Ironman 70.3 Les Sables d’Olonne: Nicolas Mann entscheidet Ironwar für sich, Johannes Vogel holt WM-Slot

In einem spannenden Rennen mit vielen Wendungen und hohem Tempo setzt sich am Ende Nicolas Mann durch und sichert sich seinen zweiten Sieg bei der Ironman Pro Series. Fünf Deutsche landen in den Top Ten.

IRONMAN

Der frühe Vogel fängt den Wurm. Nicht nur, dass das Rennen aufgrund der vorgezogenen französischen Parlamentswahlen um einen Tag nach vorn gezogen wurde, auch die Startzeit von 7:00 Uhr ist für ein Ironman-70.3-Rennen sehr früh. Der Startschuss für die Männer erfolgte nahezu zum vollen Glockenschlag, keine vier Minuten später wurden die Frauen auf die Strecke gelassen. Bei knapp 15 Grad Celsius und einem bedeckten Himmel startete das Punkt-zu-Punkt-Schwimmen auf einem Strandabschnitt. Danach brachte der Kurs die Athleten ein kleines Stück raus, ehe ein 180-Grad-Turn in den Vendée-Globe-Kanal führte und in einer langen Geraden zum Ausstieg endete. Der Ausstieg erfolgte auf einem Yacht-Ponton, der läuferisch bezwungen werden musste, ehe die Athleten die Wechselbeutel erreichten. Die lange Wechselzone war nach einem weiteren Lauf bis zu den Radständern bewältigt.

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Nicholas Quenet vor deutschem Duo

Schnellster Athlet über die 1,9 Kilometer im Wasser war der Südafrikaner Nicholas Quenet. Der von der Kurzdistanz stammende 27-Jährige legte eine hohe Zugfrequenz an den Tag und pflügte durch den Vendée-Globe-Kanal. Im Schlepptau hingen die beiden Deutschen Johannes Vogel und Rico Bogen. Nicholas Quenet, der seit dem vergangenen Jahr Profi auf der Mittel- und Langdistanz unterwegs ist und 2023 zwei Podiumsplätze feiern konnte (Zweiter beim Ironman 70.3 Irland und Dritter beim Ironman 70.3 Mossel Bay), stieg nach schnellen 20:02 Minuten als Erster aus dem Wasser, sollte im weiteren Rennverlauf jedoch keine Rolle mehr spielen. Vogel und Bogen folgten acht und neun Sekunden dahinter. Auf Platz 16 mit 16 Sekunden Rückstand lag Paul Schuster. Nicolas Mann, Sieger der ersten Ironman-Pro-Series-Mitteldistanz in Europa (auf Mallorca), folgte 28 Sekunden nach dem Führenden auf Platz elf.

Keulen mit schnellem Wechsel an die Spitze

Youri Keulen, Überraschungssieger des Singapur-T100-Rennens, legte in 2:48 Minuten den schnellsten Wechsel aufs Rad hin. Auf Platz drei hinter Nicholas Quenet und Johannes Vogel nahm der Niederländer den 90 Kilometer langen Radkurs in Angriff. Rico Bogen folgte auf Rang vier. Innerhalb der ersten 20 Kilometer rückte das Feld eng zusammen, sodass die Spitzengruppe letztlich aus zwölf Athleten bestand. Viele Überholvorgänge und enge Kurven sorgten für ein hektisches Radfahren, das wenig Rhythmus hatte. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich vier deutsche Athleten in der Spitzengruppe: Bogen, Vogel, Mann und Nick Emde. Ebenso der Schweizer Andrea Salvisberg, der nach einer langen Leidensgeschichte und Trainingspause wieder zurück ist.

Die vielen Überholvorgänge und wechselnden Spitzenpositionen verkleinerten die Spitze stetig. Zur Halbzeit des Radkurses schrumpfte die Führungsgruppe auf acht Athleten, die im Verlaufe des Rennens jedoch zusammenblieb. Hinter der Führungsgruppe waren es Cameron Wurf und Rasmus Svenningsson, die stetig Druck machten, um den Abstand zu verringern. Dem ehemaligen Ironman-70.3-Weltmeister Gustav Iden gelang es, innerhalb der Gruppe zu bleiben. Auf den letzten Kilometern kam ein wenig Regen auf, der die Straßen nass und rutschig machte. Die Bedingungen wurden Nathan Guerbeur zum Verhängnis. Der Franzose hielt sich bis kurz vor dem zweiten Wechsel in der Führungsgruppe und gab mitunter das Tempo an der Spitze vor, in einem Kreisverkehr rutschte er jedoch weg und stürzte.

