Hellriegel, Zäck, Leder - und der legendäre Crawl

Der 18. Oktober 1997 geht als historischer Tag in die Geschichte des Triathlons in Deutschland ein: Als erster Deutscher gewinnt Thomas Hellriegel den Ironman Hawaii - vor Jürgen Zäck und Lothar Leder.

Von > | 22. September 2018 | Aus: SZENE

Ironman Hawaii 1997: Thomas Hellriegel vor Jürgen Zäck

Ironman Hawaii 1997: Thomas Hellriegel vor Jürgen Zäck

Foto >Thomas Frey

Die 21. Auflage des Ironman Hawaii wird zum lange erhofften Triathlonfest der Deutschen: Nach den knappen Niederlage in den beiden Jahren zuvor gegen Mark Allen und Luc van Lierde holt Thomas Hellriegel als erster Deutscher den Sieg auf dem Alii Drive in Kailua-Kona. Mit seinem Parforceritt unter brutalsten Bedingungen erwirbt sich Hellriegel endgültig den Spitznamen "Hell on Wheels" – seine Radzeit von 4:47:57 Stunden wird nur von Jürgen Zäck unterboten. Auch Ken Glah kann auf dem Rad das Tempo des deutschen Duos einigermaßen mitgehen, die gesamte Weltklasse-Konkurrenz pedaliert ansonsten zehn Minuten langsamer durch die Lava. 

Leder läuft schnellsten Marathon

Im Marathon werden die Bedingungen nicht besser: Die Sonne brennt aus dem wolkenlosen Himmel auf Alii Drive, Queen Kaahumanu Highway und die Straße zum Natural Energy Lab. Auch hier ist Hellriegel mit seinen 2:51:56 Stunden einer der schnellsten, seine Marathonzeit wird nur vom erst am Ende strauchelnden Lothar Leder (2:49:15 Stunden) unterboten. Nach einem der härtesten Rennen der Geschichte des Ironman ist Thomas Hellriegel der Erste, der nach den 226 Kilometern auf die Zielgerade einbiegt. Seine Siegerzeit von 8:33:01 Stunden spricht Bände über die Strapazen, die hinter ihm liegen. 

Fünf Deutsche in den Top 10

Dennoch bleiben Hellriegel komfortable sechs Minuten Zeit zum Feiern des ersten deutschen Siegs in Kailua-Kona. Zweiter wird Jürgen Zäck, der sich im deutschen Battle gegen Lothar Leder durchsetzt. Mit Holger Lorenz und Alexander Taubert auf den Plätzen 8 und 9 kommt am Ende die Hälfte der Top Ten aus Deutschland.

Ironman Triathlon World Championships 1996 | Männer

Platz

Name

Land

Gesamt

3,86 km Swim

180,2 km Bike

42,2 km Run

1

Thomas Hellriegel

GER

8:33:01

0:53:08

4:47:57

2:51:56

2

Jürgen Zäck

GER

8:39:18

0:52:12

4:45:33

3:01:33

3

Lothar Leder

GER

8:40:30

0:52:22

4:58:53

2:49:15

4

Peter Reid

CAN

8:43:16

0:52:24

4:56:32

2:54:20

5

Christian Bustos

CHI

8:44:02

0:53:17

4:55:43

2:55:02

6

Cameron Widoff

USA

8:44:18

0:52:25

4:56:21

2:55:32

7

Ken Glah

USA

8:45:37

0:52:10

4:49:00

3:04:27

8

Holger Lorenz

GER

8:45:55

0:52:19

4:59:31

2:54:05

9

Alexander Taubert

GER

8:47:49

0:53:10

5:03:07

2:51:32

10

Frank Heldoorn

NED

8:49:44

0:52:29

4:59:22

2:57:53

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Auch die Frauen schreiben Triathlongeschichte

Bei den Frauen sieht man die Extrembedingungen nicht nur an der Siegerzeit: Die Kanadierin Heather Fuhr läuft im Marathon eine Viertelstunde schneller als alle anderen und siegt in 9:31:43 Stunden mit zehn Minuten Vorsprung vor ihrer Landsfrau Lori Bowden und Fernanda Keller aus Brasilien. Dramatisch wird es im Kampf um Platz 4 zwischen der neuen Schwimmrekordhalterin Wendy Ingraham (49:51 Minuten) und Sian Welch. Beide brechen auf der Ziellinie auf dem Alii Drive zusammen und krabbeln die letzten Meter bis zum Ziel um die Wette – "The Crawl" geht als historischer Moment in die Ironman-Geschichte ein. Bis heute heißt es in den Ironman-Wettkampfbestimmungen: "Die Laufstrecke muss laufend, gehend oder kriechend bewältigt werden."

Im Video: "The Crawl"