Ironman passt ab 2026 die Draft-Regelung im Profifeld an und erhöht den Abstand auf 20 Meter. Auch die Challenge Roth geht diesen Weg und testet die Maßnahme 2026 – gestützt auf Daten, Athletenfeedback und steigende Renngeschwindigkeiten.
Der Veranstalter Ironman passt die Windschattenregelung im Profifeld an: Ab dem 1. März 2026 gilt bei allen Profirennen ein Draft-Abstand von 20 Metern statt bisher zwölf Metern. Die Änderung wird in den neuen Ironman Competition Rules 2026 verankert, die im Februar veröffentlicht werden.
Grundlage der Entscheidung ist ein umfangreicher, mehrstufiger Testprozess, der im Juni 2025 gestartet wurde. In Zusammenarbeit mit dem Abstands-Kontrollsystem RaceRanger und dem Aerodynamik-Experten Marc Graveline hatte Ironman den Einfluss unterschiedlicher Draft-Distanzen auf Renndynamik, Leistungsentfaltung und Streckendichte im Profirennsport untersucht.
Wissenschaftliche Tests liefern klare Ergebnisse
Im Rahmen der Untersuchungen wurden zunächst individuelle aerodynamische Basiswerte (CdA) der Athleten ermittelt. Anschließend folgten kontrollierte Gruppentests mit Profiathleten bei typischen Geschwindigkeiten und Leistungswerten aus Ironman-70.3-Rennen. Die Fahrräder waren mit Messtechnik ausgestattet, die unter anderem Leistung, Geschwindigkeit, Wind, Luftdichte und Streckenprofil erfasste. RaceRanger sorgte dabei für exakt eingehaltene Abstände zwischen den Athleten.
Getestet wurden Draft-Zonen von 12, 16 und 20 Metern. Während sich bei einer Erhöhung von 12 auf 16 Meter kaum messbare Unterschiede zeigten, reduzierte ein Abstand von 20 Metern die aerodynamischen Vorteile deutlich. Nach Angaben von Ironman tragen die gestiegenen Renngeschwindigkeiten im Profifeld dazu bei, dass der bisherige 12-Meter-Abstand nicht mehr dem ursprünglichen Gedanken des Windschattenverbots entspricht.
Ironman-CEO Scott DeRue betont, dass es Ziel gewesen sei, Entscheidungen nicht auf Meinungen, sondern auf belastbare Daten zu stützen. Die Ergebnisse lieferten aus seiner Sicht eine klare Grundlage für die Anpassung der Regelung im Profibereich.
Agegroup-Regelung bleibt unverändert
Für Agegrouper ändert sich nichts: Der Draft-Abstand bleibt weiterhin bei 12 Metern. Ironman begründet dies mit deutlich unterschiedlichen Rahmenbedingungen, etwa geringeren Durchschnittsgeschwindigkeiten, größerer Personendichte auf der Strecke und heterogeneren Leistungsniveaus. Diese Faktoren führten dazu, dass die bestehende Regelung im Altersklassenbereich weiterhin als angemessen gilt.
Details zur praktischen Umsetzung der neuen 20-Meter-Regel – etwa zur erlaubten Überholzeit – sollen rechtzeitig vor Inkrafttreten über die Competition Rules kommuniziert werden. Zudem will Ironman den Einsatz von RaceRanger bei Profirennen weiter ausbauen.
Auch Challenge Roth testet 20 Meter
Unabhängig von der Ironman-Entscheidung hat auch die Challenge Roth angekündigt, den Draft-Abstand im Profifeld ab 2026 von 12 auf 20 Meter zu erhöhen. Die Maßnahme wird dort zunächst als Test unter realen Wettkampfbedingungen umgesetzt. Für das Agegroup-Feld bleibt die bisherige Regelung ebenfalls unverändert.
Hintergrund sind auch in Roth deutlich gestiegene Geschwindigkeiten im Profifeld. Seit den frühen 2000er-Jahren haben sich die Radzeiten auf der 180-Kilometer-Strecke um rund 30 Minuten reduziert. Während Thomas Hellriegel 2002 noch 4:24 Stunden benötigte, fahren die männlichen Profis heute regelmäßig unter vier Stunden. Auch bei den Frauen hat sich die Leistungsdichte erheblich verschoben, die aktuelle Radbestzeit liegt bei 4:22 Stunden.
Rennleiter Felix Walchshöfer erklärt, dass sich viele Profis aktiv für eine größere Draft-Zone ausgesprochen hätten. Nach interner Abstimmung und Gesprächen mit dem Verband habe man sich entschieden, die Anpassung 2026 zu testen. Unterstützung kommt dabei ebenfalls von RaceRanger, das eine präzise Kontrolle der Abstände ermöglicht.
Eine Umfrage unter Eliteathleten unterstreicht den Trend: Mehr als 85 Prozent der Befragten sprachen sich für einen Draft-Abstand von 20 Metern im Profibereich aus. Die Erfahrungen aus Roth sollen nach dem Rennen gemeinsam mit dem Verband ausgewertet werden.