Jede Trainingseinheit erfüllt einen bestimmten Zweck, der Trainingsplan behält das große Ganze im Blick: die Steigerung deiner Leistungsfähigkeit. Um dieses Gesamtkonzept zu verstehen, lohnt ein genauerer Blick auf die physiologischen Prozesse, die dahinterstecken.
Kennst du das Gefühl, dass dir schon der Blick in den Trainingsplan Schweißperlen auf die Stirn treibt und du eine gewisse Nervosität verspürst? Möglicherweise, weil die Einheit besonders intensiv oder lang wird oder du schlicht aus deiner Komfortzone geholt wirst. Früher oder später stellst du dir vielleicht die Fragen: Warum mache ich das eigentlich und was bringt das? Die Antwort liegt in einem Hauptelement des sportlichen Trainings: der Physiologie.
Was Leistungsphysiologie bedeutet
Leistungsphysiologie beschreibt, wie unser Körper Energie erzeugt – und warum wir unter Belastung genau so viel leisten können, wie wir leisten. Im Zentrum steht die Frage, welche Stoffwechselwege beteiligt sind, wie schnell sie Energie bereitstellen können und wie sich diese Systeme durch Training verändern lassen. Jede Bewegung, von der lockeren Grundlageneinheit bis zum harten Intervall, benötigt ATP (Adenosintriphosphat) – die universelle Energiewährung.
Sportwissenschaftler und Coach Björn Geesmann bringt es folgendermaßen auf den Punkt: „Am Ende geht es um die Leistung, die herauskommt, und um die Frage, welcher Energiestoffwechselwege man sich bedienen kann, um diese Leistung zu bringen.“ Alle Wege, vom alaktaziden über den glykolytischen bis zum aeroben Stoffwechsel, dienen letztlich dazu, ATP zu resynthetisieren.
Wichtig ist: Diese Systeme arbeiten nie isoliert. „Wir sind kein Hybridauto, bei dem man umschalten kann“, sagt Geesmann. „Wir brauchen immer alle Wege gleichzeitig – nur die Anteile verschieben sich.“ Genau hier setzt Training an: Es verändert die Kapazität dieser Systeme, beeinflusst, wie effizient Energie gewonnen wird, und bestimmt damit, wie viel Leistung wir über eine bestimmte Dauer erzeugen können.