Hitze, Heimrennen, Kona-Druck: Vor dem Ironman Frankfurt sprechen die Profis über ihre Erwartungen, die besondere Atmosphäre und die Herausforderung eines extrem heißen Renntags.
Vor dem Ironman Frankfurt haben einige der prominentesten Starter über ihre Erwartungen, ihre Form und die besonderen Bedingungen gesprochen. Dabei wurde deutlich: Die Hitze dürfte das Rennen prägen, die Leistungsdichte ist hoch, und für mehrere Athleten geht es neben dem EM-Titel auch um die Qualifikation für Kona.
Casper Stornes: „Es ist klug, am Sonntag nicht gierig zu werden“
Casper Stornes erwartet ein Rennen, in dem die Hitze schon auf dem Rad erste Spuren hinterlassen kann. Der Ironman-Weltmeister warnte davor, zu früh zu viel zu wollen. „Man muss sich das Rennen gut einteilen“, sagte der Norweger. Frankfurt habe sich in der Vergangenheit oft auf dem Rad entschieden, doch bei den Bedingungen könne der entscheidende Punkt auch darin liegen, nicht zu überziehen. Stornes selbst will ein sauber umgesetztes Rennen zeigen und eine Verbesserung gegenüber Texas sehen. Natürlich sei der Sieg das Ziel, machte er deutlich. Gleichzeitig verwies er auf die Stärke des Feldes und die schwierigen äußeren Bedingungen. Es werde ein harter Tag.
Jonas Hoffmann: „Ich will um einen Podiumsplatz kämpfen“
Für Jonas Hoffmann ist der Start in Frankfurt ein Heimrennen im besten Sinne. Der Deutsche wohnt nur rund 35 Minuten außerhalb der Stadt und rechnet am Sonntag mit vielen Freunden und Familienmitgliedern an der Strecke. Nach Platz sechs und Platz fünf in den vergangenen beiden Jahren spürt Hoffmann inzwischen mehr Aufmerksamkeit und auch mehr Druck. Gleichzeitig sieht er darin eine Bestätigung seiner Entwicklung. „Für mich ist es großartig, hier unter den besten Athleten der Welt zu sein“, sagte Hoffmann. Nach einem soliden Saisonauftakt in Oceanside und einem missglückten Rennen in Texas will er es in Frankfurt besser machen. Besonders freut er sich auf die Atmosphäre entlang der Strecke und auf den Marathon mit vier Runden, bei dem die Unterstützung durch das Publikum aus seiner Sicht eine besondere Rolle spielen wird.
Gustav Iden: „Ich bin ein bisschen besser als im vergangenen Jahr“
Gustav Iden zeigte sich vor Frankfurt gewohnt locker. Über den vermeintlichen Fluch, dass der Frankfurt-Sieger später nicht Kona gewinne, scherzte der Norweger ebenso wie über das Zusammenleben und Training mit seinen Landsleuten Kristian Blummenfelt und Casper Stornes. Sportlich sieht sich Iden auf einem guten Weg. Sein vierter Platz im vergangenen Jahr sei für ihn ein wichtiges Zeichen gewesen, weil er damals nach mehreren Rückschlägen wieder das Gefühl gehabt habe, wirklich einen Marathon zu laufen und nicht nur ein Rennen zu beenden. Seit Texas habe er wieder konstant trainiert, vor allem im Laufen. Nach einem guten Höhentrainingslager in St. Moritz glaubt Iden, in diesem Jahr etwas besser zu sein als 2025.
Finn Große-Freese: „Vielleicht geht es um mehr als nur die Kona-Slots“
Finn Große-Freese geht mit Vorfreude, aber auch etwas Nervosität in das Rennen. Für ihn ist es der erste Langdistanzstart seit längerer Zeit, zugleich ein besonderes Rennen auf deutschem Boden. Nach seinen starken Auftritten in Klagenfurt und Kopenhagen weiß der junge Deutsche, dass er Rennen gewinnen kann. Den zusätzlichen Druck sieht er dennoch gelassen. Der Fokus liege in diesem Jahr auf großen Rennen, und Frankfurt als Europameisterschaft passe genau in diesen Plan. Große-Freese verwies auf die enorme Tiefe des Feldes und nannte mehrere Athleten, die für ihn eine Rolle spielen könnten. Sein Wunsch für Sonntag: mit den großen Namen mitgehen und vielleicht nicht nur um die Kona-Slots kämpfen.
