„50 Days of Roth“: Anna Held will den Langdistanz-Weltrekord

Break the Limits: ein weiteres Weltrekordprojekt über die 226 Kilometer? Weit mehr als das. Anna Held will mit 50 Langdistanzen in 50 Tagen Frauen inspirieren und Mut machen. Am 5. Juli geht es los. Auch wenn es rund um Roth stattfindet, hebt sich das Projekt von der „Challenge 120“ von Jonas Deichmann ab.

Philip Kreibig Kovii_media Gedrosselt: Anna Held könnte schneller laufen, plant aber während ihres Weltrekordprojekts mit einer Pace von 6:30 Minuten. Damit sie möglichst viele Sportler begleiten können.

Ein Weltrekord für die meisten Langdistanzen an aufeinanderfolgenden Tagen. In Roth. Da war doch mal was…? Viel mehr Parallelen zwischen dem Projekt von Anna Held und Jonas Deichmann, der mit 120 Langdistanzen in 120 Tagen im Jahr 2024 einen neuen Bestwert für Männer aufgestellt hat, gibt es aber nicht. Die Voraussetzungen der 38-Jährigen für ihr Unterfangen sind gänzlich andere. Dennoch will die medizinische Fachangestellte des Kreiskrankenhauses Roth neue Maßstäbe setzen: 50 Langdistanzen an 50 aufeinanderfolgenden Tagen. 50-mal 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen. Der Name des Projekts: 50 Days of Roth. Wie schmerzhaft oder lustvoll die Erfahrung in Anlehnung an einen bekannten Filmtitel am Ende wird, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Anna Held jedenfalls will bis zum Start am 5. Juli bestens vorbereitet sein.

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Start im Rahmen der Challenge Roth

5. Juli? Genau, der Projektauftakt fällt auf das Datum der Challenge Roth, an der Anna Held teilnehmen wird. „Mir war wichtig, dass ich mit der Challenge Roth anfange. Es war immer mein Traum, dabei zu sein.“ Die emotionale Verbindung geht so weit, dass das Veranstaltungslogo als Tattoo auf ihrem Oberschenkel prangt. Am Tag nach dem Event geht es für sie auf selbst zusammengestellten Routen weiter. Heimspiel: Da sie aus Roth kommt, kennt sie die Umgebung und die Bedingungen in- und auswendig. Einfach auf die Routen zu setzen, die von Jonas Deichmann in seinem Projekt an gleicher Stelle bereits erprobt sind, kam für sie nicht in Betracht. Anna Held geht lieber ihren eigenen Weg.

Kein „Deichmann 2.0“

„Das soll auf keinen Fall ein Deichmann-2.0-Projekt werden“, bekräftigt die 38-Jährige. Sie kennt den Abenteurer natürlich. „Wir stehen in Kontakt, er hat mir ein, zwei Tipps gegeben.“ Das war es aber auch schon. Fast. Sie hat quasi vor der eigenen Haustür mit ihm zusammen während der Challenge 120 sechs Langdistanzen an sechs aufeinanderfolgenden Tagen absolviert – und so die Idee und das Selbstvertrauen entwickelt, dass sie den Weltrekord für Frauen aufstellen kann. „Das war das prägendste Erlebnis meiner bisherigen sportlichen Reise“, sagt sie.

Rasantes Tempo

Ihre sportliche Reise begann – wenn man so will – erst im Jahr 2024. „Ich bin als Kind im Verein geschwommen, habe seitdem aber nichts mehr gemacht, außer ein bisschen Tennis zu spielen. 2020 habe ich mal angefangen zu laufen, es aber übertrieben und eine Stressfraktur bekommen, weil ich keine Ahnung hatte. Dann habe ich damit aufgehört. Vor zwei Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, einmal eine Langdistanz zu absolvieren“, betont die Mutter von neunjährigen Drillingen.

Philip Kreibig Kovii_media Gut vorbereitet: Anna Held fürchtet bei ihrem Projekt nicht die sportliche Herausforderung, sondern, dass ein Unfall ihre Rekordjagd beenden könnte.

„Eine Leidenschaft, die mein Leben verändert hat“

Eine schwere Lebensphase führte schließlich dazu, dass sie den Grundstein für das anstehende Projekt legte: Trennung, Grübeln, ein Ausgleich musste her. „Damals habe ich zum ersten Mal die Laufschuhe geschnürt – einfach, um meinen Kopf frei zu bekommen“, sagt Anna Held. „Aus diesem Schritt wurde eine Leidenschaft, die mein Leben verändert hat.“ Und das in einem atemberaubenden Tempo. Ein Auszug: Schon im März 2024 nimmt sie an ihrer ersten Laufveranstaltung teil und läuft die 10 Kilometer in 43 Minuten. Im April des Jahres landet sie beim Hiro Run in Hilpoltstein über die Halbmarathondistanz in 1:36 Stunden auf Rang zwei ihrer Altersklasse W35. Nur einen Monat später absolviert sie im Rahmen der Challenge 120 ihren ersten Marathon an der Seite von Jonas Deichmann. Es folgen später im Jahr sechs Langdistanzen an sechs aufeinanderfolgenden Tagen.

