Montag, 5. Dezember 2022
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EquipmentTacx „Neo Bike Plus“ im ersten Test

Tacx „Neo Bike Plus“ im ersten Test

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AD: Tommy Short, Producer: Kyle

Man muss schon zweimal hinschauen beziehungsweise drum herumlaufen, um Änderungen zu erkennen. Auf den ersten flüchtigen Blick nämlich sieht das Tacx „Neo Bike Plus“ aus wie sein Vorgänger. Die gleichen auffälligen Ventilatoren am Lenker wie das „Neo Bike Smart“, die gleiche Schwungscheibe, der gleiche Lenker. Die Weiterentwicklung aber liegt in Details. Und da hat der Hersteller darauf geachtet, das Fahrgefühl auf eine andere Stufe zu heben. Wir durften das Indoor Bike, das am 16. November vorgestellt wurde, schon vor der Markteinführung testen.

Viele Spezifikationen des Vorgängers übernommen

Die bloßen Daten lesen sich exakt wie beim Vorgänger. 2.200 Watt Widerstand – mehr als ausreichend. Eine Genauigkeit im Bereich von einem Prozent – besser geht es kaum. Maximale Steigung von 25 Prozent – fordert auch die stärkste Bergziege heraus. Variables Schwungscheibengewicht – bewährtes System aus dem Neo Bike Smart und dem Smarttrainer „Neo 2T“. Fahrt ohne externe Stromquelle möglich – ein System, das unabhängiger als andere ist. Straßenbelagssimulation „Roadfeel“ – nettes Gimmick. Bergabfahrtssimulation – Pluspunkt beim virtuellen Kräftemessen. Automatische Kalibrierung – schont Zeit und mitunter Nerven. Integriertes Display – praktisch, um relevante Daten im Blick zu behalten. Pedaltrittanalyse – willkommen in der Welt der umfangreichen Datenauswertung. Integrierte Ventilatoren – sorgen für einen kühlen Kopf beim Work-out. Die Konnektivität ist ebenfalls ausreichend. Das Bike hat sich in unserem Test rasend schnell mit der Trainingsplattform Zwift verbunden. Alternativ steht die eigene „Tacx Training App“ oder weitere Drittanbietersoftware zur Verfügung. Tacx integriert Bluetooth- und ANT+-Konnektivität, verzichtet aber auch beim Neo Bike Plus auf WiFi, was in unserem Test allerdings nicht negativ ins Gewicht fiel.

Verbesserungen in Details

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So weit, so bekannt. Wo also liegen die Unterschiede zum Neo Bike Smart? Und wie gut ist das Fahrgefühl durch die Änderungen? Um eines vorwegzunehmen: Wer bereits ein Neo Bike Smart zu seinem Trainingsequipment zählt, muss nicht unbedingt umsteigen, zumal der Mehrpreis des Neo Bike Plus nicht unerheblich ist. Dort stehen 2.599 Euro für das Vorgängermodell und 3.999,99 Euro UVP für das Upgrade in der Liste. Wer sich allerdings mit dem Gedanken beschäftigt, seine Indooreinheiten zukünftig auf einem Smartbike statt auf seinem in einen Smarttrainer eingespannten Rad zu absolvieren, für den lohnt sich ein Blick auf das neue Smart Bike Plus durchaus.

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Bekanntes Outfit: Das “Neo Bike Plus” sieht seinem Vorgänger zum Verwechseln ähnlich, kommt aber mit detaillierten Änderungen.

Denn neben den bereits aufgeführten beeindruckenden und auch vollkommen ausreichenden Spezifikationen bietet das Neo Bike Plus Verbesserungen in Details. Statt zweier USB-A-Anschlüsse mit jeweils 2,5 W liefert einer nun 12,5 W zum Laden eines Devices. Das aber nur am Rande. Wichtiger für das individuelle Fahrgefühl: Die drei vom Neo Bike Smart bekannten Kurbellängen wurden durch zwei Optionen ergänzt. Dadurch sind fünf Kurbellängen durch unterschiedliche Gewindeanordnungen an der Kurbel wählbar: Neben 170, 172,5 und 175 Millimeter gesellen sich beim Neo Bike Plus 165 und 167,5 Millimeter, was vor allem kleineren Sportlern zugutekommen dürfte. Unsere Tester sind derweil eine Kurbellänge von 172,5 Millimetern gefahren.

