Wie fit müsste der Weihnachtsmann wirklich sein, um in nur 24 Stunden die ganze Welt zu beliefern, und was sagt die Sportwissenschaft dazu? Ein Blick hinter den Mythos zeigt, dass Santa physiologisch näher am Ironman-Profi liegt, als wir je gedacht hätten.
Stell dir vor, der Weihnachtsmann wäre kein Fabelwesen, sondern ein ganz normaler Athlet – sagen wir: ein etwas kräftiger, bärtiger Agegrouper mit auffälligem Rotanteil im Trikot. Er hat genau 24 Stunden Zeit, um die ganze Welt zu beliefern, muss unzählige Male anfahren, abbremsen, Treppen steigen, Geschenke schleppen, durch enge Kamine klettern, wieder hoch, weiter, nächste Stadt. Kein Ultra-Marathon, kein Ironman, kein 24-Stunden-Radrennen, sondern alles zugleich. Im Akkord, bei Kälte, mit Schlafentzug. Die Frage, die man sich als Ausdauersportler eines Tages zwangsläufig stellt: Wie fit müsste dieser Mann sein? Wie hoch müsste seine VO₂max sein, um das zu überstehen – und nicht schon nach drei Zeitzonen an der Plätzchendose zu kollabieren?
Ein Weihnachtsmann als Ausdauersportler
Wenn man Santas Job nüchtern sportphysiologisch betrachtet, landet man erstaunlich schnell in vertrauten Kategorien: Gesamtarbeitszeit, Intensität, Energieumsatz, Pausenmanagement, thermische Belastung. Der Weihnachtsmann arbeitet, realistisch gedacht, nicht mit einem konstanten Tempo wie ein Marathonläufer, sondern in Intervallen. Kurze, intensive Spitzen (raus aus dem Schlitten, Geschenke tragen, rein ins Haus, wieder raus, weiter), gefolgt von kurzen Phasen relativer Entlastung, in denen der Schlitten wieder Fahrt aufnimmt. Schließlich ähnelt das Profil eher einem hochintensiven Intervalltag als einem gleichförmigen Langdistanzrennen.
Setzt man für dieses Gedankenexperiment voraus, dass Santa tatsächlich 24 Stunden durchgehend „im Dienst“ ist, entsteht eine Belastung, die irgendwo zwischen einem extrem langen Arbeitstag eines Paketboten, einem Ultralauf und einer Nachtschicht in der Notaufnahme liegt. Nur eben am Stück, ohne echte Regeneration. „Kann man das mehr oder weniger schaffen?“ Diese Frage stellt sich kaum. Vielmehr steht der Verdacht: „Ohne enorme Grundlagenausdauer und ein starkes Herz-Kreislauf-System geht hier gar nichts.“
Fassen wir Santas Aufgaben grob zusammen, entsteht ein Profil, das ausdauerphysiologisch in etwa so aussieht. Viel niedrig- bis mittelintensive Arbeit (Sitzen im Schlitten, Organisation, Navigation, leichte körperliche Aktivität) kombiniert mit immer wiederkehrenden, kurzen Hochintensitäts-Spitzen, wenn er Geschenke hebt, sich bückt, sprintet, klettert. Genau hier beginnt der Blick auf die VO₂max spannend zu werden.