Bei der Siegerehrung des Ironman Hamburg haben Verantwortliche offen über einen gezielten Anschlag auf die Radstrecke gesprochen, der das Rennen für zahlreiche Athletinnen und Athleten vorzeitig beendet hatte.
Unbekannte hatten bei der neunten Auflage des Rennens an diesem Sonntag mutmaßlich Metallsplitter auf der Strecke verstreut, was zu massenhaften Reifenpannen führte und viele Starterinnen und Starter daran hinderte, die zweite Wechselzone zu erreichen (wir waren am Sonntag vor Ort und haben unmittelbar berichtet, später die Erkenntnisse eingeordnet). Die Vorkommnisse ereigneten sich im Ortsteil Kirchwerder im äußersten Südosten Hamburgs. Die Polizei ermittelt.
Ironman-Chef spricht von „Anschlag“
Daniel Gottschall, Regionaldirektor von Ironman für Deutschland und Luxemburg, äußerte sich bei der Siegerehrung betroffen: „Das ist ein Anschlag einer kleinen Gruppe gewesen und hat nichts mit den Menschen zu tun, die uns jedes Jahr hier willkommen heißen.“ Gottschall betonte, dass Ermittlungen im Gange seien und man eng mit der Polizei sowie den Behörden der Stadt Hamburg zusammenarbeite. Den betroffenen Athletinnen und Athleten sicherte er individuelle Unterstützung zu – und in Aussicht, dass sie in diesem Jahr noch einen anderen Ironman bestreiten und finishen könnten.
Klares Statement des englischen Streckensprechers
Auch der englischsprachige Streckensprecher Paul Kaye fand deutliche Worte: „Das Verhalten dieser kleinen Minderheit ist inakzeptabel. Alles, was euch daran hindert, euer Rennen zu beenden, oder was eure Gesundheit und Sicherheit gefährdet, ist für Ironman inakzeptabel. Wir werden dies nicht tolerieren.“ Kaye betonte, dass die Ironman-Führungskräfte aus Tampa (Florida) um den CEO Scott DeRue, die eigens zum Rennen angereist war, bereits während des Wettkampfes gemeinsam mit der Stadt Hamburg und der Polizei an einer Lösung gearbeitet hätten. Die Behörden hätten eine formelle Untersuchung eingeleitet.
Solidarität als Lichtblick
Inmitten der negativen Ereignisse hob auch Hartwig Thöne, der viele Lang- und Kurzdistanzrennen in Deutschland moderiert, die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft hervor: Athletinnen und Athleten teilten Ersatzschläuche und CO₂-Kartuschen, Mechaniker reparierten alte Schläuche, und Hamburgerinnen und Hamburger am Streckenrand improvisierten kleine Reparaturstationen. „Ohana heißt Familie“, fügte der Südafrikaner Kaye in Anlehnung an den hawaiianischen Begriff für eine funktionierende Gemeinschaft hinzu. „Der Zwischenfall gestern hat auch gezeigt, welche Power unsere Community hat. Auch Gottschall würdigte das Engagement vieler Anwohnerinnen und Anwohner in den Vierlanden: „Das ist nicht selbstverständlich und es ist Zeichen dafür, dass Hamburg eine aktive Sportstadt ist.“
Hamburg bleibt im Ironman-Kalender
Trotz des Vorfalls bekräftigten die Verantwortlichen, am Standort Hamburg festzuhalten. „Es wird im kommenden Jahr wieder einen Ironman Hamburg geben“, sagte Hartwig Thöne. „Die Stadt hat uns versprochen, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird und wir in Hamburg an den Start gehen werden.“ Am 6. Juni 2027 steht die zehnte Jubiläumsausgabe des Ironman Hamburg an – auf der Expo auf dem Rathausmarkt und heute früh in der Handelskammer konnte man sich bereits für das Rennen registrieren. Die Online-Anmeldung öffnet bald – ob mit oder ohne fixierte Radstrecke, ist noch offen.