Bogen vor Keulen vom Rad

Sieben Athleten erreichten innerhalb von 15 Sekunden die zweite Wechselzone. Der amtierende Ironman-70.3-Weltmeister Rico Bogen hängte sein Rad als Erster an die Ständer. Dicht gefolgt von Youri Keulen, der mit dem Rennen in Les Sables d’Olonne seine letzte Chance auf einen Ironman-70.3-Qualifikationslot nutzen wollte. Bogen, Mann, Salvisberg und Emde waren die ersten vier Athleten auf der Laufstrecke. Mit Johannes Vogel auf Position sieben folgte der vierte Deutsche 34 Sekunden nach Bogen, nur zwei Sekunden hinter Keulen, der dieses Mal länger in der zweiten Wechselzone brauchte als in T1. Die Lücke nach hinten zu den weiteren Verfolgern betrug gut eineinhalb Minuten.

Rico Bogen knüpfte dort an, wo er bei seinem letzten Rennen aufgehört hatte: Mit ordentlich Tempo auf der Zwei-Runden-Laufstrecke auf der Strandpromenade, entlang der Mole, um einen Leuchtturm und einen Strandabschnitt von gut 200 Metern, blieb der Leipziger an der Spitze. Nicolas Mann lag weiterhin auf Platz zwei, gefolgt vom zweimaligen Olympiateilnehmer Andrea Salvisberg. Der ehemalige Kurzdistanzler Johannes Vogel, der sich in seiner ersten Saison auf der Mitteldistanz befindet, lief auf den ersten drei Kilometern das schnellste Tempo und konnte sich bis auf den vierten Platz vorarbeiten. Bei nachlassendem Regen überholte Vogel nach knapp vier Laufkilometern den Schweizer, ehe Youri Keulen kurz vor der Sieben-Kilometer-Marke wieder auf Vogel aufschließen konnte. Nicolas Mann schien zur Streckenhälfte eine ähnlich starke Laufform zu haben wie vor fünf Wochen auf Mallorca. Er schloss die Lücke zu Bogen.

Deutscher Ironwar

Zwischen Nicolas Mann und Rico Bogen entwickelte sich eine Art „deutscher Ironwar“. Schulter an Schulter und immer wieder mit kleinen Temposteigerungen, wie sie schon beim Lauf der San Francisco T100 zu sehen waren, ging es auf die zweite Laufrunde. Nach einer weiteren Verschärfung der Geschwindigkeit konnte sich Mann schließlich entscheidend absetzen und Bogen distanzieren. Und Mann kam gar nicht auf die Idee, noch einmal Tempo aus seinem Lauf zu nehmen. Der Vorsprung wuchs kontinuierlich. Knapp fünf Kilometer vor dem Ziel lag er 21 Sekunden vor Bogen. Youri Keulen lief zu diesem Zeitpunkt auf Platz drei, gefolgt vom Franzosen Clement Mignon und Johannes Vogel. Alle drei Athleten kämpften zu diesem Zeitpunkt noch um die letzten drei Qualifikationsplätze für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Taupõ (Neuseeland) im Dezember.

Bereits auf den letzten Metern jubelte Nicolas Mann, da ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen war. Er gewann in 3:39:48 Stunden. Dahinter entwickelte sich ein spannender Kampf um die letzten beiden Podiumsplätze. Rico Bogen, der ohne große Ambitionen in das Rennen gegangen war und als amtierender Ironman-70.3-Weltmeister seinen Startplatz für die Weltmeisterschaft nur mit einem Finish validieren musste, schwanden die Kräfte. Am Ende musste Bogen (3:41:11 Stunden) sich dem Niederländer Youri Keulen (3:40:24 Stunden) und dem Franzosen Clement Mignon (3:40:37 Stunden) geschlagen geben. Beide Athleten hatten noch keine Qualifikation für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft und waren sichtlich erfreut über Platzierung und Slot. Ebenso Johannes Vogel (3:41:48 Stunden), der als Fünfter das Ziel erreichte und sich damit den letzten Slot für eine Reise nach Neuseeland sichern konnte. Mit Nick Emde (3:43:54 Stunden) und Jonas Hoffmann (3:44:06 Stunden) auf den Plätzen sechs und sieben liefen zwei weitere deutsche Athleten in die Top Ten. Paul Schuster beendete das Rennen in 3:45:31 Stunden auf dem elften Platz.

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Lars Wichert
Lars Wichert
Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.

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