Benedikt Held plant mit dem Projekt „BavariaMan“ eine außergewöhnliche Herausforderung aus Schwimmen, 360 Kilometern Radfahren und einem Marathon bis nach Füssen. Auf tri-mag.de berichtet der 23-Jährige regelmäßig über Vorbereitung, Planung und Training.
Schwimmen, Radfahren, Laufen – so sieht ein Triathlon von außen aus. Beim BavariaMan kommt für mich längst eine vierte Disziplin dazu: Organisation. Bevor ich überhaupt an der Startlinie stehe, geht es um Streckenplanung, Genehmigungen, Begleitfahrzeuge, Drehgenehmigungen und unzählige Absprachen mit Städten, Ämtern, Schwimmbädern, Wasserwerken und weiteren Stellen. Manchmal fühlt sich genau das fast genauso fordernd an wie der sportliche Teil.
Freiwasserschwimmen? Erst mal einen See finden
Eine der ersten großen Fragen war: Wo kann ich überhaupt schwimmen? Ursprünglich war ein See in Oberfranken geplant. Auf dem Papier klang das gut, in der Realität wurde daraus schnell ein kleines Verwaltungsabenteuer. Zunächst ging es um einen Angelverein, dessen Zustimmung nötig gewesen wäre. Nur: Kontaktdaten gab es keine. Über Wochen wurden Zuständigkeiten geprüft, Unterlagen gesucht und alte Akten gewälzt. Irgendwann stellte sich heraus: Diesen Verein gibt es offenbar gar nicht mehr.
Damit war das Thema aber nicht erledigt. Als Nächstes kamen Blaualgen ins Spiel – ein Punkt, der für ein Freiwasserschwimmen natürlich entscheidend ist. Am Ende wurde klar: So einfach ist es nicht. Die Auswahl an geeigneten Seen ist deutlich kleiner, als man denkt. Also mussten wir das Freiwasserschwimmen streichen.
Mit dem Schwimmbad Coburg haben wir schließlich eine richtig gute Alternative gefunden. Auch dort war es nicht mit einem kurzen Anruf getan. Für den BavariaMan muss eine komplette Bahn gesperrt werden, zusätzlich braucht es eine Drehgenehmigung für Foto und Video. Dass beides möglich wird, ist alles andere als selbstverständlich. Ohne Menschen, die so ein Projekt verstehen und unterstützen wollen, würde vieles nicht funktionieren.
Zielbereich mit Planänderung in letzter Minute
Genauso viel Kulanz wurde uns in Füssen entgegengebracht. Ursprünglich war der Marktplatz als Zielbereich geplant. Dann kam kurzfristig die Nachricht, dass dort Bauarbeiten früher starten als erwartet. Also mussten wir umplanen – und das in einer Phase, in der man eigentlich hofft, dass langsam alles final steht. Zum Glück ist das Festspielhaus Füssen eingesprungen. Es bietet uns nicht nur einen Platz für den Zieleinlauf, sondern hat uns damit auch in letzter Minute eine richtig starke Ausweichoption ermöglicht.
Das ist umso wichtiger, weil wir als Projekt kein ganz einfacher Partner sind. Bei einem normalen Event gibt es klare Start- und Zielzeiten. Beim BavariaMan ist das anders. Ich kann vorher nicht exakt sagen, wann ich in Füssen ankomme. Wind, Wetter, Verkehr, Tagesform, Ernährung, kleinere Probleme unterwegs können den Zeitplan verschieben. Man plant also einen Zieleinlauf, ohne die Zielzeit wirklich genau zu kennen. Auch das gehört zur Wahrheit hinter so einem Projekt.
Ohne Begleitfahrzeuge geht es nicht
Ein weiterer wichtiger Punkt waren die Begleitfahrzeuge. Kurzfristig ist BMW eingesprungen und stellt uns zwei Fahrzeuge zur Verfügung. Das nimmt enorm viel Druck aus der Organisation. Natürlich hätten wir irgendwie auch mit privaten Autos arbeiten können. Aber gerade auf der Radstrecke sind die Begleitfahrzeuge mehr als Transportmittel für Material und Verpflegung. Sie sind ein Sicherheitsfaktor.
Vor allem nachts wird Sichtbarkeit entscheidend. Nach Gesprächen mit Athleten aus dem Ultracycling ist klar: Es braucht eine Kombination aus Begleitfahrzeug hinter mir, Bremslicht am Rad und starkem Licht nach vorne. Wer viele Stunden auf dem Triathlonrad unterwegs ist, teilweise im Dunkeln und auf Landstraßen, muss solche Dinge von Beginn an mitdenken.
Die Strecke: 15 Versionen bis zur finalen Route
Der größte organisatorische Dauerbrenner war die Strecke. Auf dem Papier klingt die Aufgabe simpel: einmal quer durch Bayern, möglichst direkt, möglichst sicher, mit möglichst wenigen Höhenmetern. In der Praxis ist das die berühmte Eier legende Wollmilchsau.
Die Radstrecke liegt mittlerweile bei rund 400 Kilometern. Knapp 2.000 Höhenmeter sind auf diese Distanz nicht extrem viel, aber jeder unnötige Anstieg kostet Kraft – vor allem, wenn danach noch ein Marathon wartet. Gleichzeitig darf die Route keine riesigen Umwege nehmen. Viele Radwege sind mit dem Triathlonrad bei höherem Tempo problematisch: schlechter Belag, enge Kurven, Poller, unübersichtliche Kreuzungen. Große, stark befahrene Straßen sind aber natürlich auch keine Lösung. Dazu kommt das Timing. Ich möchte nicht zur Rushhour durch größere Städte fahren. Die Strecke muss also nicht nur geografisch, sondern auch zeitlich funktionieren.
Am Ende lagen ungefähr 15 verschiedene Varianten auf dem Tisch, bis die finale Route stand. Vieles wurde digital geplant, unter anderem auf Strava. Aber irgendwann reicht der Blick auf die Karte nicht mehr. Man muss raus, Orte anschauen, Zufahrten prüfen, Gespräche führen. Auf dem Bildschirm sieht vieles einfacher aus, als es später draußen wirklich ist.
Das Team hinter dem Projekt
Am Tag selbst bin ich derjenige, der schwimmt, Rad fährt und läuft. Aber möglich wird der BavariaMan nur durch ein Team. Es braucht Menschen, die Autos fahren, Abläufe koordinieren, Probleme lösen und in Füssen den Zielbereich aufbauen. Es braucht ein Medienteam, weil wir die Geschichte dokumentieren und sichtbar machen wollen. Und es braucht sportlichen Support: für Wechselzonen, Verpflegung, Wetter, Wind und all die kleinen Entscheidungen, die unterwegs nicht nebenbei passieren dürfen.
Beim Marathon werden mich außerdem zwei Freunde mit dem Rad begleiten. Gerade auf den letzten Kilometern kann das mental extrem viel ausmachen. Was man leicht vergisst: Auch für das Team ist der BavariaMan ein Kraftakt. Viele reisen schon am Vortag von Niederbayern nach Oberfranken, begleiten das Projekt durch die Nacht und müssen am Ende in Füssen untergebracht werden. Einige nehmen sich extra zwei bis drei Tage Urlaub. Anders wäre es gar nicht möglich.
Je näher der BavariaMan rückt, desto klarer wird mir: Die sportliche Herausforderung ist nur ein Teil des Ganzen. Natürlich denke ich viel über Training, Ernährung, Material und Renneinteilung nach. Aber mindestens genauso viel Zeit fließt in E-Mails, Telefonate, Genehmigungen, Routenanpassungen und Plan B – manchmal auch Plan C.