Was für eine Dramatik beim Grand Final der Kurzdistanz-WM im australischen Wollongong: Cassandre Beaugrand und Beth Potter, die Führenden in der Gesamtwertung, straucheln, Lisa Tertsch nutzt den Moment. Die Deutsche gewinnt das Rennen und sichert sich den WM-Titel.
Sie gewann im Februar das erste Rennen der World Triathlon Championship Series in Abu Dhabi. Und nun siegte Lisa Tertsch auch auf der achten und letzten Station der Kurzdistanz-WM-Serie, dem Grand Final im australischen Wollongong.
Historischer Erfolg: Tertsch ist die erste deutsche Kurzdistanz-Weltmeisterin
Die Krönung folgte auf dem Fuße: Mit dem Triumph im WTCS-Finale sicherte sich Tertsch auf den letzten Metern den Kurzdistanz-Weltmeistertitel – als erste Deutsche überhaupt.
Die gebürtige Offenbacherin bestritt ein fantastisches Rennen auf der olympischen Distanz (1,5 km Schwimmen, 40 km Radfahren, 10 km Laufen) und war von Anfang an in der Spitzengruppe. Nach einem Schwimmen im rauen, unruhigen Pazifik befand sich Tertsch auf dem Rad in der sechsköpfigen Spitzengruppe. Ebenfalls dabei waren Cassandre Beaugrand aus Frankreich und die Britin Beth Potter, die punktgleich Führenden im Gesamtranking der WTCS-Serie.
Cassandre Beaugrand taumelt, Beth Potter fällt zurück
Diese Sechsergruppe ging mit circa einer Minute Vorsprung gemeinsam auf die Laufstrecke. Was dann passierte, hätte dramatischer nicht sein können – und erinnerte ein wenig an die Ereignisse eine Woche zuvor bei der Ironman-WM auf Hawaii, als die beiden Führenden Lucy Charles-Barclay und Taylor Knibb entkräftet ausschieden. Denn in Wollongong schwächelte zunächst Cassandre Beaugrand, die Kurzdistanz-Weltmeisterin und Olympiasiegerin von 2024. Auf der zweiten von sechs Laufrunden fiel die Französin immer weiter zurück und taumelte, kurz danach stieg sie aus dem Rennen aus.
Dann brach auch Beth Potter ein. An der Spitze setzten sich die Italienerin Bianca Seregni und Lisa Tertsch ab, während von hinten noch einmal Leonie Periault heranrauschte, an diesem Tag die beste Läuferin im Feld. Nun wurde es extrem spannend, denn auch die Französin hätte mit einem Sieg noch Weltmeisterin werden können.
Fulminanter Schlussspurt zum WM-Titel
Aber Tertsch ließ sich nicht beirren. Im Gegenteil: Die 26-Jährige zog auf der letzten Runde das Tempo an, hängte Seregni ab und gewann mit einer Gesamtzeit von 1:56:50 Stunden. Die Italienerin wurde Zweite, Emma Lombardi aus Frankreich komplettierte das Podium, Leonie Periault kam als Vierte ins Ziel. Tanja Neubert erreichte die Top Ten, war zweitbeste Deutsche auf Platz neun. Eine enttäuschte Beth Potter landete auf Rang 16.
Ergebnisse des Rennens in Wollongong hier
Damit ging der WM-Titel in der Gesamtwertung der Serie an Lisa Tertsch mit 3886 Punkten. Vizeweltmeisterin wurde Leonie Periault mit 3577 Punkten, vor Beth Potter (3313 Punkte). Titelverteidigerin Cassandre Beaugrand fiel durch ihr Ausscheiden auf den siebten Platz zurück (2925 Punkte). Weitere deutsche Athletinnen im Gesamtranking: Tanja Neubert auf Platz zehn, Nina Eim auf Platz 16 und Annika Koch auf Platz 20.
Nach ihrem Eintrag in die Geschichtsbücher sagte Lisa Tertsch: „Ich kann es gar nicht glauben. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin absolut überwältigt. Ich habe nicht davon geträumt, sondern mich all die Tage nur auf mich konzentriert und darauf, was ich beeinflussen kann. Natürlich wusste ich, was für Konstellationen möglich wären, aber dass sich das Rennen so entwickelt, hätte ich nie erwartet. Ich habe mitbekommen, was um mich herum passiert ist, aber versucht, ruhig zu bleiben und mein eigenes Rennen zu machen. Das war hart.“
WM-Gesamtranking der World Triathlon Championship Series 2025 der Frauen