Dienstag, 13. Januar 2026

Korruption im Triathlon: War die Wahl des Weltverbands-Präsidenten inszeniert?

Die Wahlen zum Präsidenten bei World Triathlon im vergangenen Jahr werden im Nachklang überschattet von Einflussnahme, Druck und Machtspielchen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat jetzt festgestellt, dass es Unregelmäßigkeiten bei der Wahl von Antonio Fernández Arimany gab.

World Triathlon Bei seiner Wahl soll es nicht mit fairen Mitteln zugegangen sein: WT-Präsident Antonio Fernández Arimany.

Freie Wahlen im Triathlon? Auf Ebene des Weltverbands zumindest scheint dieser Gedanke ein Luftschloss zu sein. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat festgestellt, dass es bei den vergangenen Präsidentschaftswahlen von World Triathlon zu einem Korruptionsfall gekommen ist. Damit wurde die Integrität des gesamten Wahlprozesses grundlegend untergraben. Bei der Abstimmung erhielt der Spanier Antonio Fernández Arimany die meisten Stimmen und trat die Nachfolge von Marisol Casado an, die zwölf Jahre lang Präsidentin von World Triathlon gewesen war. Arimany war während Casados Amtszeit Generalsekretär des Verbands und die rechte Hand der Präsidentin. Laut Medien habe der Internationale Sportgerichtshof festgestellt, dass der Chef der amerikanischen Konföderation, Liber García (Uruguay), gemeinsam mit anderen kontinentalen „Prinzen“ und Arimany die Wahlen manipuliert hat. Eine Oppositionsgruppe fordert nun eine Untersuchung und Neuwahlen.

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Teils massiver Druck

Schon im Rahmen der Wahl habe es Gerüchte um interne Manipulationen und gezielte Rufmordkampagnen gegeben. Inzwischen haben sich Delegierte zu Wort gemeldet und zugegeben, teils massiv unter Druck gesetzt worden zu sein, damit sie entsprechend dieser Liste abstimmen. Kandidatinnen und Kandidaten sollen auch gegen das Versprechen auf andere Posten oder Vorteile zur Rücknahme ihrer Bewerbung gedrängt worden sein.

Erstaunlich präzise Vorhersage

Darüber hatte im Oktober des vergangenen Jahres bereits die Zeitung The Times aus London berichtet. In einem Beitrag heißt es, dass der britische Präsidentschaftskandidat Unterstützern des Wahlsiegers „faule Deals und schmutzige Tricks“ vorwirft. „Ian Howard, dessen Kampagne mit 12.000 Pfund an öffentlichen Mitteln von UK Sport unterstützt wurde, sowie zwei weitere Kandidaten für das Präsidentenamt von World Triathlon haben beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Beschwerde eingereicht. Sie behaupten, dass Unterstützer des Wahlsiegers Antonio Arimany zahlreiche Regeln verletzt haben“, steht in dem Artikel. Ein weiterer Kandidat habe eine Beschwerde wegen Mobbings eingereicht und gedroht, sich aus dem Präsidentschaftsrennen zurückzuziehen. „Auch bei World Triathlon selbst wurden formelle Beschwerden eingereicht – nachdem Delegierte beim internationalen Kongress des Verbandes in Spanien vor der Wahl eine Wahlliste erhalten hatten, auf der stand, für wen sie stimmen sollten.“ Die Liste habe 71 Positionen umfasst, darunter die des Präsidenten, Vizepräsidenten sowie von Vorstands- und Ausschussmitgliedern. „69 davon wurden exakt wie angewiesen gewählt“, heißt es im Artikel.

Transparente Wahlen?

UK Sport, das britischen Kandidaten bei internationalen Verbandswahlen finanzielle Unterstützung bietet, äußerte laut Medienberichten schon damals Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Wahl. Eine Sprecherin von World Triathlon habe hingegen schon seinerzeit erklärt, man sei „nicht über eine formelle Beschwerde informiert“ – obwohl The Times entsprechende Dokumente habe einsehen können. Die Sprecherin fügte laut Medienbericht hinzu: „Die Wahlen wurden transparent und demokratisch durchgeführt, unter voller Beachtung der Verfassung und der Regeln von World Triathlon.“

