Die volle Ladung Emotionen, beim Start, beim Zieleinlauf und zwischendrin. Anna Held hat ihr Projekt von 50 Langdistanzen in 50 Tagen bei der Challenge Roth gestartet. Und ist überwältigt. Nach 12:32:05 Stunden war der erste Tag geschafft – allerdings nicht ohne Probleme.

Ein reibungsloser Ablauf bei einem Mammutprojekt? Träumen ist natürlich erlaubt. Die Realität sieht allerdings in den meisten Fällen anders aus. Genau das macht den Reiz solcher Vorhaben aus: Auf Unvorhergesehenes flexibel zu reagieren und eine Lösung zu finden. Anna Held hat einen ersten Vorgeschmack darauf bekommen, was sie in den kommenden Wochen erwarten könnte. Beim Auftakt ihres Weltrekordprojekts „50 Days of Roth“, bei dem sie 50 Langdistanzen in 50 aufeinanderfolgenden Tagen absolvieren möchte, lief nicht alles wie geplant. Das Wichtigste aber: Erfolgreich verlief der Start dennoch. Und emotional. Die erste von 50 Langdistanzen absolvierte sie im Rahmen der Challenge Roth. „ich habe geheult, als ich gestartet bin. Ich habe geheult, als ich eingelaufen bin. Es war ein Riesenwunsch, der in Erfüllung gegangen ist, ich habe mich so gefreut. Es war ein geiler Auftakt.“
Aufregung und Turbulenzen
Die Nacht vor dem ersten Start war kurz. „Ich war ziemlich aufgeregt“, gibt Anna Held zu. „Ich habe aber gut geschlafen.“ Dann begannen erste Turbulenzen. Der anvisierte Parkplatz war nicht ansteuerbar. Die Trinkflaschen für das Rad, wichtige Verpflegung für die zweite Disziplin, waren im Rucksack einer Freundin – und plötzlich nicht mehr auffindbar. Es ist der Moment, an dem Anna Held nicht zum ersten Mal froh ist, ein vertrauensvolles Team um sich herum zu haben. „Ich musste zum Start. Die anderen haben das Problem aber gelöst.“ Philipp Vogel, der nach Anna Held startet, steckt die wiedergefundenen Flaschen letztlich noch rechtzeitig an das Rad.
Dann ging es los. Um 6:45 Uhr nahm sie das Mammutprojekt in Angriff. Mit der nötigen Portion Respekt und ordentlich Erkenntnissen. „Schwimmen ist derzeit nicht meine beste Disziplin. Ich bin da ein bisschen verkopft. Aber das werde ich auch wieder in Angriff nehmen und bekomme das schon hin.“ Die offizielle Zeit beim Ausstieg aus dem Kanal zeigt 1:27:50 Stunden an. „Ich bin mit den schnellen Schwimmern gestartet, wurde ein paar Mal überschwommen und habe einen ziemlichen Schlag auf den Kopf bekommen. Das war ein bisschen doof, weil ich mir dadurch den Nacken verspannt habe.“
Gejagt von Frederic Funk
Der Wechsel aufs Rad lief reibungslos, genauso die gesamte zweite Disziplin – mit der geeigneten Verpflegung am Rad. Es lief in der allgemeinen Euphorie sogar phasenweise zu gut. „Ich habe ein bisschen überpaced“, gibt Anna Held zu. „Es war aber nur minimal und nicht so schlimm. Ich bin einen 30er Schnitt gefahren.“ Am Solarer Berg trug sie schließlich nicht nur die Begeisterung und Jubelstürme der Zuschauer schneller als geplant nach oben, sondern die Begegnung mit einem anderen Athleten. „Das war witzig. Als ich gerade in diesen Menschenkanal reinfahren wollte, wo nur ein Rad Platz hat, kündigen sie von hinten Freddy Funk an. Da musste ich natürlich ein bisschen reintreten und die Wattzahl nach oben schrauben, was ich ja eigentlich nicht wollte. Aber ich wollte auch keine Bremse sein. Ansonsten verlief alles super beim Radfahren.“ Nach 6:15:21 Stunden beendete sie die zweite Disziplin.
Kein Kater am nächsten Tag
Durch ihre ketogene Ernährung ist die Verpflegung ein Thema. „Ich habe zwischendurch immer mal etwas gegessen, zum Beispiel Feta-Salat. Das hat wunderbar geklappt.“ Markus Killinger aus dem Betreuungsteam hat sie regelmäßig abgepasst und innerhalb der Special-Needs-Zone versorgt. Auf der Laufstrecke musste sich Anna Held anfangs etwas bremsen, fand aber ihren Rhythmus und lief den Marathon in 4:29:02 Stunden ins Ziel. „Es war einfach super“, bilanzierte sie. Nach dem Finish ging es direkt zur Regeneration für den nächsten Tag. „Ich habe geduscht, mich hingelegt und gut geschlafen, auch wenn ich nachts wach geworden bin, weil ich geschwitzt habe.“

Der nächste Tag begann dann ohne den ganz großen Kater nach dem furiosen Auftakt. „Ich habe mich richtig frisch gefühlt und mich darauf gefreut, weiterzumachen.“ Der Kurs ändert sich nach der Challenge Roth ein wenig. Die Schwimmstrecke verläuft durch den kleinen Rothsee. Die Radstrecke führt durch den Landkreis Roth, vom Rothsee über Wallesau Richtung Pleinfeld. Weiter geht es über Kleinweingarten, Walting, Heideck nach Hilpoltstein. Dreimal muss Anna Held diese Runde fahren. Am Ende geht es von Hilpoltstein zurück nach Roth. „Der zweite Tag war etwas windig, aber insgesamt war es top.“ Die 42,195 Laufkilometer erstrecken sich entlang des Kanals, beinhalten eine Rothseerunde und bringen Anna Held nach Stationen in Büchenbach und Pfaffenhofen zurück nach Roth, wo das Ziel auf sie wartet. Noch 48 Mal.
Begleiter willkommen
Anna Held absolviert einen Weltrekordversuch von 50 Langdistanzen in 50 Tagen rund um Roth. Wer ihr Projekt täglich verfolgen möchte, kann das über ihren Livetracker tun. Begleiter, die die 39-Jährige auf einer Langdistanz oder einem Teilabschnitt begleiten möchte, sind willkommen. Da das Projekt keine organisierte Veranstaltung ist, findet keine Anmeldung statt. Die Teilnahme erfolgt freiwillig, eigenverantwortlich und auf eigenes Risiko. Anna Held übernimmt keine Haftung für Schäden, Verletzungen oder sonstige Nachteile jeglicher Art, die im Zusammenhang mit der Teilnahme entstehen können.











