Anne Reischmann bloggt:
Smartes Lauftraining im Triathlon

In diesem Blogartikel geht es um das Lauftraining von Anne. Sie erzählt euch, wie sie im Verein als Läuferin trainiert hat und was sie beim Wechsel zum Triathlon lernen musste.

Das Laufen spielt eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Es ist treuer Begleiter durch sämtliche Phasen meines Lebens, meine erste Leidenschaft und mein Rückzugsort, um mir Gedanken zu machen und Entscheidungen zu treffen.

Insgesamt zwölf Jahre war ich Teil des Team Monte Geros – der Laufgruppe des VfB LC Friedrichshafens unter dem Trainerehepaar Sperlich. Ich kann mich noch sehr gut an mein erstes Training erinnern, wie ich behauptet habe, dass meine 800-Meter-Bestzeit bei 1:50 Minute liegt (ich habe mich um exakt eine Minute verrechnet), wie ich fast jede Koordinationsübung falsch gemacht habe und wie ich immer wieder voller Bewunderung Ruben Schwarz, dem U20-Europameister über 3000 Meter Hindernis von 2002, zugeschaut habe. Wenig später sind Richard Ringer, Regina Neumeyer und Martin Sperlich der Gruppe beigetreten und wir haben viele Kilometer laufend, aber auch auf Wettkampf- und Trainingslagerfahrten gemeinsam zurückgelegt. Ich würde schon sagen, dass das Team einen großen Anteil an unseren jeweiligen Erfolgen in der Leichtathletik hatte. Natürlich haben wir uns im gemeinsamen Training gegenseitig motiviert, waren bei Rückschlägen füreinander da, aber vor allem sind wir wegen des Teams und unseren Freunden über Jahre hinweg gerne zum Training gekommen. In der Phase des Erwachsenwerdens, in der sich Interessen verändern und in der viele meiner Freunde ihre Hobbys aufgegeben haben, war es wichtig für mich, eine Gruppe Gleichaltriger zu haben, die weiterhin für die Leichtathletik brennt.

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Anfangs habe ich selbstverständlich nur geringe Umfänge trainiert, über die Jahre haben Birgit und Eckhardt diese beständig gesteigert. Zweimal pro Woche haben wir Tempoläufe gemacht, auf der Bahn, am Berg oder im Wald, je nach Trainingsphase, die restlichen Einheiten bestanden aus Dauerläufen, Athletik oder Krafttraining und Sprints. In meiner letzten Saison (2015/ 2016) hatte ich im Winter Wochenumfänge mit bis zu 140 Laufkilometern, verteilt auf ca. 10 Trainingseinheiten. Gesteuert und kontrolliert haben Birgit und Eckhardt unser Training mit regelmäßigen Leistungsdiagnostiken am IAT in Leipzig oder durch einen Stufentest im heimischen Stadion. Bei den intensiven Trainingseinheiten hat Eckhardt nicht selten sein Laktatgerät gezückt und entsprechend des Wertes das Training angepasst. Einen Pulsgurt hatten wir im Training nie an, das kam bei mir erst durch das Triathlontraining hinzu.

Joel Scham Als Triathletin hat Anne ihre Laufumfänge deutlich reduziert.

Die größten Lektionen im Laufen gelernt

Wie ich euch schon im letzten Blogbeitrag beschrieben habe, habe ich im Herbst 2016 entschieden, nun Triathlon zu machen und natürlich hatte das auch einen Einfluss auf mein Training. Meine erste Auffassung war, dass Triathlon wie Laufen sei nur mit etwas Schwimmen und Radfahren. Und genauso hatte ich vor zu trainieren. Zum Glück hat mich mein erster Triathlontrainer, mein Onkel Jens Lehnen, der selbst Triathlon macht und seinen Sohn Linus coacht, vor diesem Fehler bewahrt. Auf seinen Trainingsplänen standen sehr viele technische Schwimmeinheiten, verhältnismäßig wenige Laufkilometer und die dann meist locker. Nur montags bin ich weiterhin ins Training nach Friedrichshafen gefahren. Auch wenn Schwimm- und Radtraining für mich gänzlich neu waren, habe ich die größten Lektionen im Laufen gelernt: Ich musste erst lernen locker zu laufen, mich im Dauerlauf zu bremsen und nach Puls und nicht nach Geschwindigkeit zu trainieren. Das ist mir unheimlich schwergefallen und ich bin im Nachhinein sehr dankbar für die Strenge und Geduld, die Jens mit mir hatte. Denn bei dem hohen zeitlichen Umfang, den das Triathlontraining mit sich bringt, ist es wichtig darauf zu achten, die ruhigen Einheiten auch ruhig zu machen, um frisch zu sein für eine harte Einheit wenig später. Zwar laufe ich immer noch lieber schnell als gemütlich, aber inzwischen kann ich beides (zumindest meistens).

Immer etwas Neues ausprobieren

Bislang lag der Fokus im Triathlontraining für mich deutlich mehr auf dem Schwimmen und Radfahren, als auf dem Laufen und das war auch gut so. Denn so konnte ich mich in beiden Disziplinen auf ein Niveau bringen, mit dem ich mich im Frauenfeld behaupten kann. Trotzdem ist mein langfristiges Ziel natürlich, im Laufen Fortschritte zu machen und die Schnelligkeit, die ich mir über viele Jahre auf der Mitteldistanz antrainiert habe, auch auf die längeren Strecken zu übertragen. Dazu baue ich in der Vorbereitung auch gerne mal einen Straßenlauf als Trainingswettkampf in der Gegend ein, allerdings nicht mit dem Aufwand und der Ernsthaftigkeit von früher. Außerdem arbeite ich seit 2020 mit Wolfgang Schweim zusammen, bei dem ich trotz vieler Jahre im Laufsport immer nochmal neue Ideen kennenlernen darf und neu gefordert werde. Ich denke es ist wichtig, auch in der vermeintlichen Paradedisziplin immer wieder etwas Neues auszuprobieren und nicht still zu stehen, zumal die Zahl meiner Laufkilometer mit 50 bis 70 Kilometern pro Woche nur noch ein Bruchteil dessen ist, was sie vor ein paar Jahren noch war.

Joel Scham Seit diesem Jahr wird Anne in der dritten Disziplin von Wolfgang Schweim betreut.

Abschließend vielleicht noch ein kleiner Tipp an diejenigen, die ihre Laufumfänge steigern möchten: Regenerative Maßnahmen sollten nie zu Gunsten von mehr Kilometern vernachlässigt werden. Damit meine ich regelmäßige Gymnastik, Rollen auf der Black Roll, eventuell eine Massage und vor allem gute Laufschuhe. Das Wichtigste ist es jedoch auf die Signale des Körpers zu hören und bei Unwohlsein oder gar Schmerzen eine Einheit abzubrechen und eine Pause einzulegen. Das zählt dann übrigens nicht als „aufgeben“, sondern als „vernünftig trainieren“.

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