Neun Wochen vor dem Ironman Hawaii trennt sich das Feld: Die einen ziehen sich zurück und legen den vollen Fokus auf Big Island, die anderen streuen mit dem Ironman Kalmar, der 70.3-Serie oder der T100 in Vancouver noch einmal ein Rennen ein – volles Risiko inklusive. In der neuen Folge von „Carbon & Laktat“ sortieren Nils Flieshardt und Lars Wichert die Startlisten des Wochenendes – und verneigen sich vor einem Agegrouper, der gerade Sporthistorie geschrieben hat.

Kalmar als Wegscheide: Wer fehlt – und warum das eine Nachricht ist
Die Startliste des Ironman Kalmar hat sich in den vergangenen Tagen kräftig bewegt. Die Abgänge erzählen mindestens so viel wie die Zugänge. Finn Große-Freese ist von der Liste verschwunden und wird die Hawaii-Qualifikation in diesem Jahr nicht mehr suchen. Auch Leonard Arnold, als erster Profi überhaupt für die diesjährige WM qualifiziert, tritt in Schweden nicht an: Nach seiner durchwachsenen Nordamerika-Reise sei der Rückzug die richtige Entscheidung, findet man im Podcast. Knapp neun Wochen vor dem großen Ziel zähle jeder Trainings- und Erholungstag, und lange Reisen seien dabei „auf gar keinen Fall optimale Tage“.
Acht Qualifizierte starten trotzdem – die Pro-Series-Rechnung
Umgekehrt stehen bei den Männern immer noch acht Profis auf der Startliste, die ihr Hawaii-Ticket längst sicher haben. „Warum macht ihr das?“, fragt man sich da unweigerlich. Die Antwort liegt für die beiden Redakteure vor allem in der Ironman Pro Series: Drei Langdistanzen und zwei Mitteldistanzen dürfen eingebracht werden, in Kalmar liegen im besten Fall 5.000 Punkte bereit und am Ende der Saison womöglich ein deutlich größerer Scheck. Jonas Schomburg etwa hat seinen Kalender exakt darauf ausgerichtet und könnte in Schweden zudem etwas holen, das ihm noch fehlt: den ersten Ironman-Sieg seiner Karriere. Möglich sei bei ihm alles, heißt es in der Folge, „von einem Start-Ziel-Sieg bis zum DNF“.
Warum heute mehr Langdistanzen gehen als zu Frodenos Zeiten
Dass Profis überhaupt so viele lange Rennen stapeln können, ist für die beiden auch eine Frage der Generation: Jan Frodeno habe stets erzählt, drei Langdistanzen pro Jahr seien für ihn das höchste der Gefühle gewesen – und schon die dritte eine Qual. Moderne Carbonschuhe hätten die muskuläre Belastung des Marathons drastisch reduziert, dazu komme die deutlich höhere Kohlenhydratzufuhr im Rennen. Beides zusammen erlaube heute Rennkalender, die früher undenkbar gewesen wären, Athleten wie Cameron Wurf oder Trevor Foley führen es vor. Foley, der beim Ironman New Zealand überraschend Kristian Blummenfelt schlug und 5.000 Punkte einsammelte, will mit dem Start in Kalmar in der Pro Series „das Ruder noch einmal umreißen“ und erstmals auf europäischen Boden glänzen.
Laura Philipp: die große Favoritin und das Kalmar-Kalkül
Bei den Frauen führt an einem Namen nichts vorbei: Laura Philipp reist als klare Favoritin nach Schweden. Acht Langdistanz-Siege stehen in ihrer Karriere zu Buche, darunter der WM-Titel und der Sieg in Roth, dazu rund 20 Erfolge auf der Mitteldistanz. Im Podcast wird sie als Wettkämpferin beschrieben, die auch aussichtslos scheinende Rennen noch aufs Podium dreht. Und sie ist eine, die sich von einem Rückschlag in Kalmar nicht verunsichern lassen würde. Denn eines fehlt noch: der Sieg auf Hawaii. Im Vorjahr lautete die schnelle Analyse dort: nicht mutig genug Rad gefahren und trotzdem reichte es noch für das Podium. Wie sie mit den besonderen Schwierigkeiten des Rennens auf Big Island umgeht, erzählt Laura Philipp übrigens in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift triathlon, die gerade in die Druckerei gegangen ist.
