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Unfall, Schmerzen, bitteres Ende: Anna Held muss „50 Days of Roth“ abbrechen

Am Dienstag hatte Anna Held einen heftigen Unfall, schleppte sich aber noch fünf weitere Tage über 226 Kilometer. Am achten Tag des Weltrekordprojekts mit 50 Langdistanzen in 50 Tagen kam das Aus. Die Schmerzen waren zu groß.

Privat Gezeichnet: Mit Kühlpack auf dem lädierten Knie pausiert Anna Held während des Marathons. Nach acht Tagen musste sie ihr Projekt beenden.

Müde und niedergeschlagen klang Anna Held, als sie ihre Entscheidung verkündete: Ihr Weltrekordprojekt „50 Days of Roth“, bei dem sie 50 Langdistanzen in 50 Tagen absolvieren wollte, ist vorzeitig beendet. An Tag acht musste die 39-Jährige die Reißleine ziehen. Gegen 23 Uhr am Sonntagabend und 30 Kilometern auf der Laufstrecke war Schluss. Ein „bitteres Ende“, wie Anna Held erklärte. Es ging einfach nicht mehr.

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Ein Unfall mit Folgen

Nach dem euphorischen Auftakt im Rahmen der Challenge Roth am 5. Juli und dem darauffolgenden Montag kam es am schon dritten Tag zu einem folgenschweren Ereignis. „Am Dienstag ist das passiert, was nicht hätte passieren sollen. Das Schlimmste, was ich mir hätte vorstellen können“, so Held. Auf der Radstrecke sei sie mit rund 45 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen, bergab mit Rückenwind, als sie durch ein Dorf bei Walting fuhr. „Leider hat mir dort ein Auto die Vorfahrt genommen und ist aus einer Straße rausgefahren. Ich bin volle Kanne hinten links in das Auto reingeknallt, habe einen Salto gemacht und lag dann auf der Straße. Die Polizei ist gekommen.“ Äußerlich war neben Schürfwunden direkt eine deutlich geschwollene Hand erkennbar. Das direkte Aus beim Weltrekordprojekt? Noch nicht!

Durchgezogen trotz Verletzungen

„Ich wollte weiterfahren. Viele haben aber gesagt, dass ich das nicht machen soll, weil man durch das Adrenalin nicht wirklich weiß, welche Folgen der Sturz haben könnte. Aber ich ich habe nach der Unfallaufnahme mein Rennrad genommen – weil das Zeitfahrrad in die Werkstatt gekommen ist – und habe die 180 Kilometer fertig gemacht.“ In der Wechselzone habe eine Unfallchirurgin Anna Held untersucht. Mit Verdacht auf Mittelhandbruch ging es in die Klinik, um die Hand zu röntgen. „Da war Gott sei Dank nichts. Ich bin dann losgelaufen, aber da haben sich die Ausmaße erst richtig gezeigt. Das linke Knie hatte ich vorher gar nicht richtig auf dem Schirm, aber das begann zu schmerzen. Der Marathon hat sich bis spät in die Nacht gezogen. Ich musste immer wieder stoppen und habe physiotherapeutische Behandlungen bekommen.“

Ein Teufelskreis beginnt

Nach einer kurzen Nacht biss Anna Held am Mittwoch auf die Zähne. Die Schmerzen im Knie hielten an. „Wir haben noch ein MRT gemacht, da hat sich herausgestellt, dass das Retinaculum angerissen ist.“ Damit ist das Bindegewebsband gemeint, das die Kniescheibe stabilisiert. Weitere Nachwirkungen des Unfalls: gezerrte Kreuzbänder, ein Bluterguss direkt am Oberschenkelknochen und eine beeinträchtigte Atmung. „Ich kann nur ganz oberflächlich atmen und hatte beim Schwimmen das Gefühl, dass ich keine Luft mehr bekomme.“ Im Bereich der linken Schulter bildete sich ebenfalls ein Hämatom. Darunter litt die Performance in der ersten Disziplin. Die anhaltenden starken Schmerzen forderten ihren Tribut. „Die haben dazu geführt, dass ich nicht richtig essen konnte.“ Ein Teufelskreis begann. Das Kaloriendefizit ließ die Kräfte schwinden. Die Tage wurden länger, weil Anna Held für die 226 Kilometern mehr Zeit benötigte. “ Dadurch bin ich in ein Defizit gerutscht, was nicht förderich war, weil dann die Kraft weniger wurde. „Der Marathon hat wegen des Knies ewig gedauert. Das hat obendrein zu einem dramatischen Schlafentzug geführt, weil ich nur drei Stunden schlafen konnte.“

Dramatisches Schlafdefizit

Aufgeben wollte Anna Held aber nicht. Sie verzichtete sogar auf ihre ketogene Ernährung und schwenkte auf kohlenhydratreichere Verpflegung um, da das fettreiche Essen mit ihrer Übelkeit nicht mehr kombinierbar war. Das Ergebnis: Ihr Magen rebellierte. „Jeden Morgen habe ich wieder und wieder versucht, das durchzuziehen, in der Hoffnung, dass es täglich einen Ticken besser wird. Aber dazu kam es nicht. Es kamen einfach so viele Sachen zusammen.“

Markus Killinger Ein Unfall auf dem Rad sorgte für zahlreiche Blessuren. Am Ende kämpfte Anna Held auch mit den mentalen Herausforderungen.

So schleppte sich Anna Held von Tag zu Tag. Hinzu kam die mentale Komponente. Das Erlebte wirkte nach. „Ich steige aufs Rad und der Unfall ist sofort wieder da. An jeder Kreuzung frage ich mich, ob mir gleich wieder jemand die Vorfahrt nimmt. Die Angst fährt mit … Ich kämpfe mit mir selber!“, schrieb sie auf Instagram und gewährte so Einblicke in ihre Gefühlswelt. Am Sonntagabend folgte dann die Erkenntnis: „Ich konnte den Unfall einfach nicht kompensieren. Eine Langdistanz an sich fordert vom Körper ja schon Regeneration. Und dann noch dieser Verkehrsunfall, nach dem jeder andere erst einmal im Schockraum und im Krankenhaus liegt, während ich noch am selben Tag direkt weitermache. Es war einfach zu viel. Leider hat mir der Unfall einen Riesenstrich durch mein Projekt gemacht.“

Trotz Unfall viele schöne Momente

Das Fazit fällt gemischt aus. „Es war auf jeden Fall – abgesehen von dem Unfall und den Schmerzen, die mir die Freude genommen haben – trotzdem richtig schön. Ich habe ganz tolle Menschen kennengelernt“, betont Anna Held. „Die Community in Roth war unglaublich, weil sie bis nachts an meiner Seite geblieben sind, oder auf mich gewartet haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es das nochmal gibt. Da ist Roth einzigartig, mit so lieben Menschen, die einen unterstützen.“ Auf der einen Seite also das bittere Ende, auf der anderen Seite viele positive Momente.

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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