NEU! triathlon-News Ausgabe vom 12. Oktober, 06:02 Uhr · 0:49 Min · Kurzfassung

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Caroline Pohle Europameisterin am Grünen Tisch: So begründet Ironman die Entscheidung

Nach einem spektakulären Zielsprint gegen Caroline Pohle wird Lena Meißner beim Ironman 70.3 Jönköping zunächst zur Siegerin erklärt. Wenig später verliert sie ihren EM-Titel an Pohle. Das sagt der Veranstalter zu den Geschehnissen und so reagieren die Athletinnen.

Getty Images for Ironman Der Moment, als es hitzig wird: Caroline Pohle (li.) und Lena Meißner biegen Schulter an Schulter zum Endspurt in den Zielkanal ein.

Die Szene sorgte für staunende Gesichter und Diskussionen: Caroline Pohle und Lena Meißner duellieren sich beim Zielsprint der Ironman-70.3-Europameisterschaft im schwedischen Jönköping Schulter an Schulter auf den letzten Metern. Als beide ins Ziel stürzen und vollkommen entkräftet am Boden liegen bleiben, zeigt die Uhr eine identische Zeit an. Lena Meißner wird zunächst zur Siegerin erklärt, da sie offenbar einen Wimpernschlag eher mit ihrem Torso die entscheidende Linie überquert hat. Später revidiert der Veranstalter dieses Ergebnis und erklärt Pohle zur neuen Europameisterin. Warum? Wir haben Ironman dazu befragt.

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Caroline Pohle legte Protest ein

Der Veranstalter hat uns in einem Statement mitgeteilt: „Während der Ironman-70.3-Europameisterschaft im schwedischen Jönköping an diesem Sonntag kam es bei den führenden Frauen, Lena Meißner und Caroline Pohle, zu einem Fotofinish, bei dem Meißner zunächst als Siegerin gewertet wurde. Nach dem Rennen legte Pohle offiziell Protest ein und gab an, dass sie auf den letzten Metern von Meißner behindert worden war. Der leitende Schiedsrichter nahm den Protest an und berief die Wettkampfjury ein, um Foto- und Videomaterial zu überprüfen.“

Keine Gelbe Karte für Lena Meißner

Der Protest hatte Erfolg. „Die Jury entschied, dass Meißner den Überholvorgang von Pohle behindert hat. Daraufhin wurde das Ergebnis angepasst und Pohle zur Siegerin erklärt, während Meißner auf den zweiten Platz zurückgesetzt wurde“, heißt es vonseiten Ironmans. Warum aber wurde Lena Meißner in dem Fall einfach ohne weitere Konsequenzen auf Rang zwei degradiert? Auch diese Frage beantwortet Ironman: „Da sich der Vorfall direkt an der Ziellinie ereignet hat, wurde keine Zeitstrafe durch eine Gelbe Karte (30 Sekunden) verhängt. Dies hätte das Ergebnis anderer Athletinnen und Athleten auch nicht beeinflusst.“

Drei Tage Zeit für einen Einspruch

Getty Images for Ironman Fotofinish ohne Aussagekraft: Lena Meißner läuft zwar zuerst über die Ziellinie, Caroline Pohle (li.) legt aber Protest gegen die Wertung ein, da sie sich von Meißner behindert gefühlt habe – mit Erfolg.

Gemäß dem Wettkampfregelwerk bleibt Lena Meißner ab dem Zeitpunkt der Entscheidung eine Einspruchsfrist von drei Tagen. Auf Instagram postete sie ein Statement: „Vizeeuropameisterin. Vielen Dank für all eure netten Worte und Nachrichten. Ich habe heute alles gegeben da draußen!! Nachdem einem Protest stattgegeben wurde – ich bin keine Europameisterin mehr. Ehrlich gesagt… mehr als herzzerreißend auf persönlicher Ebene. Danke für all die Unterstützung!“

Auch Caroline Pohle meldete sich auf ihrem Social-Media-Kanal zu Wort. Sie führt dort die Begründung der Wettkampfjury auf. Darin kommt das Gremium zu der Einschätzung, dass Lena Meißner absichtlich oder unabsichtlich den Weg von Caroline Pohle durch eine unnatürliche Armhaltung blockiert hat. So habe sie die von hinten näher kommende Athletin gestört und sich einen leichten Vorteil im Zielsprint verschafft. In einem Video schilderte Pohle ihre Eindrücke und ihre Gefühlslage: „Es kam am Ende zu einem Zielsprint, bei dem ich zwei bis drei Meter vor dem Zielbanner eine Hand beziehungsweise einen Arm auf meinem Brustkorb gespürt habe, der mich nach hinten gedrückt hat und durch den ich ins Straucheln kam und der mich in meinem Bewegungsablauf gestört hat, sodass ich in das Zielbanner gefallen bin und am Ende im Zielbereich auf dem Bauch lag.“ Pohle weiter: „Kurz danach habe ich beim Kampfgericht Einspruch gegen die Aktion eingelegt, weil ich mich dadurch beeinträchtigt gefühlt habe.“ Ein Gremium habe die Szene anschließend mehrere Stunden umfangreich geprüft. Auch die Athletinnen seien getrennt voneinander zu der Situation befragt worden – mit bekanntem Ergebnis.

Schockiert über Shitstorm

Caroline Pohle: „Ich möchte gerne betonen, dass meine Entscheidung, Protest einzulegen, einzig und allein der Aktion im Zielkanal galt. Ich habe mich in keiner Sekunde im Rennen unfair verhalten und sehe auch nach wie vor das Recht Einspruch einzulegen als faires Mittel in unserem Sport. Am Ende des Tages hat das Kampfgericht entschieden, nicht ich.“ Die öffentlichen Reaktionen auf ihren Protest haben Pohle zugesetzt. „Was mich die letzten zwei Tage sehr traurig gemacht und schockiert hat, war der enorme, bösartige Shitstorm gegen meine Person und meine Integrität als Athletin.“

Die entscheidende Szene im Video

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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