Comeback-Wochenende in den USA: Sanders gegen Long?
Abseits von Schweden lohnt der Blick zum Ironman 70.3 Northern California: Dort meldet sich Lionel Sanders nach langer Verletzungspause zurück – mit 38 Jahren und mit Trainingspartner Sam Long an seiner Seite, der zuletzt trotz einer operierten Zyste erstaunlich stark unterwegs war. Die beiden haben sich in der Vergangenheit legendäre Duelle geliefert; im Podcast hofft man auf eine Fortsetzung, auch wenn es mangels Live-Übertragung wohl nur den Tracker zu verfolgen gibt. Dazu greifen Jason West und Jackson Laundry an. Und in Tschechien, beim Ironman 70.3 Hradec Králové, bereitet Florian Angert, der 2022 auf Hawaii als Erster aus dem Wasser gestiegen, eine Sekunde vor Sam Laidlow, seinen nächsten Schritt Richtung Big Island vor.
T100 Vancouver: Die Frauen zur Primetime
Bei der T100 in Vancouver sind am Samstagabend um 20 Uhr deutscher Zeit die Frauen dran. Laut Podcast ein Feld, das sich sehen lassen kann: die amtierende Weltmeisterin Kate Waugh nach langwieriger Wadenverletzung, Gesamtführende Imogen Simmonds, Georgia Taylor-Brown, Julie Derron und Roth-Siegerin Alanis Siffert, dazu Lokalmatadorin Paula Findlay. Besonders gespannt ist man auf Siffert: „Die neue Alanis Siffert wird nicht mehr eingeholt, das wissen wir seit Roth“, heißt es sinngemäß in der Folge. Mit einem Top-3-Ergebnis wäre die Schweizerin mitten im Rennen um den Titel, den sie sich für die 70.3-WM vorgenommen hat. Aus deutscher Sicht ruhen die Hoffnungen auf Bianca Bogen und Lena Meißner, die in diesem Jahr bereits vier Podestplätze auf der Mitteldistanz gesammelt hat und mit keinem davon so richtig zufrieden war.
500 Triathlons: Verneigung vor Gerhard Müller
Den emotionalen Schlusspunkt der Folge setzt aber ein Agegrouper: Gerhard Müller hat am Wochenende seinen 500. Triathlon gefinisht – bei demselben Wettkampf, bei dem er 1988 seinen allerersten absolviert hatte. Dazu kommen 47 Duathlons, 17 Langdistanzen und 148 verschiedene Wettkampforte, alles akribisch dokumentiert: Finisher-Shirts in mehreren Schrankwänden, Startlisten und Urkunden in Hängeordnern. 39 Saisons in Folge hat sich der heute in der Altersklasse M80 startende Müller das goldene DTU-Sportabzeichen gesichert – nicht einmal die Corona-Jahre konnten die Serie stoppen, weil er kurzerhand durch halb Europa zu den wenigen stattfindenden Rennen reiste. Das Ziel für das kommende Jahr steht natürlich schon: das 40. goldene Abzeichen in Folge. Im Podcast gibt es dazu die Anekdote, wie Chefredakteur Nils Flieshardt Müller einst kennenlernte – per gepfefferter Korrektur-Mail mit vielen Ausrufezeichen, nachdem im Heft der erste deutsche Triathlon fälschlich ins Allgäu verlegt worden war. „Glückwunsch, Gerhard – mach weiter!“
Alle Details, Einschätzungen und die komplette Vorschau auf das Rennwochenende gibt es in der aktuellen Folge: Carbon & Laktat, der Podcast von tri-mag.de und der Zeitschrift triathlon – jetzt überall hören, wo es Podcasts gibt.
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