rodolphe von Berg anschließend ein Ausrufezeichen und beweist, wie gut er auf den Bergabpassagen ist und wie gut er den Kurs bereits aus seinem Sieg beim 70.3-Rennen in Nizza aus dem Vorjahr kennt. Brownlee und Iden können von Berg auf der Abfahrt nur schwer folgen und verlieren schnell den Blickkontakt. Nach zwei Dritteln der zweiten Disziplin sind die drei ersten Athleten Rodolphe von Berg, Alistair Brownlee und Gustav Iden nur knapp zehn Sekunden auseinander. Auf Rang vier folgt Ben Kanute (1:29 Minuten Rückstand) und auf Platz fünf Kristian Blummenfelt mit schon drei Minuten Rückstand. Eine halbe Minute später hat sich Andreas Dreitz als guter Radfahrer positioniert, der zweite deutsche Athlet an der Spitze, Florian Angert, hat zu diesem Zeitpunkt knapp vier Minuten Rückstand. Kienle und Lange verlieren weiter Zeit auf die Spitze und sind 5:23 und 12:13 Minuten zurück.

Nach 2:17:24 Stunden ist es Rodolphe von Berg, der die zweite Disziplin als Erster beendet, dicht gefolgt von Brownlee und Iden. Der Norweger bringt den Wechsel am schnellsten hinter sich, auch weil er im Gegensatz zu von Berg und Brownlee keine Socken in den Laufschuhen trägt. Angert kommt als erster deutscher Athlet auf Rang neun in der zweiten Wechselzone an. Kienle wechselt als Elfter mit sechs Minuten Rückstand auf die Spitze in die Laufschuhe. Patrick Lange hat beim Wechsel zu seiner besten Disziplin als 30. bereits 15 Minuten Rückstand. Für Langes Teamkollegen Andreas Dreitz ist das Rennen auf dem Rad vorbei, der zu Sturz kommt.

Iden setzt sich schnell ab und kann seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen

Zu Beginn des abschließenden Halbmarathons ist es etwas überraschend Gustav Iden, der deutlich lockerer und schneller anläuft und sich auf bis zur Hälfte der letzten Disziplin einen Vorsprung von rund 1:21 Minuten auf den zweifachen Olympiasieger hat. Rodolphe von Berg verliert dahinter den Anschluss und hat zu diesem Zeitpunkt bereits 2:43 Minuten Rückstand auf Iden. Boden gut machen hingegen dahinter Sebastian Kienle und Javier Gomez, die auf Rang sieben und acht vorgelaufen sind. Auch in der zweiten Hälfte lässt sich Iden den Sieg nicht mehr nehmen und kommt nach 3:52:35 Stunden als Erster ins Ziel. Knapp 2:43 Minuten später finisht Brownlee als Zweiter, Rodolphe von Berg hält die dritte Position. Auf Rang vier landet Idens Landsmann Kristian Blummenfelt. Sebastian Kienle kämpft sich auf dem Halbmarathon mit einer starken Leistung noch in die Top 5. Auf Rang sechs landet Bart Aernouts, Siebter wird Javier Gomez. Florian Angert verpasst als zweitbester Deutscher mit Platz elf denkbar knapp die Top 10. Maurice Clavel wird 19, Patrick Lange landet lediglich auf Platz 22 mit 18:42 Minuten Rückstand auf den Sieger Iden. 

Ironman 70.3 World Championship | Pro Männer

  1. September | Nizza (Frankreich)

Name

Land

Gesamt

1,9 km swim

90 km bike

21,1 km run

1

Gustav Iden

NOR

3:52:35

23:55

2:17:25

1:08:10

2

Alistair Brownlee

GBR

3:55:19

23:17

2:17:38

1:10:43

3

Rodolphe von Berg

USA

3:56:45

23:31

2:17:24

1:12:15

4

Kristian Blummenfelt

NOR

3:59:21

23:23

2:22:10

1:09:59

5

Sebastian Kienle

GER

4:00:18

26:50

2:19:57

1:09:31

6

Bart Aernouts

BEL

4:01:14

27:00

2:19:46

1:10:36

7

Javier Gomez

ESP

4:01:30

23:22

2:24:07

1:10:09

8

Sam Appleton

AUS

4:02:15

23:19

2:23:01

1:11:56

9

Bradley Weiss

RSA

4:03:09

24:39

2:21:51

1:12:43

10

Ben Kanute

USA

4:04:36

23:21

2:20:57

1:16:53

11

Florian Angert

GER

4:05:08

23:28

2:23:03

1:14:48

19

Maurice Clavel

GER

4:09:20

24:34

2:26:14

1:15:04

22

Patrick Lange

GER

4:11:18

24:31

2:31:31

1:11:22

34

Horst Reichel

GER

4:17:17

24:33

2:31:54

1:16:57

38

Dominik Sowieja

GER

4:19:31

27:06

2:34:30

1:13:27

40

Markus Rolli

GER

4:20:52

24:41

2:35:40

1:15:54

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