Weniger Drafting und niedrigere Spitzenwerte: Die neuen RaceRanger-Daten aus Roth zeichnen ein bemerkenswertes Bild des Profirennens 2026.
Bei der diesjährigen Challenge Roth haben die Profis nach den Daten des Abstandsmesssystems RaceRanger weniger Zeit in der Drafting-Zone verbracht als ein Jahr zuvor. Der Veranstalter hat die vollständige Auswertung zum zweiten Mal veröffentlicht. Sie enthält neben den Gesamtwerten auch die Daten der einzelnen Athleten. Im Durchschnitt wurden pro Profi 1:15 Minuten als unerlaubte Zeit innerhalb der Drafting-Zone erfasst. 2025 waren es 2:40 Minuten.
Weniger Aufenthalte in der Drafting-Zone
RaceRanger registrierte auch weniger sogenannte Yo-Yo-Manöver. Dabei fährt ein Athlet in die Drafting-Zone ein, schließt den Überholvorgang aber nicht ab und fällt anschließend wieder zurück. Die durchschnittliche Zahl dieser Situationen sank von 23,4 auf 7,9 pro Athlet.
Der Anteil der Profis mit mehr als zwei Minuten erfasster illegaler Zeit ging von 35 auf 14 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg der Anteil der Athleten ohne registrierte illegale Zeit von 22 auf 29 Prozent. Der höchste Einzelwert lag 2026 bei 10:04 Minuten, nachdem im Vorjahr maximal 22:25 Minuten gemessen worden waren.
Vergleich nach Umstellung auf 20 Meter
Der Jahresvergleich fand zudem nicht unter identischen Regeln statt. 2025 betrug der vorgeschriebene Abstand zwölf Meter, 2026 waren es 20 Meter. Die Drafting-Zone wurde damit vergrößert, die grundsätzliche Anwendung der Regel blieb jedoch gleich.
Ein Athlet durfte auch 2026 in die Zone einfahren, um einen Überholvorgang zu beginnen. Dafür standen nun 45 Sekunden statt vorher 25 Sekunden zur Verfügung. Erst die über diesen Zeitraum hinausgehende Zeit wurde als illegal gewertet. Wurde der Überholvorgang abgebrochen und der Athlet fiel wieder zurück, erfasste RaceRanger dagegen die gesamte Zeit innerhalb der Zone.
Die niedrigeren Werte zeigen daher, dass 2026 weniger regelwidrige Aufenthaltszeit gemessen wurde. Sie belegen aber nicht, dass die 20-Meter-Regel an sich zu weniger Drafting geführt hat. Ebenso wenig lässt sich aus der vergrößerten Zone automatisch ableiten, dass Verstöße häufiger oder Überholvorgänge schwieriger werden mussten.
Männer mit deutlichem Rückgang
Bei den Männern sank die durchschnittlich erfasste illegale Zeit von 3:15 auf 1:43 Minuten. Der Median ging von 1:31 Minuten auf 40 Sekunden zurück. 19 Prozent der Männer lagen länger als zwei Minuten innerhalb der Drafting-Zone, im Vorjahr waren es 44 Prozent.
Besonders niedrig waren die Werte bei den ersten zehn Männern. Ihr Durchschnitt sank von 1:47 Minuten auf 23 Sekunden. Sieger Sam Laidlow wurde mit 18 Sekunden geführt. Kristian Blummenfelt, der das Rennen auf Platz zwei beendete, verzeichnete keine illegale Zeit. Jonas Schomburg kam auf drei, Patrick Lange auf acht Sekunden.
Deutlich höhere Werte gab es vor allem im hinteren Teil des Männerfeldes. Ben Hoffman führte die Auswertung mit 10:04 Minuten an, Frederik Holm Wester kam auf 8:30 Minuten und Lewis Eccleston auf 7:22 Minuten.
Frauen erneut mit niedrigeren Werten
Im Frauenfeld lagen die RaceRanger-Werte insgesamt niedriger als bei den Männern. Die durchschnittliche illegale Zeit sank von 58 auf 25 Sekunden. Zwölf der 20 in der Auswertung aufgeführten Frauen wurden ohne illegale Drafting-Zeit registriert. Unter den 18 Finisherinnen entspricht das einem Anteil von 60 Prozent. Siegerin Alanis Siffert, Kat Matthews, Anna Pabinger und Daniela Bleymehl gehörten zu den Athletinnen mit null Sekunden.
Eine Ausnahme im vorderen Feld war Caroline Pohle. Bei der Fünftplatzierten erfasste das System 4:03 Minuten in der illegalen Zone, davon 3:03 Minuten hinter Lucy Charles-Barclay. Über die ersten zehn Frauen hinweg sank der Durchschnitt dennoch von 1:49 Minuten im Jahr 2025 auf 38 Sekunden.
Mehrere Streckenabschnitte herausgerechnet
Nicht alle auf der Radstrecke gemessenen Abstände gingen in die Auswertung ein. Ausgenommen wurden die ersten 500 Meter nach der ersten Wechselzone und die letzten 500 Meter vor der zweiten Wechselzone. Ebenfalls entfernt wurden fünf Verpflegungsstellen sowie Solarer Berg, Kränzleinsberg und Kalvarienberg.
Allgemein führen die Messwerte jedoch nicht automatisch zu einer Strafe. Ob ein Regelverstoß vorliegt und sanktioniert wird, entscheiden weiterhin die Wettkampfrichter. Die Daten liefern damit zusätzliche Informationen über das Verhalten im Feld, ersetzen aber nicht die sportrechtliche Bewertung während des Rennens.