Grenze des Machbaren

Anna Held ist bewusst: „Es wird ein Projekt, das körperlich, mental und organisatorisch an die Grenzen des Machbaren geht – und neue Maßstäbe im Frauensport setzen wird.“ Der aktuelle Weltrekord für Frauen liegt bei 30 Langdistanzen in 30 Tagen, aufgestellt im Jahr 2023 von der Österreicherin Alexandra Meixner. Diese Marke würde Anna Held am 4. August knacken. Aber sie möchte den bisherigen Rekord nicht nur einfach, sondern deutlich überbieten. „Ich möchte zeigen, dass man nie zu alt, zu beschäftigt oder zu sehr Mama ist. Dass Mut, Disziplin und Herz große Dinge möglich machen, und vor allem, dass Frauen sichtbar Großes leisten können“, sagt sie zu ihrer Motivation. „Ich möchte Menschen – besonders Frauen – inspirieren, an sich zu glauben und ihren eigenen Weg zu gehen.“

13 bis 14 Stunden unterwegs

Jeder Tag ist durchgetaktet. Start ist jeweils um 7 Uhr morgens im kleinen Rothsee in Birkach. Vier Runden über je 950 Meter führen über einen Dreieckskurs zu letztlich 3,8 Kilometern. Anvisiert sind 1:15 Stunden für die erste Disziplin. Nach einer 15- bis 20-minütigen Pause in der ersten Wechselzone am Rothsee steigt Anna Held auf das Rad. Sieben Stunden will sie über die 180 Kilometer unterwegs sein, die drei Runden à 60 Kilometer beinhalten. Die ersten beiden Runden gehen vom Rothsee über Eckersmühlen, Pleinfeld und Hilpoltstein zu Radsport Buchstaller, wo jeweils eine zehn- bis 15-minütige Pause ansteht. Die finale Runde nach Roth führt dann über Meckenlohe und Pfaffenhofen zurück zur TSG 08 Roth. Nach einem erneuten 15- bis 20-minütigen Aufenthalt in der zweiten Wechselzone steht der Marathon an. Die 42,195 Kilometer erstrecken sich entlang des Kanals, beinhalten eine Rothseerunde und bringen Anna Held nach Stationen in Büchenbach und Pfaffenhofen zurück nach Roth, wo das Ziel auf sie wartet. Der Zeitplan sieht täglich 13 bis 14 Stunden vom Start bis zum Ziel vor.

Größte Angst: ein Unfall

Unterstützt wird Anna Held von einem zehnköpfigen Team, das sich um Streckensupport und Organisation, die mediale Begleitung, Versorgung, Kinderbetreuung, Training sowie physiotherapeutische und medizinische Betreuung kümmert. Mit Bernd Langenstein betreut sie der Mediziner, der schon Jonas Deichmann durch sein Projekt „Challenge 120“ begleitet hat. „Vom sportlichen Aspekt habe ich gar keine großen Befürchtungen, dass es nicht reichen könnte“, betont die 38-Jährige. „Die größte Angst habe ich davor, dass ein Unfall passiert.“ Auch die Euphorie, die dieses Projekt begleiten und eine Eigendynamik entwickeln könnte, sieht sie nicht als Risikofaktor an. „Ich trainiere gerade unheimlich viel daran, dass ich mich bremse“, verrät sie und ist sich sicher, gut vorbereitet zu sein. „Ich drossle meine Pace derzeit auf circa 6:30 Minuten pro Kilometer. Es ist ungewohnt, sich daran zu halten, aber es funktioniert. Mir ist schließlich wichtig, dass mich genug Teilnehmer begleiten können, wenn sie Lust darauf haben. Da möchte ich nicht zu schnell laufen.“

Philip Kreibig Kovii_media Gut gelaunt und optimistisch: Anna Held sieht ihrem Projekt mit Vorfreude und Respekt entgegen.

Teilnehmer herzlich willkommen

Der Community-Gedanke steht bei dem Projekt ebenfalls ganz vorn. Und Anna Held dürfte nicht allein auf die Strecke gehen. Sie ist in Roth keine Unbekannte und Mitglied im ortsansässigen Triathlonverein. „Viele Teamkolleginnen und Teamkollegen sind schon richtig geil drauf, mitzumachen. Aber wie viele es am Ende werden, weiß ich nicht. Ich erwarte nichts, aber ich freue mich über alles.“ Da dies keine offizielle Veranstaltung wird, erfolgt die Teilnahme an einzelnen Streckenabschnitten freiwillig und auf eigene Verantwortung.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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