Hamburg:
ITU- und Ironman-Rennen an einem Wochenende?

Noch gibt es keinerlei Informationen, was aus dem weltgrößten Triathlon am 11. und 12. Juli in Hamburg wird. Die Veranstaltung fällt mit ihren 10.000 Teilnehmern klar unter das Verbot von Großveranstaltungen – offenbar arbeitet man hinter den Kulissen an einer spektakulären Alternative.

Großveranstaltungen sind bis zum 31. August 2020 verboten – so sieht es die derzeit gültige Rechtslage vor. Was genau unter den Begriff einer Großveranstaltung fällt, ist schwammig. Während so mancher kleine Triathlonveranstalter noch hofft, ist für die Großen der Branche klar: Bis Ende August geht vorerst nichts. Und ob 2020 überhaupt noch Triathlons ausgetragen werden, hängt in erster Linie vom weiteren Pandemieverlauf ab, den wohl niemand vorhersagen kann.

Terminpoker in Hamburg

Rund um die Hamburger Binnenalster findet seit 2002 in jedem Sommer ein Triathlonspektakel statt, das als das größte der Welt gilt. Über die Weltcuprennen der ersten Jahre, die Weltmeisterschaft 2007, das jährliche Rennen der World Triathlon Series (WTS) seit 2009 bis hin zur Weltmeisterschaft im Mixed Team Relay (2013 holte Deutschland mit Anja Knapp, Jan Frodeno, Anne Haug und Franz Löschke den Titel) versammelt sich die Weltelite jeden Sommer auf dem Rathausmarkt. Dazu kommen 10.000 Agegrouper und Staffelstarter auf der Sprint- und olympischen Distanz, die an der Elbe ein großes Triathlonfest zelebrieren. Spätestens seit der Premiere des Ironman Hamburg im August 2017 ist die Hansestadt zur Triathlonhauptstadt Deutschlands aufgestiegen.

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Ironman auf Herbst verschoben

Der Ironman wurde inzwischen auf einen noch unbekannten Termin verschoben, bis zum 30. April will sich der Veranstalter zu einer neuen Perspektive äußern. Zur Kurzdistanz, die seit einigen Jahren ebenfalls unter die Regie der Ironman Germany GmbH fällt, gab es bisher keine Verlautbarungen. Dass das Rennen mit 10.000 Startern und mehreren Hunderttausend Zuschauern nicht wie geplant Mitte Juli stattfinden kann, ist klar.

Offensichtlich arbeitet man hinter den Kulissen bereits an einer spektakulären Alternative – für beide Rennen. Erstmals könnten die Kurzdistanzler und die Langstreckenathleten am gleichen Wochenende an den Start gehen. Wie tri-mag.de aus mehreren Quellen aus dem Umfeld der Veranstaltung erfuhr, ist dafür wohl der 5. und 6. September 2020 geplant – nur wenige Tage, nachdem das Verbot von Großveranstaltungen nach der aktuellen Verordnungslage endet. Die Ironman Germany GmbH wollte unsere Anfrage dazu nicht bestätigen, aber die Informationen auch nicht dementieren.

Triathlon eine Woche vor Marathon

Die Kurzdistanz-Rennen und der Ironman Hamburg fänden damit eine Woche vor dem Hamburg-Marathon statt, der bereits vor einigen Wochen vom gestrigen 19. April auf den 13. September 2020 verschoben wurde. Wie das Hamburger Abendblatt heute berichtete, hätten von den gemeldeten Teilnehmern für die Laufveranstaltung etwa 15 Prozent ihren Start storniert, alle anderen dagegen das neue Renndatum akzeptiert. Zudem hätten sich nach der Verlegung des Rennens etwa 500 Teilnehmer neu angemeldet.

Allerdings ist der Triathlon im Buhlen um die wenigen freien Wochenenden zwischen dem Ende der Veranstaltungsverbote und dem im Norden frühen Beginn der ungemütlichen Jahreszeit nicht allein. Auch die Hossa-Hossa Veranstaltungs-GmbH, der Veranstalter des Schlagermove, bei dem jeden Sommer 350.000 Menschen eine Art musikalischen Straßenkarneval feiern, kündigte nun an, dass er sein Event am 4. und 5. September austragen wolle. Die seltsame Mischung buntgekleideter Schlagerfans und ebenso schriller Triathleten im Stadtbild wäre nicht neu: Schon häufiger fand der Musikzug am gleichen Wochenende wie der ITU World Triathlon in Hamburg statt. Auch der Megamarsch Hamburg, die 100-Kilometer-Wanderung mit 6.000 Teilnehmern, hat das gleiche Wochenende als neuen Termin für die Anfang April ausgefallene Durchführung verkündet.

Was passiert mit Frankfurt, Kraichgau und Duisburg?

ITU World Triathlon und Ironman Hamburg sind nur zwei der fünf Triathlon-Events, die in das Gebiet der Ironman Germany GmbH fallen. Auch die Rennen um die Ironman-EM in Frankfurt (ursprünglich geplant am 28. Juni) und die Ironman-70.3-Rennen im Kraichgau (7. Juni) und Duisburg (23. August) stehen zur Debatte. Das Land Baden-Württemberg hatte schon lange vor der offiziellen Verkündung durch Ironman eine Verordnung erlassen, nach der das Kraichgau-Rennen zum geplanten Zeitpunkt nicht durchführbar gewesen wäre. Für Frankfurt wurde gleich nach der Absage für den Juni über einen Ersatztermin Ende September spekuliert. Wie für alle anderen Europa-Rennen gilt auch hier: Ironman will sich bis zum 30. April äußern.

Quali in Hamburg und Frankfurt erst für 2021

Nach aktuellem Stand wäre damit die Hawaii-Quali bei den Rennen in Frankfurt und Hamburg erst für das Jahr 2021 möglich. Wie Ironman kürzlich verkündete, wurde der Qualifikationszeitraum für die Weltmeisterschaften auf den 31. August 2020 verlängert – und damit auf das Datum, das den Verbotszeitraum für Veranstaltungen dieser Art derzeit definiert.

Ob und wie relevant all diese Überlegungen sind, bleibt allerdings völlig offen – denn einige Experten in Medizin und Politik gehen inzwischen davon aus, dass die derzeitigen Bestimmungen wie Kontaktbeschränkungen durchaus bis ins Jahr 2021 anhalten könnten. Auf welcher Stufe weiterer Lockerungen der gegenwärtigen Vorschriften der Wettkampfsport im Allgemeinen und der Triathlon im Besonderen stehen, ist noch völlig ungewiss.

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