Anne Reischmann bloggt:
Off-Season bedeutet Urlaub vom Trainingsalltag

Eins vorweg – obwohl ich sehr gern trainiere, bin ich ein großer Fan der Off-Season und freue mich jedes Jahr darauf. Seitdem ich meine erste Off-Season mit 12 Jahren gemacht habe, nehme ich mir jährlich eine kleine Auszeit vom strukturierten Training und ich glaube fest daran, dass das ein Grund ist, warum ich auch nach 16 Jahren Wettkampfsport immer noch so große Lust auf Training und Wettkämpfe habe. Natürlich möchte ich meinem Körper Ruhe und Zeit zur Erholung geben, aber viel mehr noch merke ich den positiven Effekt einer Pause mental. Täglich zu trainieren, meist nicht nur eine Trainingseinheit, egal ob Wochenende, Ferien oder Feiertage, braucht Disziplin. Sich immer wieder aufs Neue zu motivieren, kostet Kraft. Diese Kraft heißt es während der Off-Season aufzutanken, um wieder richtig Lust auf regelmäßiges Training zu haben und neue Ziele angreifen zu wollen. Versteht mich nicht falsch, ich trainiere zu 95 Prozent einfach sehr gern, aber um diese Einstellung über Jahre zu behalten, sind regelmäßige Pausen meiner Meinung nach wichtig.

Meine Saisonpause orientiert sich am Wettkampfkalender. Je nachdem, wo welche Highlights im Kalender auftauchen, mache ich zwischen August und November eine Pause. Wenn sich die Wettkampfsaison über mehrere Monate erstreckt, wie es beispielsweise mit der 70.3-WM in Taupo der Fall gewesen wäre, dann richte ich auch innerhalb der Wettkampfsaison eine kurze Pause von sieben bis zehn Tagen ein.

- Anzeige -

Joel Scham Die Off-Season nutzt Anne als Urlaub von ihrem Beruf als Profisportlerin.

Alles, außer Triathlon

Ich sehe die Off-Season gewissermaßen als meinen Urlaub vom Beruf an und oft verbringe ich zumindest einen Teil davon im Urlaub mit meinem Freund. Als Profisportlerin orientiert sich mein Leben, aber auch das meines Freundes, am Sport. Es tut deshalb uns und unserer Beziehung gut, gemeinsam freie Zeit zu verbringen, ohne diese an die Öffnungszeiten des Hallenbads oder Ähnliches anzupassen. Natürlich bin ich auch während der Off-Season in Bewegung: Wandern, Beachvolleyball spielen oder neue Sportarten ausprobieren, wie zum Beispiel Surfen letztes Jahr, macht mir sehr viel Spaß. Die Off-Season ist für mich auch eine Phase, in der ich Freundschaften außerhalb des Sports pflege, denn die kommen während der Saison leider oft zu kurz. In diesem ersten Teil der Erholungsphase, die meist knapp zwei Wochen andauert, findet somit kein geregeltes Training statt.  

In der zweiten Phase der Off-Season nimmt mein Alltag wieder etwas Struktur an. Ich beginne mit regelmäßigem Schwimmtraining, da das meine schwächste Disziplin ist und ich nicht gänzlich das Wassergefühl, das ich mir sowieso schon hart erarbeiten muss, verlieren möchte. Außerdem werde ich in diesem Jahr das Krafttraining früh aufnehmen. Laufen und Radfahren gehe ich nach Lust und Laune, noch ohne Vorgaben meines Trainers Reto Brändli. Woche für Woche nehmen diese Vorgaben dann zu, so dass ich nach weiteren drei bis vier Wochen wieder im „Normalbetrieb“ bin.

Joel Scham Nach einer Auszeit vom strukturierten Training sind Körper und Geist wieder frisch.

Besserer Saisonstart dank Saisonpause

Ich mache den Sport erst seit ein paar Jahren und fokussiere mich bislang nur auf Mittel- und Kurzdistanzrennen. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass ich in einigen Jahren, und eventuell auch Langdistanztraining, eine längere Erholungsphase benötige und habe keine Scheu, meinen Trainer dann zu informieren, dass ich doch noch ein paar Tage brauche bevor wir wieder loslegen. Es ist wichtig, optimal erholt und frisch wieder in eine neue Saison zu starten, und ob dies ein paar Tage früher oder später geschieht, macht keinen Unterschied. Ich weiß, dass bei vielen von euch der Urlaub nach Trainingslager und Wettkampfreisen fast aufgebraucht ist und mir ist bewusst, dass nicht jeder in der Off-Season so Urlaub hat wie ich. Aber ich bin mir sicher, dass eine Triathlon-Pause trotz Arbeitsalltag sinnvoll ist, um eurem Körper die Chance zu geben sich zu erholen. Eine Stunde mehr Schlaf pro Nacht, ohne vor der Arbeit Trainingseinheiten einzuschieben, tut gut und ihr könnt so ausgeruhter in eine neue Saison starten.

2020 lief ja nichts wie geplant und auch da hat mir eine zweiwöchige Pause im Mai sehr gutgetan, um einmal die aktuelle Situation zu akzeptieren, zu lernen, damit umzugehen, aber auch, um neue Ziele zu definieren und diese dann mit vollen Energietanks anzugreifen. Jetzt, wo doch ein paar Rennen stattfinden, bin ich extrem froh, diesen Schritt gemacht zu haben, denn ich fühle mich noch frisch und motiviert, ein paar Wochen konzentriert weiter zu trainieren. Meine Saisonpause muss somit noch etwas auf mich warten. Aber etwas Vorfreude ist schon da …

Am 16. September erscheint die triathlon 184. Darin lest ihr, wie ihr eure Saisonpause gestalten und gut erholt wieder ins Training einsteigen solltet.

Erhalte Updates direkt auf dieses Gerät – abonniere jetzt.

Das könnte dir auch gefallen

Hier kannst du diesen Beitrag kommentieren

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.