Ethikverstöße und milde Sanktion

Etwas anderes berichtete nun Michelle Cooper aus Brisbane. Die ehemalige Athletin, die bis zum Jahr 2024 knapp sechs Jahre lang Präsidentin des australischen Verbands war, hatte in eben diesem Jahr ebenfalls für das Präsidentenamt beim Weltverband kandidiert. In einem aktuellen und ausführlichen Social-Media-Beitrag schreibt sie: „Vor neun Monaten traf ich eine Entscheidung. Ich reichte eine formelle Beschwerde wegen Wahlverstößen im internationalen Triathlon ein. Es war nicht einfach. Es war nicht ohne Risiko. Aber es war das Richtige. Vergangene Woche bestätigte der Internationale Sportgerichtshof (CAS), dass diese Entscheidung gerechtfertigt war. Der CAS bestätigte die ursprüngliche Feststellung des World Triathlon Tribunals: dass Herr Liber García, Mitglied des Exekutivkomitees von World Triathlon, im Vorfeld der Wahlen 2024 gegen mehrere Ethik- und Antikorruptionsrichtlinien verstoßen hat. Auch wenn ich enttäuscht war, dass das CAS seine Sanktion auf eine Verwarnung reduziert hat, bleibt das wichtigste Ergebnis bestehen: Es gab Fehlverhalten. Die Schuld bleibt bestehen. Und das ist entscheidend. Denn Integrität ist entscheidend.“

Kein Amt mehr in Aussicht

Cooper weiter: „Wir sehen den Sport gern als eine Leistungsgesellschaft. Aber in der Führung – wie in der Politik – kann Einfluss als Waffe eingesetzt werden.“ Anschließend wird sie konkreter darüber, was sie erlebt hat: „In meinem Fall wurde ich unter Druck gesetzt, meine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückzuziehen, im Gegenzug für versprochene Unterstützung für andere Positionen im Vorstand. Als ich mich weigerte, wurde mir gesagt, man werde mich daran hindern, jemals wieder ein Amt zu übernehmen.“

Keine isolierten Signale, sondern ein Muster

Die Australierin nennt weitere Namen in ihrem Post: „Es muss festgehalten werden, dass Herr García weiterhin ein hohes Amt im Sport innehat. Trotz des CAS-Urteils wurde bisher keine disqualifizierende Maßnahme ergriffen. Ebenso besorgniserregend ist, dass dies kein Einzelfall war. Im Vorfeld der Wahlen 2024 erhielten Herr Antonio Alvarez und Herr Shin Otsuka Sanktionen wegen ethischen Fehlverhaltens. Vier Präsidentschaftskandidaten reichten gemeinsam eine Beschwerde ein, in der sie ernsthafte Bedenken über die Fairness des Wahlumfelds äußerten.“ Rückblickend seien dies keine isolierten Warnsignale gewesen, sondern ein Muster. „Was Herr García angekündigt hatte, trat ein: Der von ihm beschriebene Block gewann – fast Stimme für Stimme wie vorausgesagt – sämtliche gewählten Positionen bei World Triathlon, nicht nur im Exekutivkomitee. Der ausgeübte Einfluss zeigte genau die Wirkung, vor der gewarnt wurde. García wurde allein sanktioniert, weil der Druck und die Drohung schriftlich vorlagen. Doch dieser Druck wurde im Namen aller Mitglieder des Wahlblocks ausgeübt, dem er angehörte.“

Gegen mehrere Regeln verstoßen

Im CAS-Urteil wird ein WhatsApp-Chatverlauf zwischen Michelle Coopper und Liber Garcia aufgeführt. Unter anderem dadurch kommt das Sportgericht zu dem Schluss: „Ja, Herr García hat gegen mehrere Regeln verstoßen – insbesondere gegen die Anti-Korruptionspolitik, den Ethikkodex und den Verhaltenskodex von World Triathlon. Der CAS bestätigte die Feststellung des ursprünglichen Tribunals, dass sein Verhalten eine gezielte Einflussnahme auf den Wahlprozess darstellte und somit nicht bloß politisches Taktieren, sondern regelwidrige Manipulation war.“ Im Anschluss wird festgestellt: „Herr Liber García hat gegen Artikel 2(a) der Anti-Korruptions- und Anti-Bestechungsrichtlinie von World Triathlon verstoßen, in Verbindung mit den Artikeln B5, B6 und B7 des World Triathlon Ethikkodex sowie Artikel 4 des Verhaltenskodex von World Triathlon. Gegen Herrn Liber García wird wegen des nachgewiesenen Verstoßes eine Verwarnung ausgesprochen.“

Wie geht es weiter?

Michelle Cooper stellt Fragen: „Warum ist Herr García noch im Amt? Wenn er gegen den Ethik- und Antikorruptionskodex von World Triathlon verstoßen hat – warum sitzt er noch im Exekutivkomitee? Welche Rückschlüsse lassen sich auf die Mitverantwortung anderer Vorstandsmitglieder ziehen? Welche Reformen wird World Triathlon umsetzen, um so etwas künftig zu verhindern?“ Auch tri-mag.de hat den Weltverband zu diesem Thema kontaktiert und um eine Stellungnahme gebeten. Eine Antwort steht noch aus. Rücktritt der aktuellen Führung, Neuwahlen? Wie es weitergeht, ist derzeit unklar.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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