Mittwoch, 28. September 2022
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SzeneLaura Zimmermann triumphiert beim Ironman Hamburg

Laura Zimmermann triumphiert beim Ironman Hamburg

Mit ihrem ersten Ironman-Sieg löste Laura Zimmermann zugleich auch das Ticket für die WM auf Hawaii.

Laura Zimmermann hat den Ironman Hamburg 2021 gewonnen. Die 31-Jährige setzte sich am Ende nach 8:54:31 Stunden vor Renee Kiley (8:56:48 Stunden) und Lauren Brandon (9:00:50 Stunden) durch und feierte ihren ersten Ironman-Sieg, mit dem sie sich gleichzeitig einen der letzten beiden Qualifikationsplätze für die WM auf Hawaii sicherte. Die Profifrauen lieferten ein spannendes Rennen, das letztlich durch eine starke Aufholjagd Zimmermanns auf der Laufstrecke entschieden wurde. Zuvor hatten andere Athletinnen den Wettkampf bestimmt.

Lauren Brandon schwimmt in eigener Liga

Wie im Vorfeld erwartet, hatte Lauren Brandon beim Schwimmen den Ton angegeben. Die US-Amerikanerin, die als Jugendliche Leistungsschwimmerin war, setzte sich nach dem Start am Jungfernstieg früh ab und absolvierte in der ersten Disziplin ein einsames Rennen durch die Binnen- und Außenalster. Mit einem neuen Schwimmstreckenrekord von 47:46 Minuten stieg sie als Führende aus dem 17,5 Grad Celsius kühlen Wasser. Hinter der 36-Jährigen tat sich eine deutliche Lücke auf, ehe sich Ironman-Debütantin Anna-Lena Best-Pohl nach 52:06 Minuten auf den Weg zum ersten Wechsel machte – und mit dieser Zeit ebenfalls unter der bisherigen Schwimmbestmarke der Profifrauen von 55:53 Minuten aus dem Premierenjahr 2017 von Daniela Bleymehl blieb, die damals noch als Daniela Sämmler am Start war. Als Verfolgerinnen hatte sich mit Carolin Lehrieder (56:10 Minuten), der Australierin Renee Kiley (56:12 Minuten) und Svenja Thoes (56:14 Minuten) eine Dreiergruppe formiert.

Herausfordernde Bedingungen auf dem Rad

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Auf der Radstrecke mit insgesamt 300 Höhenmetern baute Lauren Brandon ihren Vorsprung auf Anna-Lena Best-Pohl bei herausfordernden Bedingungen mit teilweise Nieselregen, feuchter Straße und 14 Grad Celsius Außentemperatur leicht aus, erreichte die erste Zeitmessung nach 1:38:25 Stunden. Die Deutsche kam 6:03 Minuten später zum Wendepunkt und hatte weitere rund 1:40 Minuten verloren. Auch die Verfolgergruppe mit Lehrieder, Kiley und Thoes schaffte es zunächst nicht, auf der Strecke entlang des Elbdeichs näher an die Führende heranzurücken und trat den ersten Rückweg in die Stadt rund 9:10 Minuten nach Lauren Brandon an. Svenja Thoes musste dabei damit zurechtkommen, dass sich das Gummiband, mit dem sie ihren linken Schuh für den ersten Wechsel am Rad fixiert hatte, nicht gelöst hatte. Zu beeinträchtigen schien sie dieser Umstand allerdings nicht. Im technischen Blindflug war unterdessen Laura Zimmermann unterwegs, deren Zeitmesschip keine Daten ausspuckte und die an den Messpunkten nicht registriert wurde, die aber zwischen der Dreiergruppe und Leonie Konczalla fuhr (15:09 Minuten Rückstand), die das Schwimmen (1:01:56 Stunden) als Achte beendet hatte.

Defekt wirft Anna-Lena Best-Pohl zurück

Nach 2:07 Stunden Rennzeit trat für Anna-Lena Best-Pohl das ein, was sie auf der Pressekonferenz im Vorfeld als größte Angst beschrieben hatte: ein Defekt. Ein Platten warf die 30-Jährige zurück. Nach ewig währenden elf Minuten machte sie sich daran, ihr hinteres Laufrad wieder zu montieren und die Verfolgung erneut aufzunehmen.

