Triathlon im Schnee? Nicht ganz. Bei den Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina stehen dennoch mehrere bekannte Paratriathleten am Start. Lauren Parker wagt den Wechsel in den Parabiathlon, Kendall Gretsch kämpft im Skilanglauf um Medaillen.
Mit den Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo beginnt in Norditalien in dieser Woche eines der größten Multisportevents des Winters. Auffällig aus Triathlon-Sicht: Mehrere bekannte Paratriathleten stehen auch im Wintersport am Start. Sie tauschen den blauen Teppich der Triathlonrennen gegen die Loipen und Schießstände der Alpen.
Die Parallelen zwischen beiden Welten sind größer, als es zunächst scheint. Sowohl im Triathlon als auch in nordischen Wintersportarten entscheiden eine hohe aerobe Leistungsfähigkeit, technische Präzision unter Belastung und die Fähigkeit, mehrere Anforderungen innerhalb eines Wettkampfs zu kombinieren.
Parabiathlon als winterliches Pendant zum Triathlon
Besonders deutlich wird diese Verbindung im Parabiathlon. Der Sport kombiniert Skilanglauf mit Schießen und verlangt den Athletinnen und Athleten einen schnellen Wechsel zwischen maximaler Belastung und präziser Kontrolle ab. Ob nun aufgrund der athletischen oder der phonetischen Übereinstimmungen: Außerhalb der Sport-Bubble kommt es nicht selten vor, dass Triathlon und Biathlon sogar verwechselt werden.
Rollstuhlsportler treten im Sit-Ski an, einem Sitzschlitten, der ausschließlich über die Arme angetrieben wird. Die Belastung ähnelt damit in Teilen dem Handcycling oder den kraftbetonten Armzügen im Schwimmen der PTWC-Triathlonklassen.
Nach intensiven Langlaufabschnitten müssen die Athleten am Schießstand innerhalb weniger Sekunden zur Ruhe kommen. Trotz einer Herzfrequenz von häufig über 180 Schlägen pro Minute gilt es, aus zehn Metern Entfernung fünf Ziele mit einem Luftgewehr zu treffen. Jeder Fehlschuss hat Konsequenzen: In der Regel folgt eine 150 Meter lange Strafrunde oder eine Zeitstrafe von einer Minute.
Lauren Parker wagt den Wechsel in den Schnee
Zu den bekanntesten Triathletinnen im Starterfeld gehört die Australierin Lauren Parker. Die Paralympicssiegerin von Paris 2024 hat im Paratriathlon bereits zahlreiche Titel gewonnen und auch im Para-Radsport Medaillen geholt. In Italien wagt sie nun einen weiteren Perspektivwechsel und startet erstmals im Parabiathlon.
Die Rennen beginnen am 7. März. Parker nutzt den Ausflug in den Wintersport auch als neue sportliche Herausforderung abseits des gewohnten Triathlonkalenders.
Kendall Gretsch und Joshua Sweeney im US-Team
Mit Kendall Gretsch ist eine weitere bekannte Paratriathletin in Norditalien am Start. Die US-Amerikanerin gewann bei den Paralympics in Tokio 2020 Gold im Paratriathlon und gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Athletinnen, die sowohl im Sommer- als auch im Wintersport antreten.
Bei den Winterspielen startet sie allerdings nicht im Biathlon, sondern im Skilanglauf. Dort zählt sie in den Sitzklassen zu den etablierten Athletinnen.
Zum US-Team gehört außerdem Joshua Sweeney. Der ehemalige Para-Eishockeyspieler ist heute sowohl im Paratriathlon als auch im nordischen Skisport aktiv und geht am 8. März im Parabiathlon an den Start.
Heimvorteil für Italiens Giuseppe Romele
Auch aus Europa sind mehrere Athleten mit Triathlonhintergrund dabei. Im Gastgeberland Italien richtet sich der Blick vor allem auf Giuseppe Romele. Der PTWC-Triathlet gehört im nordischen Skisport zu den starken Athleten der Sitzklasse und möchte vor heimischem Publikum an seine Bronzemedaille von den Paralympics in Peking 2022 anknüpfen.
Der Österreicher Oliver Dreier wiederum zeigt, wie vielseitig Para-Triathleten aufgestellt sein können. Der Paratriathlon-Weltmeister von 2015 startet bei den Winterspielen im Snowboard, unter anderem im Banked Slalom und Snowboardcross.
Komplettiert wird die Gruppe der Triathleten durch Japans Keiichi Sato, der im Parabiathlon in den stehenden Klassen startet.
Zehn Tage Wettkämpfe in Norditalien
Die Paralympischen Winterspiele Milano Cortina 2026 beginnen am 6. März mit der Eröffnungsfeier in der Arena von Verona. In den folgenden zehn Wettkampftagen kämpfen rund 665 Athletinnen und Athleten aus 56 Nationen in insgesamt 79 Medaillenentscheidungen um Edelmetall.