
Beim Ironman Hamburg 2026 kam es auf der Radstrecke zu einer extrem hohen Anzahl von Reifenpannen, die meisten davon im Stadtteil Kirchwerder auf einer südöstlich vom Zentrum gelegenen Schleife. Wir waren als Augenzeugen dabei.
Beim Ironman Hamburg 2026 ist es durch Fremdteile auf der Fahrbahn zu einer extrem erhöhten Zahl von Reifenschäden gekommen. Wir waren während des Rennens in Kirchwerder vor Ort und konnten uns selbst ein Bild der sich entwickelnden Lage und der späteren Abläufe machen.

Schon bei der Anfahrt auf den zum Bezirk Bergedorf und in den Vierlanden gehörenden Ort wurden wir von einer Polizeikontrolle auf „die schlechte Stimmung unter den Athleten“ hingewiesen, da mutmaßlich Metallteile auf die Rennstrecke gelangt seien, was zu vielen Reifenpannen geführt habe.
Viele Pannen, einige gleichzeitig oder mehrfach hintereinander
Dieses Bild bestätigte sich dann für uns an der Strecke. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer standen mit platten Reifen am Streckenrand und versuchten, die Defekte selbst oder mit Hilfe zu beheben. Einige von ihnen hatten sowohl im Vorder- als auch im Hinterrad keine Luft mehr oder berichteten, dass sie schon wenige Kilometer zuvor bereits eine Panne gehabt hätten.

Polizei und Streckenposten nahmen einzelne Fälle auf. Die Polizei berichtete auf unsere Anfrage als Pressevertreter, dass es mutmaßlich an mehreren Stellen kleine Metallteile auf der Fahrbahn gegeben hätte, die sich kaum wegfegen ließen. Auch seien Schilder am Streckenrand gesehen worden, die die inhaltliche Botschaft trügen, dass man sich als Anwohner seiner Freiheit beraubt sehen würde. Diese Schilder auf Privatgrund seien aber ausdrücklich kein Straftatbestand.

Ersatzmaterial aufgebraucht – Anwohner helfen aus
Athletinnen und Athleten, die von der Problematik betroffen das Rennen unter- oder sogar abbrechen mussten, berichteten uns von einer Vielzahl weiter Teilnehmer am Streckenrand auf dem zuvor zurückgelegten Abschnitt der Schleife durch die Vierlande. Die Schätzungen reichten dabei zu diesem frühen Zeitpunkt von „mindestens 40“ bis zu „100 bis 150“. Die enorme Häufung bestätigte sich dann bei der weiteren Streckenbegehung auf einem etwa zwei Kilometer langen Abschnitt. In vielen Straßenbuchten und Grundstückseinfahrten waren teilweise mehrere Sportlerinnen und Sportler damit beschäftigt, Reifenpannen zu bearbeiten. Einige äußerten uns gegenüber, dass sie mit dem Rennen abgeschlossen hätten, da sämtliches Ersatzmaterial bereits aufgebraucht sei.
Tatkräftige Unterstützung erhielten die Teilnehmenden bei ihren Reparaturarbeiten vom Streckenpersonal und von Anwohnern, die mit Ersatzmaterial, Kompressoren, Verpflegung, wärmender Kleidung und aufmunternden Worten zur Seite standen. Einzelne Anlieger berichteten, dass sie schon mehr als zehn Athletinnen und Athleten ausgeholfen hätten. Ein motorisierter Kampfrichter bestätigte auf unsere Nachfrage, dass es eine sehr große Anzahl von Pannenfällen gäbe und man daher das Verbot externer Hilfe im Rennen ausgesetzt habe.
Metallspäne als Pannenursache
Bei zahlreichen Radfahrern konnten wir bis zu zwei Zentimer lange, grünlich schimmernde Metallstreifen entdecken, die wohl über mehrere Kilometer in den Reifen eingefahren waren und schließlich zum Druckverlust geführt hatten. Diese Metallspäne hatten keine einheitliche Form und Größe.

