Vier Kona-Slots, ein überschaubares Männerfeld und ein Kurs, auf dem viel über die Laufstärke entschieden werden dürfte: Frederic Funk reist mit realistischen Chancen auf einen WM-Slot zum Ironman Neuseeland. Entscheidend wird sein, wen er in Taupō tatsächlich hinter sich lassen muss.

Mit dem Ironman Neuseeland startet heute Abend um 19:45 Uhr deutscher Zeit nicht nur die Ironman Pro Series 2026 in ihre neue Saison. In Taupō geht es für die Profis auch direkt um vier WM-Slots für Kona. Für Frederic Funk ist das Rennen damit deutlich mehr als nur ein Formtest zum Jahresauftakt. Der Deutsche hat sein Ziel klar benannt: Er will sich möglichst früh das Ticket für Hawaii sichern. Dass ihm dafür ausgerechnet in Neuseeland eine gute Gelegenheit winkt, ist kein unrealistisches Szenario. Das Rennen ist zwar prominent besetzt, die Tiefe des Feldes wirkt hinter den großen Namen aber überschaubar.
Der eine Athlet, um den im Kampf um den Sieg wohl kein Weg herumführt, ist Kristian Blummenfelt. Der Norweger ist in Taupō der klare Topfavorit und gehört leistungsmäßig in eine eigene Kategorie. Für Funk ist das allerdings nicht zwingend ein Nachteil. Denn weil Blummenfelt in erster Linie seinen WM-Start validieren muss, blockiert er keinen zusätzlichen Slot im klassischen Sinne des internen Rennens um die ersten Vier. Ähnlich relevant ist, dass Rasmus Svenningsson bereits als qualifiziert gilt. So verschiebt sich die Rechnung für Funk spürbar zu seinen Gunsten. Dann würde es praktisch eher um einen Platz unter den ersten sechs Athleten im Gesamtklassement gehen als zwingend um Rang vier.
Die Konkurrenz
Genau dort liegt Funks Chance. Hinter Blummenfelt gibt es zwar mehrere Athleten mit sehr überzeugenden Profilen, aber kaum jemanden, der unangreifbar wirkt. Mike Phillips bringt als Vorjahressieger und Streckenkenner natürlich starke Argumente mit. Jack Moody reist nach seinem Sieg bei der Challenge Wanaka mit Rückenwind an. Matt Hanson ist auf dem Marathon immer gefährlich. Kyle Smith bleibt trotz durchwachsener jüngerer Langdistanz-Historie wegen seiner Klasse und seines Heimvorteils schwer einzuschätzen. Dazu kommt mit Pierre Le Corre ein Debütant, dessen Potenzial enorm ist, dessen Verhalten auf der vollen Distanz aber naturgemäß schwer zu prognostizieren bleibt. Gerade dieses Gemisch macht das Rennen für Funk interessant: stark genug, um ein hochwertiges Resultat zu verlangen, aber nicht so dicht, dass ein Kona-Slot unerreichbar wirken würde.
Für Funk selbst spricht zunächst sein Profil. Schon in seinen ersten beiden Langdistanzen hat er gezeigt, dass ihm das Format entgegenkommen kann. In Roth wurde er bei seiner Premiere Fünfter, beim Ironman Switzerland Dritter – jeweils gegen gute bis starke Konkurrenz. Vor allem die Kombination aus solidem Schwimmen, starker Radleistung und einem Marathon, der auch nach hartem Radfahren konkurrenzfähig bleibt, macht ihn in einem Rennen wie in Taupō zu einem ernsthaften Slot-Kandidaten. In seinem jüngsten Interview mit tri-mag.de betonte Funk selbst, dass er für die Hawaii-Quali nach Neuseeland fliegt und genau dafür die Reise auf sich nimmt.
Selbstvertrauen nach Einstieg in Wanaka?
Hinzu kommt: Der Saisoneinstieg in Wanaka dürfte ihm Selbstvertrauen gegeben haben. Dort wurde Funk bei seinem Comeback nach Verletzungspause Dritter – hinter Jack Moody und Mike Phillips, also zwei Athleten, die er nun auch beim Ironman Neuseeland wiedertrifft. Entscheidend daran ist weniger das Ergebnis als die Aussage dahinter: Funk war direkt konkurrenzfähig, fuhr einen der schnellsten Radsplits des Tages und verlor im Halbmarathon nur knapp das Duell um Rang zwei. Für einen ersten Wettkampf nach Ellenbogenbruch war das ein ermutigendes Signal.
Der Knackpunkt wird wohl der Rennverlauf. Funk dürfte kaum daran interessiert sein, das Rennen gegen Blummenfelt zu eröffnen. Für ihn geht es eher darum, kontrolliert in die Langdistanz hineinzukommen, auf dem Rad keinen unnötigen Schaden zu nehmen und sich in einer Position in den Marathon zu bringen, aus der heraus die Slot-Konkurrenz unter Druck gesetzt werden kann. Genau da liegt eine seiner größten Stärken: Während auf der Mitteldistanz häufig die ganz große Lauf-Endgeschwindigkeit fehlt, sieht Funk auf der Langdistanz gerade im Marathon seine Chance.