Programmierbare Schaltgriffe

Eine weitere Verbesserung: Die Schaltgriffe sind beim neuen Neo Bike auf unterschiedliche Systeme programmierbar. Zur Auswahl stehen die Schaltlogiken von Shimano, SRAM oder Campagnolo. Die individuelle Einstellbarkeit des Bikes setzt sich auch bei der Sitzposition fort. Die Schnellverschlüsse an Cockpit und Sattel sorgen dafür, dass im Handumdrehen die Position des eigenen Outdoor-Renners aus dem Bikefitting auf das Indoor-Rad transferiert werden kann. Ein Gliedermaßstab ist hilfreich, um die genauen Abmessungen zu ermitteln und zu übertragen. Vorteil dieses Systems an einem smarten Indoorbike: In einem Haushalt mit mehreren Personen können alle unkompliziert und schnell das Rad auf ihre Bedürfnisse einstellen, ohne die Outdoormaschine umständlich zu montieren und möglicherweise sogar verstellen zu lassen.

Überzeugendes Fahrgefühl

Wie aber fährt sich das Neo Bike Plus? Von der ersten Kurbelumdrehung an gehen die Mundwinkel nach oben – bis zum ersten knackigen Intervall. Das liegt aber lediglich an der Anstrengung. Am liebsten würde man weiterlächeln, so sanft und genau steuert das Bike die Widerstände an. Schließt man die Augen, entführt das runde und gleichmäßige Tretgefühl beinahe komplett an den Deich oder in die Alpen – je nachdem, wo man sich für gewöhnlich an der frischen Luft bewegt. Die Schalthebel liegen wunderbar an den Fingern an und lassen sich leicht bedienen. Die Schaltvorgänge laufen angenehm weich und verzögerungsfrei. Das Schaltgefühl ist so überzeugend, dass man sich wünscht, auch im ERG-Modus würden Schaltvorgänge Sinn ergeben. So bleibt einem nichts anderes übrig, als öfter mal auf freie Fahrt zu gehen oder an einem Rennen teilzunehmen. Das ist fahrdynamisch insofern kein Problem, da das insgesamt sehr leise Bike mit einem Eigengewicht von 50 Kilogramm absolut stabil steht und auch fordernde Antritte wegsteckt.

Wenig Bewegungsspielraum

Im gleichen Atemzug lässt sich aber auch feststellen, dass das Neo Bike Plus einige Elemente des Vorgängers übernommen hat, die weniger zu den Stärken zählen, teilweise aber im Segment der Smart Bikes Standard sind. So bietet das Indoorrad kaum Flexibilität. Ist die Steifigkeit im Tretlager angenehm und vermittelt ein direktes sicheres Gefühl beim Antritt, wünscht man sich allerdings, wenn es aus dem Sattel geht, eine gewisse Seitneigung, um den Wiegetritt realistischer zu erfahren. Die Vor- und Zurückbewegung fehlt ebenfalls. In dieser Hinsicht bietet der Smarttrainer „Neo 2T“ eine bessere Option, da er mit den optionalen Motion Plates diese Bewegung simulieren kann. Die eingebauten Ventilatoren sind zwar praktisch, könnten aber ein wenig mehr Puste vertragen, vor allem, wenn es in den Intervallen in die Vollen geht. Der starre Lenker ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, für Indoorbikes allerdings (noch) normal. Auf eine Lenk- und Steigungssimulation, die andere Hersteller auf dem Markt anbieten, verzichtet Tacx ebenfalls. Und damit auf einen weiteren Spaßfaktor für den einen oder anderen Sportler.

LED-Lichter visualisieren die Leistung

Hinzu gesellt sich der Style-Faktor: Für die einen mag das Bike wuchtig wirken. Tacx hat dem Gerät aber Details verpasst, die die Aufmerksam auf sich lenken. Das Schwungrad wird abhängig von der Leistung in unterschiedlichen Farben illuminiert. Es ist bekannt, dass Lichtstimmung Emotionen, Regeneration sowie die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit beeinflussen kann. Manche mögen das integrierte Lichtspiel dennoch für eine Spielerei halten. Für andere kann es aber das entscheidende Quäntchen Motivation darstellen, das EB-Intervall zu Ende zu fahren. 

Wer ein paar kleine Abstriche machen kann, ein performantes Trainingsgerät für seine Indoorsessions sucht, den nötigen Platz für ein festes System freiräumen und 3.999,99 Euro investieren kann, der erhält mit dem Neo Bike Plus einen verlässlichen Trainingspartner, der viel Spaß bereitet.

Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.
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