Erst große Sprüche auf Social Media, dann eine krachende Niederlage im Daumenringen: Malachi Cashmore hat sich in Kona mit Patrick Lange angelegt. Jetzt will er obendrein dessen Streckenrekord unterbieten.
Kailua-Kona, Palani Road, drei Tage vor der Ironman-WM. Im Café „Kona Coffee & Tea“ hat ROUVY seine Präsenz aufgeschlagen, und Patrick Lange spricht dort über „Mastering the Big Island“. Wer könnte dazu mehr sagen als der Mann, der die Insel dreimal bezwungen hat (2017, 2018, 2024) und am Samstag zum letzten Mal auf Hawaii an den Start geht?
Im Publikum sitzt der Brite Malachi Cashmore, ebenfalls Triathlonprofi: „Für die Quali bin ich aber noch zu langsam.“ Mit Lange verbindet ihn eine kleine Vorgeschichte. „Ich habe vor ein paar Monaten ein Video gemacht und darin verschiedene Profis geprankt: Kristian Blummenfelt, Gustav Iden, Lucy Charles-Barclay, Patrick war auch dabei“, erzählt er uns. „Im Grunde habe ich sie alle beleidigt, einfach um ein bisschen Spaß zu haben.“ Über Lange sagte er damals sinngemäß: Er sei ja bekannt dafür, in Kona richtig stark zu sein, also schlage er Patrick an jedem Tag, solange es nicht in Kona ist.
Die Pointe schreibt das Leben: „Und jetzt stehe ich hier in Kona, um ihn wirklich zum Thumb War herauszufordern.“ Die Lange-Fans in der ROUVY-Lounge halfen ihrerseits mit Daumendrücken, Lange ging nach wenigen Sekunden als Sieger aus dem Duell hervor. „Natürlich hat er mich geschlagen, weil wir in Kona sind.“ Malachi sieht das sportlich: „Vielleicht brauchen wir ein Rematch, wenn wir nicht auf Big Island sind.“
Vom Thumb War zum Triathlon
Thumb War lässt sich am besten als Daumenringen übersetzen. Zwei Gegner verhaken die Finger ineinander, nur die Daumen stehen frei. Auf „One, two, three, four, I declare a thumb war“ geht es los. Gewonnen hat, wer den Daumen des anderen niederdrückt und dort hält, bis vier gezählt ist. Die Hand darf nicht losgelassen werden, es kämpft ausschließlich der Daumen.
Was nach Pausenhof klingt, hat eine erstaunliche Szene. Seit 2011 gibt es in Großbritannien Weltmeisterschaften im Thumb Wrestling, gekämpft wird in einem handgefertigten Holzring im Best-of-three-Modus. Vorläufer waren die British Championships 2010 in Lowestoft. Paul „Under the Thumb“ Browse holte den Titel viermal in Folge (2016 bis 2019). Wer das Spiel erfunden hat, ist dagegen umstritten, die Ansprüche reichen bis in die 1930er-Jahre zurück. Der „San Francisco Chronicle“ nannte Thumb Wrestling einmal „das Minigolf der Kampfsportarten“. Gegen einen Ironman-Champion mit 2:30er-Marathonbeinen hilft das alles allerdings wenig.
Der Rekord, der jetzt fallen soll
Nach der verlorenen Daumenschlacht hat Cashmore die Messlatte gleich höher gelegt. Er will Langes Streckenrekord knacken. Der steht seit 2024 bei 7:35:53 Stunden. Damals verbesserte Lange die alte Bestmarke von Gustav Iden (7:40:24 aus dem Jahr 2022) um viereinhalb Minuten. Seine Splits: 47:09 Minuten für 3,86 Kilomeetr Schwimmen, 4:06:22 Stunden für 180,2 Kilometer auf dem Rad, 2:37:34 Stunden für den Marathon über 42,195 Kilometer.
Malachis Trick: Er teilt das Rennen auf drei Tage auf. Mittwoch Schwimmen, Donnerstag Rad, Freitag Laufen. Wechselzonen, Mittagshitze und Erschöpfung von der Vordisziplin fallen damit praktisch weg, aber auch die Straßensperrungen des Renntags. Heute ist er die 3,86 Kilometer geschwommen und liegt zwei Minuten hinter Lange. Jetzt kommen 180,2 Kilometer auf dem Queen K (Cashmore: „Die Palani Road wird lebensgefährlich.“) und ein Marathon über den Ali’i Drive und durchs Energy Lab.
Ob die Rechnung aufgeht? Langes Radsplit verlangt einen Schnitt von knapp 44 km/h, sein Marathon einen Kilometerschnitt von etwa 3:44 Minuten. Auch mit zwei Nächten Schlaf dazwischen ist das eine sportliche Ansage. Wir bleiben dran und melden, ob der Daumen am Ende doch noch nach oben zeigt. Die Rekordjagd kannst du auf Instagram verfolgen: @malachi_triathlon. Und wenn du selbst in Kona bist und schnelle Beine hast: Für den Marathon sucht der Brite noch Mitstreiter. Rechne allerdings mit Beleidigungen, wenn du das Tempo nicht halten kannst.