Die Ausdauersport-Welt trauert um einen Mann, der ihr näher stand, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Werner Brombach, langjähriger Inhaber der Privatbrauerei Erdinger Weißbräu, ist am Samstag im Alter von 86 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Ohne ihn gäbe es eine der vertrautesten Marken im Ziel unzähliger Triathlons und Läufe nicht – Erdinger Alkoholfrei.

Wer schon einmal einen langen Wettkampftag hinter sich gebracht hat, kennt das Bild: die alkoholfreie Weißbierflasche im Ziel, als Symbol für Regeneration, für das Feiern der eigenen Leistung, für den Moment des Ankommens. Und für die ganz Schnellen das Glas mir der ersten Dusche nach einem 226 Kilometer langen Wettkampf. Dass daraus über die Jahre ein fester Bestandteil der Ausdauersport-Kultur werden konnte, ist ganz wesentlich das Werk von Werner Brombach.
Brombach trat 1965 in die von seinem Vater geführte Brauerei in Erding ein und formte aus einem regionalen Betrieb einen international bekannten Weißbier-Spezialisten. Unter seiner Führung stieg der Ausstoß von rund 40.000 auf etwa 1,5 Millionen Hektoliter pro Jahr, heute ist Erdinger in über hundert Ländern präsent – und wird bis heute konsequent ausschließlich am Stammsitz in Erding gebraut. Diese Bodenständigkeit, verbunden mit unternehmerischem Weitblick, prägte sein Wirken über fast sechs Jahrzehnte.
Für den Sport wurde ein Nebenprodukt seiner Weitsicht zum Hauptdarsteller: das alkoholfreie Weißbier. Erdinger positionierte es früh und offensiv als isotonisches Getränk für die Regeneration nach der Belastung – und rückte es damit aus der Nische in den Mittelpunkt einer ganzen Bewegung. Wo andere im alkoholfreien Bier lange nur einen Verzicht sahen, erkannte man in Erding eine Chance. Prominente Werbegesichter wie Franz Beckenbauer, Magdalena Neuner oder Thomas Müller trugen die Marke in die Öffentlichkeit – auf den Strecken und in den Wechselzonen dieser Welt taten es ihnen Hunderttausende Agegrouper gleich, für die das Glas längst zum Ritual gehört. Und für Patrick Lange, der dreimal im blauen Erdinger-Trikot den Ironman-Weltmeistertitel auf Hawaii errang, war Werner Brombach mehr als ein Sponsor – er war eine Vaterfigur.
Für die Triathlon-Community bedeutet das: Werner Brombach war zwar kein Athlet, kein Trainer, kein Funktionär – und doch hat kaum jemand das Ankommen nach Schwimmen, Radfahren und Laufen so mitgeprägt wie er. Sein Verständnis dafür, dass Sport, Genuss und Gesundheit keine Gegensätze sein müssen, hat einer ganzen Szene ein Stück Identität gegeben. Für diese Verdienste hat ihm die triathlon-Redaktion schon 2018 den Lifetime-Award verliehen.
2025 hatte Brombach sein Lebenswerk in eine Familienstiftung überführt und damit den Fortbestand der Brauerei über seinen Tod hinaus gesichert – eine letzte unternehmerische Entscheidung, die viel über den Menschen aussagt, der stets in Generationen dachte. Brombach hinterlässt seine Tochter Claudia (46) und Schwiegersohn Alexander (45). Ein letzter Wunsch bleibt ihm unerfüllt: Noch vor fünf Wochen erzählte Werner Brombach uns am Zieltor von Roth, wie sehr er sich auf die Hawaii-Reise im Oktober freue.
Die Redaktion der triathlon verneigt sich vor einem Pionier, dessen Wirken bis in die Ziele unserer Sportart reicht. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Erding, den Sportlerinnen und Sportlern, die ihm eine Profikarriere oder eine Heimat im Erdinger Active Team verdanken, und allen, die ihm nahestanden.
Lifetime-Award von triathlon: Die Preisträger
| Jahr | Name | Begründung |
|---|---|---|
| 2013 | Thomas Hellriegel | Erster Deutscher Hawaii-Sieger und langjähriger Begleiter des Triathlonsports |
| 2014 | Detlef Kühnel | Brachte den Ironman nach Deutschland und gründete in Roth ein Rennen mit Weltruf |
| 2015 | Andreas Niedrig | Zeigte, was Triathlon bewirken kann – und inspirierte Tausende Jugendliche zu einem gesuden Lebensstil |
| 2016 | Nicole Leder | Bewies, dass der Begriff „Ironman“ Frauen nicht ausschließt, und inspirierte viele Athletinnen, es ihr gleichzutun |
| 2017 | Kurt Denk | Gründete den Ironman Frankfurt und bewies erstmals, dass eine Langdistanz auch in einer Großstadt funktionieren kann |
| 2018 | Werner Brombach | Als Inhaber der Brauerei Erdinger ermöglichte er vielen Triathleten, das Leben eines Sportprofis zu führen |
| 2019 | Hannes Blaschke | Sein Name ist mit Hawaii verbunden wie kaum ein anderer in Deutschland – ein Urgestein mit Herz und Verstand |
| 2021 | Natascha Badmann | Die sechsfache Queen of Kona zeigte, wie Sport Leben zum Positiven verändern kann, und inspirierte damit viele Tausende. |
| 2022 | Dr. Hermann Aschwer | Motivierte mit über 300 Finishes und 20 Büchern viele Menschen im In- und Ausland zum Triathlon |
| 2023 | Jan Frodeno | Holte nach Olympiagold drei Ironman-Weltmeistertitel und definierte Professionalität im Triathlon auf allen Ebenen neu |
| 2024 | Daniela Ryf | Fünf Weltmeistertitel im Ironman holte sie, dazu prägte sie das Bild der Frauen im Ausdauersport neu |
| 2025 | Alice Walchshöfer | Die Queen Mum organisiert mit ihren Kindern Kathrin und Felix in Roth das größte Triathlonfestival der Welt |