Lauren Brandon passierte nach 2:25:19 Stunden die zweite Zeitmessung auf dem Rad. Hinter der US-Amerikanerin hatte sich mittlerweile Renee Kiley auf Rang zwei vorgekämpft (8:35 Minuten Rückstand) und die Lücke zumindest ein wenig geschlossen. Hinter der Australierin hatten Carolin Lehrieder und Svenja Thoes nach 60 Kilometern 30 weitere Sekunden auf die Führende eingebüßt. Nutznießerin von Best-Pohls Defekt waren ebenfalls Zimmermann und Leonie Konczalla, die 15:10 Minuten hinter Brandon die zweite Zeitmessung auf der Radstrecke erreichte. Best-Pohl reihte sich mit 22:06 Minuten Rückstand hinter der Dänin Cathrine Sand (20:41 Minuten Rückstand) ein, ehe sie kurze Zeit später das Rennen in der zweiten Disziplin beenden musste.

Spannung im Kampf um Kona-Slots steigt

Die 91-Kilometer-Marke passierte Brandon nach 3:12:18 Stunden, 8:19 Minuten vor Kiley. Carolin Lehrieder, die bereits im Vorfeld für Hawaii 2021 qualifiziert war, folgte nach 9:32 Minuten. Im Kampf um einen der beiden letzten zur Verfügung stehenden Kona-Slots für das in den Februar 2022 verlegte Rennen folgte Svenja Thoes als Vierte nach 9:56 Minuten, die alles daran setzte, den Abstand auf Brandon und Kiley nicht zu groß werden zu lassen, um in der letzten Disziplin ihre Stärken auszuspielen. „Das Laufen ist das Dessert, zum Genießen“, hatte die 30-Jährige auf der Pressekonferenz vor dem Rennen betont. Auf Leonie Konczalla hatte Thoes ein Polster von rund 5:30 Minuten.

Auch nach 120 Kilometern ging die One-Woman-Show von Lauren Brandon weiter. Die US-Amerikanerin bog nach 3:59:16 Stunden auf die abschließenden 60 Kilometer ein, allerdings war Renee Kiley bis auf 6:49 Minuten herangekommen. Auch Carolin Lehrieder konnte den Rückstand auf 7:29 Minuten reduzieren. Svenja Thoes lag als Vierte 9:17 Minuten zurück, während Laura Zimmermann, deren Zeitmesschip weiterhin nicht funktionierte, auf Rang fünf rund 4:30 Minuten später folgte, knapp eine Minute vor Leonie Konczalla.

Svenja Thoes muss aufgrund von Krämpfen aussteigen

Nach rund 4:30 Stunden kassierte Lehrieder schließlich Kiley an einer Verpflegungsstation. Absetzen konnte sich die Deutsche von der Australierin allerdings nicht. Beide schlossen weiter auf die Führende auf, lagen nach 150 Kilometern nur noch 5:37 Minuten hinter der Siegerin des Ironman Boulder 2019, die auch Zeit auf die Viertplatzierte Svenja Thoes einbüßte (9:04 Minuten Rückstand). Vor dem zweiten Wechsel lag Brandon mit 5:35:51 Stunden noch 4:02 Minuten vor Kiley und Lehrieder, die die Australierin durch einen schnelleren Wechsel bereits distanzierte. Dahinter hatte sich mittlerweile Laura Zimmermann mit knapp neun Minuten Rückstand auf die Spitze gesetzt, Svenja Thoes lag 10:16 Minuten zurück, konnte das Rennen nach eigener Aussage aufgrund von Krämpfen nicht fortsetzen.

