Heute Abend beginnt für Benedikt Held sein Spendenprojekt „Bavaria Man“. In der unmittelbaren Vorbereitung hat sich der 23-Jährige noch das nötige Selbstvertrauen in Form einer Marathon-Bestzeit geholt. An die Startlinie der 42,195 Kilometer ging es 420 Kilometer mit dem Rad.
Der eigentliche Plan war simpel: ein langer Trainingsblock für den Bavaria Man. Ein paar Stunden im Sattel, den Körper an hohe Belastungen gewöhnen, die Ernährungsstrategie testen und anschließend den Wien-Marathon locker als Trainingslauf mitnehmen. Doch am Ende wurde aus diesem Wochenende deutlich mehr: 420 Kilometer auf dem Rennrad und eine neue Marathon-Bestzeit.
420 Kilometer Anreise statt Autofahrt
Wer zu einem Marathon fährt, steigt normalerweise ins Auto oder in den Zug. Für mich sah die Vorbereitung auf den Wien-Marathon 2026 allerdings etwas anders aus. Schließlich dient aktuell nahezu jede Trainingseinheit der Vorbereitung auf den Bavaria Man, meinem Ultratriathlon durch ganz Bayern zugunsten von Sternstunden. Mein Ziel: Aufmerksamkeit und Spenden für Kinder in Not sammeln.
Da beim Bavaria Man nach 3,8 Kilometern Schwimmen mehr als 300 Kilometer Radfahren und anschließend noch ein Marathon auf mich warten, müssen solche Belastungen trainiert werden. Also entschied ich mich gegen die klassische Anreise und stattdessen für zwei lange Tage auf dem Rennrad.
Am Donnerstag ging es zunächst nach der Arbeit rund 120 Kilometer Richtung Wien. Einen Tag später folgten weitere 300 Kilometer im Sattel, ehe ich am Freitagabend schließlich die österreichische Hauptstadt erreichte.
Training für den Kopf und für den Magen
Die langen Einheiten erfüllen gleich mehrere Zwecke. Natürlich geht es um die reine Ausdauerleistung, doch mindestens genauso wichtig sind Ernährung und mentale Belastbarkeit.
Während der Radstrecke des Bavaria Mans plane ich, knapp 100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde aufzunehmen, hauptsächlich in flüssiger Form. Hochgerechnet bedeutet das weit mehr als ein Kilogramm Zucker an einem einzigen Tag. Das muss man testen. Nicht nur die Beine, sondern vor allem auch, ob der Körper solche Mengen überhaupt verträgt.
Auch die spätere Ernährungsstrategie für den Marathon wurde simuliert. Während auf dem Rad hauptsächlich Kohlenhydratpulver zum Einsatz kommt, sollen beim Laufen vorwiegend Gels genutzt werden. Doch neben der körperlichen Belastung spielt vor allem der Kopf eine entscheidende Rolle. Besonders auf den letzten Kilometern der langen Radausfahrt wurde es zäh.
PS: Ich werde zur Zeit öfter gefragt, was ich denn nach dem BavariaMan im Ziel essen werde. Eins kann ich verraten: auf keinen Fall etwas Süßes. Wahrscheinlich eher Pizza oder eine Currywurst.
Vom Trainingsrun zur Sub-3-Zeit
Der Marathon selbst war ursprünglich alles andere als ein Wettkampf. Gemeinsam mit Freunden hatte ich mich bereits im vergangenen Jahr nach dem Berlin-Marathon spontan für Wien angemeldet. Damals allerdings noch ohne zu wissen, dass der Termin mitten in die heiße Vorbereitungsphase für den Bavaria Man fallen würde.
Meine Vorstellung war deshalb eindeutig: lockerer Trainingslauf, kein Rennen, kein Druck: „Wir warten nicht aufeinander und treffen uns einfach später im Ziel zum Essen“, lautete der Plan. Nach der 420 Kilometer langen Anreise schien das auch mehr als vernünftig.
Doch schon während des Rennens entwickelte sich der Tag anders als erwartet. Zwar merkte ich die Vorbelastung muskulär durchaus, insgesamt fühlte sich mein Körper allerdings überraschend stabil an. Also wurde aus dem lockeren Dauerlauf Schritt für Schritt doch ein ambitionierter Marathon. Dieses Mal hatte ich keine Pacing-Strategie, wollte stattdessen einfach loslaufen und schauen, wie lange ich das Tempo halten kann. Bei Kilometer 25 schrie meine Freundin noch, dass ich auf Kurs für eine Sub-3-Zeit sei.
Mit Sonnenschein und perfekten Bedingungen lief ich schließlich nach 2:57 Stunden ins Ziel des Wien-Marathons, meine persönliche Bestzeit. Damit belegte ich Platz 299 von rund 3.000 Startern und gehörte zu den besten drei Prozent des Feldes. Irgendwann habe ich einfach gemerkt, dass noch etwas geht. Dann wollte ich schauen, wie lange ich das Tempo halten kann.
Improvisierter Support an der Strecke
Weniger entspannt verlief der Tag dagegen für meine Freunde an der Strecke. Die hatten ihren Support ursprünglich auf einen gemütlichen Trainingslauf ausgelegt und mussten ihre Planung zwischen den einzelnen Streckenpunkten plötzlich deutlich beschleunigen.
Meine Freundin Serafina Heerling, die auch das Projekt Bavaria Man organisatorisch begleitet, fasst es ganz treffend zusammen: „Ich habe am Anfang sowieso nicht geglaubt, dass er nur einen Trainingsrun macht. Ich kenne ja Bene. Der kann nicht an die Startlinie gehen und dann einfach locker losjoggen.“
Kleines Highlight nach dem Ziel: Auch Jan und Matti von der StewCrew waren in Wien. Mit beiden habe ich dann kurzerhand noch fix ein Reel gemacht für Insta: „Gas geben beim Spenden.“
Wichtiger Baustein Richtung Bavaria Man
Auch wenn die Marathon-Bestzeit am Ende für Aufmerksamkeit sorgte, stand das Ergebnis eigentlich nicht im Mittelpunkt. Viel wichtiger war für mich die Erkenntnis, dass die Belastungsverträglichkeit in der aktuellen Vorbereitung funktioniert, körperlich wie mental.
An alle Interessierten: Die ganze Strecke sowie die Möglichkeit, den BavariaMan live zu tracken, gibt es jetzt auf bavaria-man.de.