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Stefan Jäger im Interview
Ironman-Pressesprecher – “Wir versuchen, uns an eine Restsaison zu wagen”

Wie können größere Triathlonwettkämpfe während der Corona-Pandemie aussehen? Stefan Jäger, Ironman-Pressesprecher für Europa, erklärt im Interview, wie eine Restsaison 2020 realistisch sein könnte, welche Pläne es beim Unternehmen für das kommende Jahr gibt und welche Regelungen es beim Thema Rückerstattung mittlerweile gibt.

Stefan Jäger, rund 40 Ironman-Langdistanz- und Mitteldistanzrennen, darunter auch noch einige Wettkämpfe in Europa, stehen noch im Kalender für das Jahr 2020. Wie viele davon können wohl realistisch gesehen wirklich ausgetragen werden?

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Grundsätzlich halten wir an jedem Rennen fest, bei dem wir glauben, dass es eine realistische Chance gibt, dass es wirklich ausgetragen werden könnte. Die Absagen der Rennen in Spanien waren letztendlich nach den Entwicklungen der vergangenen Wochen unvermeidbar. Bei einem Rennen wie dem Ironman Tallinn, bei dem es momentan ziemlich gut aussieht, dass es stattfinden könnte, glauben wir fest daran, dass es über die Bühne gehen kann. Wir wurden jedoch in den vergangenen Wochen immer wieder damit konfrontiert, dass unser Glaube, unsere Einschätzung relativ schnell durch extrem kurzfristige Änderungen und Entwicklungen oder eine politische Entscheidung über den Haufen geworfen werden kann. Das zeigt zum Beispiel ein Blick nach Nizza. Wir waren völlig überrascht von der Entscheidung vor Ort, dass auf einmal keine großen Sportveranstaltungen abseits der Tour der France stattfinden sollten. Politiker treffen Entscheidungen und sprechen diese nicht mit den Veranstaltern ab, das trifft ja auch viele andere Events und Rennen. Deswegen sind wir oftmals auch in der Situation, darauf nur reagieren zu können.

Der Ironman in Tallinn wäre so etwas wie der „Neustart“ in eine bisher komplett brachliegende Ironman-Saison. Dafür wird auf Social Media rund um das Rennen momentan auch ordentlich die Werbetrommel gerührt.

Der Wettkampf dort wird nicht von Ironman direkt veranstaltet, sondern von einem Lizenznehmer. Bisher kann man sagen, dass die Organisatoren tolle Vorkehrungen geschaffen haben, damit das Rennen für die Athleten und alle weiteren Beteiligten sicher durchgeführt werden kann. Und auch bei anderen Rennen gibt es positive Signale. Für die Vorkehrungen und Maßnahmen beim Swiss Epic, dem Extrem-Mountainebikerennen in der Schweiz, in der vergangenen Woche gab es von Athleten, Behörden und Medien viel Lob. Darauf bauen wir auf.

Wie sieht das Konzept beim Ironman Tallinn genau aus?

Ironman-Pressesprecher für Europa: Stefan Jäger.

Zuerst einmal wird versucht, das Infektionsgeschehen in den Ländern der angemeldeten Teilnehmer immer im Blick zu haben. Es werden Kontaktpunkte reduziert, in ausführlichen Informationsblättern ist der genaue Ablauf erklärt. Die Bib wird nach den Einschätzungen der Schwimmzeit vergeben und morgens vor dem Rennstart wird das Teilnehmerfeld getrennt. Selbst in den Bussen, die die Athleten zum Start bringen, wird jeder Fahrgast erfasst. Jeder Sportler bekommt dafür einen eigenen QR-Code, über den auch eine Kontakt-Nachverfolgung schnell möglich sein wird. Es wird alles dafür getan, einen möglichst positiven Start in Tallinn hinzulegen.

Welche weiteren Rennen in Europa sind für Ironman noch von größerer Relevanz?

Wir haben noch zwei Mitteldistanzen in Frankreich, den Ironman 70.3 Les Sables d’Olonne-Vendée und den Ironman 70.3 Aix-en-Provence, auf dem Programm. Dazu haben wir noch einige Veranstaltungen wie die 70.3-Rennen in Luxemburg oder in den Niederlanden, in Griechenland, in der Türkei und zwei Rennen in Portugal sowie auch den Ironman in Südafrika im Kalender stehen. Wir versuchen, uns an eine Restsaison zu wagen. Aber wir leben in einer extrem dynamischen Zeit, was gestern noch fix war, ist heute ganz anders. Es ist für uns alle, Athleten, Teams, Helfer, Partner und Mitarbeiter eine sehr schwierige und belastende Zeit. Irgendwie müssen wir da gemeinsam durch.

Getty Images for Ironman Triathlon mit malerischer Kulisse: Der Ironman 70.3 Les Sables d’Olonne an der Atlantikküste Frankreichs soll dieses Jahr noch stattfinden.

Nachdem die Infektionszahlen zumindest in Europa im Juni und Juli deutlich rückläufig gewesen sind, ploppen nun wieder vermehrt Fälle auf. Von der oft betitelten „zweiten Welle“ ist die Rede. Macht der erneute Anstieg Ironman die Planungssicherheit für den Rest des Jahres kaputt?

