Während Gravel und Trailrunning vom Versprechen der Freiheit leben, wirkt der Triathlon oft perfekt organisiert, aber erzählerisch leiser. Ein Blick darauf, warum der Sport alles bietet, was er braucht, nur nicht immer dort, wo alle hinschauen.

Der Triathlon steht an einem spannenden Punkt seiner Entwicklung. Er war selten so professionell wie heute, selten so gut organisiert, medial so sichtbar und sportlich auf einem Niveau, das vor zwanzig Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Leistungsdichte, Trainingsmethodik und Materialentwicklung haben den Sport in eine neue Dimension geführt. Und doch beschleicht viele Athletinnen, Athleten und auch langjährige Beobachter ein leises Gefühl der Entfremdung. Nicht, weil der Triathlon schlechter geworden wäre, sondern weil er in Teilen vorhersehbarer wirkt.
Zwischen Ordnung und Sehnsucht nach Freiheit
Während andere Ausdauersportarten wie Gravel, Trailrunning oder Ultracycling mit Begriffen wie Freiheit, Abenteuer und Selbstbestimmung aufgeladen sind, erscheint der Triathlon bisweilen wie ein perfekt getaktetes Uhrwerk. Alles funktioniert, alles ist geregelt, alles ist vergleichbar. Genau darin liegt seine Stärke und vielleicht auch seine aktuelle Herausforderung. Die Frage ist deshalb nicht, ob der Triathlon eine Zukunft hat. Sondern welche.
Was viele der neuen, boomenden Formate so attraktiv macht, ist weniger ihre sportliche Härte als ihr Versprechen. Gravel-Rennen, Trail-Events oder Unsupported-Ultras erzählen Geschichten von Selbstwirksamkeit, vom Umgang mit Ungewissheit, von Erlebnissen, die sich nicht vollständig planen lassen. Strecken sind weniger normiert, Regeln zum Teil bewusst reduziert. Der Reiz entsteht nicht allein aus der Leistung, sondern aus der Erfahrung und aus dem Gefühl, Teil von etwas zu sein, das nicht bis ins letzte Detail durchorganisiert ist.