Am Streckenrand entdeckten wir schließlich zwei Schilder mit der Aufschrift „Euer Freizeitspaß schränkt uns schon täglich heftig ein!! Und so heute: (Bild einer gestreift gekleideten Person hinter Gitterstäben)“ sowie „Wir fordern: Klare Regeln, VuM-Maut für (Bild eines Radfahrers)“. VuM ist die geläufige Abkürzung für „Vier- und Marschlande“. Eine Person, die aus einem Haus auf dem Grundstück hinter diesen Schildern auf uns zukam, berichtete, dass man fünf Wochen vor dem Ironman Hamburg per Flyer im Briefkasten von der Vollsperrung der Strecke erfahren habe. Gesprächsangebote seitens des Veranstalters oder der Stadt habe es nicht gegeben. Man habe schon über das ganze Jahr die Last des zunehmenden Radverkehrs in den Vierlanden zu tragen. Es gebe viele Gewerbetreibende, die nur mit 25 km/h hinter Radgruppen herfahren würden. Im Vorfeld des Ironman habe es immer wieder mal Wortwechsel gegeben, in denen Sätze wie ‚dann fallen ein paar Schrauben vom LKW‘ vorgekommen seien. Die Person stellte aber auch klar, dass ein mutmaßlicher Sabotageakt zu weit gehe und nicht geduldet werden dürfe.

Ironman zeigt sich bestürzt
Veranstalter Iroman veröffentlichte am Nachmittag ein Statement zur Situation:
IRONMAN zeigt sich bestürzt darüber, dass bislang unbekannte Dritte gezielt versucht haben, einen Abschnitt im Osten der Radstrecke zu sabotieren. Durch das Ausbringen von Metallteilen auf der Strecke sollten offenbar bewusst Reifenpannen bei den Athletinnen und Athleten verursacht und das Rennen gestört werden.
Vor dem Rennstart wurde die Strecke wie üblich und gemäß aller Sicherheitsvorgaben von IRONMAN-Offiziellen sorgfältig kontrolliert und freigegeben. Gegen 09:30 Uhr wurde die Situation dann während des laufenden Rennens entdeckt, was darauf hindeutet, dass diese gezielte Gefährdung der Athletensicherheit erst nach dem Start erfolgt ist.
Gemeinsam mit den zuständigen Behörden vor Ort, insbesondere Polizei und Feuerwehr, arbeitete IRONMAN mit Hochdruck daran, den betroffenen Streckenabschnitt schnellstmöglich zu sichern und die Lage kontinuierlich zu beobachten. Um Athletinnen und Athleten, die betroffen sind, bestmöglich zu unterstützen, wurden zusätzliche Kräfte in diesen Bereich entsandt, darunter auch weitere Mechaniker. Das Rennen wurde fortgesetzt und alles Mögliche getan, um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten und ihnen weiterhin ein gutes Rennerlebnis zu ermöglichen.
IRONMAN unterstützt die Polizei bei den laufenden Ermittlungen und wird im Anschluss gemeinsam mit der Stadt Maßnahmen erarbeiten, um solche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.
Ironman-Chef und Stadt wollen auf Community zugehen
Im Ziel erklärten sowohl der Ironman-CEO Scott DeRue als auch der für den Sport zuständige Hamburger Staatsrat Christoph Holstein auf unsere Anfrage, dass man die Sache sehr ernst nehme und die Polizei entsprechend ermittle. Man werde aber sehr zeitnah auf die lokale Community zugehen, um nach tragfähigen Lösungen für die Zukunft zu suchen.
Aktuell erfassen Helfer von Ironman in wechselnden Schichten nach dem Zieleinlauf die Startnummer jedes Finisher und vermerken, ob die Person am heutigen Tag eine Reifenpanne gehabt habe oder nicht. Mehrere Personen kamen auf Anfrage zu der gleichen Einschätzung, dass es sich um mehrere Hundert Betroffene handele. Die von uns in Augenschein genommenen Listen lassen auf eine Quote von etwa einem Drittel der Finisher schließen. Die Teilnehmenden, die das Rennen aufgrund technischer Probleme aufgeben mussten, sind in dieser Statistik nicht erfasst.












