RaceRanger startet 2026 mit 65 Profirennen und 2027 folgen die ersten Agegroup-Events. Das System könnte den Triathlon nachhaltig verändern.
Das Anti-Drafting-Tool RaceRanger steht vor dem nächsten großen Schritt: der breiten Anwendung bei Agegroup-Rennen. Das Unternehmen habe mit der Produktion neuer Geräte begonnen, die speziell für große Teilnehmerfelder ausgelegt seien, bestätige CEO James Elvery. Zwei Rennen in Neuseeland hätten bereits zugesagt, Anfang 2027 ihre kompletten Felder mit RaceRanger auszustatten: der Tauranga Half und die Challenge Wanaka. Bei beiden Veranstaltungen werden jeweils etwa 700 bis 800 Athletinnen und Athleten mit dem System unterwegs sein. Weitere große Rennen könnten folgen.
Zwei Kategorien für unterschiedliche Rennziele
Für die Athleten selbst kommt außerdem noch eine andere wichtige Neuerung hinzu: RaceRanger eröffnet die Möglichkeit, Agegroup-Felder künftig stärker zu segmentieren. Denn nicht alle Teilnehmer haben dieselben Ziele. Einige wollen wie Profis um Platzierungen kämpfen. Andere sehen den Wettkampf eher als persönliche Herausforderung und kennen die Drafting-Regeln möglicherweise nur oberflächlich, so Elvery. RaceRanger schlägt deshalb zwei Kategorien vor: eine „Competitive Category“ und eine „Participation Category“.
In der wettkampforientierten Kategorie würden Athleten zwei Geräte erhalten, genau wie die Profis. Das System funktionierte dann nahezu identisch, möglicherweise weiterhin mit einer 12-Meter-Regel. In der allgemeinen Teilnahme-Kategorie gäbe es dagegen nur ein hinteres Gerät. Dort würden nicht ständig Lichter aufleuchten, wenn Athleten gemeinsam fahren. Die Signale würden nur dann relevant, wenn ein Teilnehmer aus der Participation Category vor einem Competitive-Athleten fährt.
Die Herausforderung für den Agegroup-Einsatz liege dabei nicht nur in der Technik auf dem Rad. Für Altersklassen-Rennen müsse es ein komplett neues logistisches System geben: Transport, Ausgabe, Zuordnung der Geräte zu einzelnen Athleten, Rückgabe bei Nichtstart oder Aufgabe, Reinigung, Laden, Wartung und langfristige Nutzungskontrolle. All das sei in den vergangenen Monaten von einem eigenen Team vorbereitet worden.
Live-Tracking und neue Möglichkeiten für Zuschauer
Zusätzlich kann jedes hintere Gerät als Live-Tracker dienen. Dadurch könnten Zuschauer und Supporter Positionen, Zeitabstände und Leaderboards verfolgen. Auch für Veranstalter entsteht ein Sicherheitsvorteil: Sie können jederzeit sehen, wo sich Athleten auf der Radstrecke befinden.
Für Rennen bedeutet dieses Modell allerdings Anpassungen. Veranstalter müssten überlegen, wie sie die beiden Kategorien starten lassen. Denkbar wären Wellenstarts nach Altersklassen für die Competitive-Athleten, gefolgt von einem größeren Abstand zu den Rolling Starts der allgemeinen Teilnehmer. Beispiele gibt es bereits: In Roth existieren Sub-9- und Sub-10-Wellen, bei Ironman-Weltmeisterschaften gibt es ebenfalls altersklassenbasierte Wellenstarts.
Veröffentlichung der Daten verändert das Verhalten
Ein wichtiger Schritt hin zu diesem System war die Veröffentlichung der RaceRanger-Daten nach den Rennen. Die Profis selbst hatten sich dafür eingesetzt, dass die gemessenen Zeiten öffentlich gemacht werden. Viele Athletinnen und Athleten begrüßen diese Transparenz. Gerade zu Beginn sorgten die Daten allerdings auch für Überraschungen. Einige Profis stellten fest, dass sie deutlich höhere Werte sammelten als ihre Konkurrenten. Inzwischen haben viele dieser Athleten ihre Werte sichtbar reduziert. Die Veröffentlichung hat also nicht nur informiert, sondern offenbar auch Verhalten verändert.
RaceRanger sieht darin einen wichtigen Lerneffekt. Wer schwarz auf weiß sieht, dass er oder sie häufiger als andere in kritischen Abstandssituationen fährt, kann das eigene Verhalten besser einordnen. Gleichzeitig wirkt die öffentliche Sichtbarkeit abschreckend. Niemand möchte nach einem Rennen ganz oben auf einer Liste stehen, die mit auffälligem Windschattenverhalten verbunden wird. Zwar habe sich die Triathlon-Community inzwischen etwas an die Daten gewöhnt, doch der präventive Effekt bleibt bestehen.
Bereits die vergangene Saison verlief für RaceRanger nach eigener Einschätzung sehr positiv. Im Mittelpunkt standen primär die Optimierung der Abläufe bei Veranstaltungen, die Zusammenarbeit mit Ironman im Rahmen von Drafting-Tests sowie die technische Weiterentwicklung des Systems. Diese Tests trugen letztlich auch zu Regelanpassungen auf 20 Meter bei. Gleichzeitig wurde viel in ein neues Gerätekonzept investiert, das nicht mehr nur für kleine Profifelder geeignet ist, sondern auch für mehrere Tausend Athletinnen und Athleten bei großen Agegroup-Rennen.
Auch der Rennkalender wächst deutlich. Für 2026 sind bereits 65 Profirennen mit RaceRanger geplant. Zum Vergleich: 2025 waren es noch 37. Damit hat sich das System im Profibereich weiter etabliert. Der nächste Fokus liegt nun klar auf den Agegroupern.