Magnus Ditlev: „Ich bin sehr hungrig auf das Rennen“
Magnus Ditlev ist froh, überhaupt in Frankfurt an der Startlinie zu stehen. Der Däne blickt auf ein schwieriges Jahr zurück, in dem ihn Krankheit ausbremste. Vor dem Ironman Texas hatte er mit Fieber und Gürtelrose zu kämpfen, sodass ein Start unmöglich war. Die vergangenen fünf Wochen seien nun deutlich besser verlaufen, erklärte Ditlev. Sein Training habe sich von Tag zu Tag verbessert, auch wenn einige Fragen erst im Rennen beantwortet würden. Körperlich will er sich nicht als besonders frisch bezeichnen, mental aber schon. Er habe keine Rennen bestritten und sei deshalb „sehr hungrig“. Im Rennen will Ditlev sich nicht zu sehr auf einzelne Gegner konzentrieren, sondern sein eigenes Rennen kontrollieren.
Vincent Luis: „Am Sonntag wird die Philosophie etwas anders sein“
Vincent Luis kommt mit erledigter Pflicht nach Frankfurt. In Texas sicherte sich der Franzose bereits seinen Kona-Slot, anschließend bereitete er sich sechs Wochen im Höhentrainingslager in der Sierra Nevada vor. Der frühere Kurzdistanz-Star weiß um seine Stärken im Schwimmen und will seinen Teil dazu beitragen, dass das Rennen früh eröffnet wird. Gleichzeitig betonte Luis, dass er auf der Langdistanz weiterhin lerne und nicht als „Held“ auftreten wolle. Texas sei noch ein eher konservatives Rennen gewesen, weil es dort vor allem um die Qualifikation für Kona gegangen sei. In Frankfurt sei sein Mindset nun ein anderes, auch wenn die erwartete Hitze ihn erneut zu kontrolliertem Vorgehen zwingen könnte.
Jamie Riddle: „Kona ist alles“
Jamie Riddle hat bei der Ironman-70.3-Weltmeisterschaftsqualifikation in Helsingør zuletzt eine wichtige Aufgabe gelöst, doch für den Südafrikaner bleibt Kona das große Ziel. „Kona ist alles. Ich muss einfach durchziehen“, machte er deutlich. In Frankfurt will Riddle deshalb vor allem eines: den Slot holen. Dafür ist er bereit, seinen sonst eher aggressiven Rennstil anzupassen. Normalerweise wolle er Rennen durcheinanderbringen und interessant machen, sagte Riddle. Am Sonntag müsse er jedoch defensiver agieren. Auch mental stellt er sich auf einen schwierigen Tag ein. Besonders bei der erwarteten Hitze werde es Momente geben, in denen es dunkel werde. Seine Strategie: diese Momente nicht verdrängen, sondern erwarten. Wer vorbereitet sei, könne besser damit umgehen. Sein Mantra für solche Phasen: „Auch das wird vorübergehen.“
Mehr als 3.000 Teilnehmende
Neben dem Profirennen werden am Sonntag gut 3.000 Athletinnen und Athleten aus 83 Nationen in Frankfurt erwartet. Auffällig ist dabei auch das Wachstum in den beiden jüngsten Altersklassen. Für die Veranstaltung gibt es zudem ein kleines Jubiläum: Mainova ist zum zehnten Mal Titelsponsor des Rennens.
Eine zentrale Rolle werden die Wetterbedingungen spielen. Aufgrund der erwarteten hohen Außentemperaturen ist voraussichtlich mit einem Neoprenverbot zu rechnen – auch unabhängig von der Wassertemperatur. Der Veranstalter hat nach eigenen Angaben zusätzliche Maßnahmen getroffen, um auf die Hitze vorbereitet zu sein. Unter anderem wurde kurzfristig ein klimatisiertes Zelt im Zielbereich für die Athletinnen und Athleten organisiert. Ironman sieht sich für die besonderen Bedingungen entsprechend gut aufgestellt.