Wenn man sich das gesamte Jahr anschaut, kann eigentlich nicht viel mehr kaputt gemacht werden. Wie viele Veranstalter haben wir nach den ersten Verschiebungen im Frühjahr darauf gehofft, dass sich die Pandemie bis in den Sommer oder Herbst so stabilisiert oder eindämmen lässt, dass Events unter besonderen Vorkehrungen möglich sind.

In vielen Bereichen wird häufig so getan, dass mit dem Neujahrstag 2021 das Virus verschwunden und alle Probleme gelöst sind. Davon sind wir jedoch, nach heutigem Stand, noch weit entfernt. Wie geht Ironman mit dieser Perspektive um?

Ich glaube, dass mit jedem Monat, der vergeht, auch ein besserer wissenschaftlicher Zusammenhang, mehr Wissen über das Virus, entsteht. Aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben sich dann wiederum neue Möglichkeiten und Wege, wie sich das Virus verhält, wie man die Ausbreitung eventuell verhindern kann und wie dann auch wieder größere Veranstaltungen möglich sind. Als Beispiel dafür könnte man auch das Swiss Epic nehmen. Dafür haben wir ein meines Erachtens sehr gutes Covid-19-Konzept entwickelt. Es könnte beim Cape Epic als Grundlage für unsere Verhandlungen bei den örtlichen Behörden dienen, die eine Austragung dann ermöglicht. So könnten wir auch bei den Ironman-Rennen, wie auch in anderen Bereichen der Wirtschaft, in Richtung Normalität bewegen.

Die Challenge Davos soll an diesem Wochenende stattfinden, der Ironman 70.3 Rapperswil-Jona hingegen wurde vor rund eineinhalb Wochen abgesagt. Erklären Sie uns bitte einmal diese unterschiedlichen Herangehensweisen und Möglichkeiten.

Im Vergleich zur Challenge Davos haben wir die 1.000-Teilnehmer-Marke deutlich überschritten und müssten unter den angemeldeten Athleten welche herauspicken, die das Recht bekommen, an den Start zu gehen. Ich wüsste nicht, wie man das fair regeln könnte. Im Fall der Challenge Davos ist weniger mehr. Ich hoffe natürlich auch für jeden anderen Veranstalter, dass er sein Rennen wirtschaftlich umsetzen kann. Irgendwann erreicht man jedoch den „Break-Even-Point“, an dem ein Event nicht mehr durchführbar ist. Wir könnten natürlich einen Ironman in Klagenfurt mit 500 oder sogar nur 200 Teilnehmern organisieren. Wirtschaftlich ist das aber unmöglich.

Eine Frage, die im Zuge der Absagen weiterhin stets präsent ist, ist die nach einer einheitlichen Lösung in Sachen Rückabwicklung von Startgebühren. Gibt es dazu mittlerweile einen EU-weiten Leitfaden von Ironman?

Generell ist die Regelung, dass wir uns an die gesetzlichen Vorgaben des jeweiligen Landes halten. Wenn ein Gutschein vorgesehen ist, gibt es einen Gutschein. So gibt es diese Lösung nun mittlerweile in Deutschland, Österreich, Frankreich und nach den Absagen in Spanien auch dort.

Wie verhält es sich mit Rennen, die bereits verschoben wurden und aber auch am neu angesetzten Termin nicht stattfinden können?

In solch einem Fall werden wir die jeweiligen Athleten mit Lösungsvorschlägen kontaktieren. Es wird die Möglichkeiten geben, den Startplatz auf andere Rennen zu verschieben. Abseits davon wird es sicherlich noch weitere Optionen geben.

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2 Kommentare
  1. Dag

    So gut das Konzept beim Ironman Taillinn auf den ersten Blick scheint, so zeigt es noch einige Fragezeichen für mich als betroffener Athlet auf. Dies geht damit los, dass eine Mail vom Veranstalter geschickt wird, bei der man Fragen beantworten soll, wenn das jeweilige Herkunftsland auf der “Roten Liste” steht. Problem bei der ganzen Sachen ist, Deutschland stand bis gestern nicht auf der Liste, ab heute jedoch schon. Die Fragen mussten bis gestern 23:59 Uhr abgeschickt werden. Die neue Liste von heute gilt ab Montag. Hätte man sich als deutscher Athlet nun melden müssen oder kann man sich darauf verlassen, dass man ins Land kommt, schließlich konnte man nicht wissen, dass Deutschland in der heutigen Liste zu den Risikostaaten zählt. Des Weiteren werden Athleten Check-In Zeiten verteilt, ich bin selbst davon betroffen, bei denen man noch gar nicht im Land ist. Ausweichzeiten werden nicht genannt. Auch auf die Frage, wie lange man auf das Ergebnis vom Corona-Test am Flughafen warten muss, gab es bisher auch keine Antwort. Dies sind Fragen, die vorab geklärt werden müssen, schließlich nimmt man nicht die Strapazen von Flug etc. auf sich, um dann nicht am Wettkampf teilnehmen zu können.

  2. Pippi nicht Annika

    This is what happens in a world reigned by fear. And even the fearless are just watching and waiting.

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