Carolin Lehrieder zieht an Lauren Brandon vorbei

Auf der Laufstrecke holte Lehrieder Meter um Meter auf. Nach vier Kilometern lag die Team-Erdinger-Athletin nur noch 2:12 Minuten hinter der Führenden und hatte sich ein Polster von 1:44 auf Riley verschafft. Im Kampf um die Kona-Slots war auch Laura Zimmermann, deren Chip mittlerweile funktionierte, weiter im Rennen, die nach vier Kilometern 7:10 Minuten hinter Brandon und 3:13 Minuten hinter Kiley lief, die zu diesem Zeitpunkt die beiden Qualifikationsplätze belegten. Nach 8,6 Kilometern hatte Carolin Lehrieder, die noch frisch wirkte und ein Lächeln für die Zuschauer am Streckenrand übrig hatte, noch 59 Sekunden Rückstand, Laura Zimmermann lag 5:36 Minuten zurück. Dazwischen lag Riley mit 3:31 Minuten Rückstand auf die Führende.

Laura Zimmermann fliegt durch das Feld

Nach rund 6:30 Stunden Renndauer war es soweit: Carolin Lehrieder zog an der US-Amerikanerin vorbei, setzte sich an die Spitze und kontinuierlich ab. Nach rund einem Drittel der Laufstrecke hatte sie eine Lücke von knapp einer Minute zu Lauren Brandon offen gelaufen, Zimmermann fehlten zu diesem Zeitpunkt noch 1:10 Minuten auf Kiley, während die Lücke auf die Zweitplatzierte Brandon auf 3:23 Minuten zusammengeschmolzen war. Die Würzburgerin schickte sich an, weiter Boden gut zu machen. Kiley und Brandon tauschten etwa zur Hälfte des Rennens die Plätze – die US-Amerikanerin konnte das Tempo an der Spitze bis dahin offensichtlich nicht mehr mitgehen. Zimmermann hatte derweil erneut eine Minute auf Brandon und Lehrieder aufgeholt, die in dieser Phase plötzlich sichtlich Probleme bekam und sich schwerer tat als noch einige Kilometer zuvor.

Laura Zimmermann flog weiter durch das Feld. Nachdem Renee Kiley bereits Carolin Lehrieder eingeholt hatte, zog auch die Würzburgerin an der zwischenzeitlich Führenden vorbei, um nach knapp 7:30 Stunden Rennzeit auch die Australierin zu kassieren und nach knapp 30 Kilometern eine Minute enteilt zu sein. Lehrieder, die mittlerweile teilweise eine Minute langsamer pro Kilometer lief als die Konkurrentinnen, fiel weiter zurück, musste auch Lauren Brandon und später Leonie Konczalla vorbeiziehen lassen und lag bereits 4:38 Minuten hinter Zimmermann. Sieben Kilometer vor dem Ziel deutete sich mit einem Vorsprung von 1:46 Minuten vor Kiley an, dass Zimmermann, die bei ihrem Ironman-Debüt 2019 in Barcelona Rang zwei erreicht hatte, ihr erster Ironman-Sieg an diesem Tag nicht mehr zu nehmen sein würde. Mit einer Laufzeit von 3:05:43 Stunden sicherte sie sich den Sieg. Nur die US-Amerikanerin Ashley Paulson, die letztlich auf Rang acht kam, war in der Abschlussdisziplin in 2:57:14 Stunden schneller. “Ich habe am Ende einfach alles gegeben, weil ich den Sieg so sehr wollte”, sagte Zimmermann im Ziel.

Ironman Hamburg | Profi-Frauen

29. August 2021 | Hamburg (Deutschland)
PlatzNameLandGesamt3,8 km Swim180 km Bike42,2 km Run
1Laura ZimmermannGER8:54:310:59:524:42:063:05:43
2Renee KileyAUS8:56:480:56:124:39:493:12:43
3Lauren BrandonUSA9:00:500:46:474:44:423:20:36
4Leonie KonczallaGER9:04:141:01:564:43:293:11:04
5Carolin LehriederGER9:12:190:56:104:40:103:29:00
6Jenny NaeSWE9:30:011:04:135:01:573:15:08
7Cathrine SandDEN9:35:330:59:564:49:533:27:35
8Ashley PaulsonUSA9:35:451:13:195:16:032:57:14
9Annika TimmGER10:11:211:09:535:03:593:49:46
10Mirella KarlssonSWE10:31:321:04.235:14:233:56:05
11Anna-Lena Best-PohlGERDNF0:52:06n.a.n.a.
12Svenja ThoesGERDNF0:56:14n.a.n.a.
Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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