Dramatischer Einbruch bei der Ironman-WM in Kailua-Kona, vier Wochen später in Marbella das Zielbanner in der Hand. Wie es Lucy Charles-Barclay in den vielleicht turbulentesten Wochen ihrer Karriere erging.

Lucy Charles-Barclay blickt in einem aktuellen YouTube-Video auf die wohl turbulentesten Wochen ihrer Karriere zurück. Die Britin schildert, wie ihr Rennen bei der Ironman-WM auf Hawaii unerwartet kippte – und wie sie nur vier Wochen später die 70.3-Weltmeisterschaft in Marbella gewinnen konnte.
Die Vorbereitung auf Kona sei außergewöhnlich gut gewesen. „Die smootheste, die ich je hatte“, sagt Charles-Barclay. Auch der Start ins Rennen verlief vielversprechend. Das Schwimmen lief perfekt, erst auf dem Rad spürte sie etwas, das sie nicht einordnen konnte: „Ich fühlte mich extrem durstig.“ Trotz großer Trinkmengen habe sich das Gefühl nicht gebessert. „Nichts hat diesen Durst unter Kontrolle gebracht. Rückblickend hätten das Alarmzeichen sein müssen.“
Frieren auf Hawaii?
Auf der Laufstrecke wurde die Situation dann kritisch. Charles-Barclay begann plötzlich zu frieren und zu taumeln. Ihr Mann Reece, der das Rennen vom Streckenrand verfolgte, beschreibt rückblickend: „Ich war die ganze Zeit in Alarmbereitschaft.“ Schließlich holte er medizinische Hilfe und ließ die Ironman-Weltmeisterin von 2023 aus dem Rennen nehmen. Charles-Barclay erinnert sich nur bruchstückhaft: „Ich war nicht mehr bei Sinnen. Meine Erinnerungen an das Energy Lab sind verschwommen.“ Heute sagt sie: „Ich bin dankbar, dass Reece die richtige Entscheidung getroffen hat.“
Zurück zu Hause analysierte das Team alle verfügbaren Daten. Nichts deutete auf einen klassischen Hitzekollaps hin; Körperkerntemperatur und Herzfrequenz seien stabil geblieben, bestätigt auch Coach Dan Lorang. Stattdessen spreche mehr für eine Hyponatriämie, eine zu niedrige Natriumkonzentration im Blut durch übermäßige Flüssigkeitsaufnahme. „Ein eindeutiger Nachweis ist nicht mehr möglich“, sagt Charles-Barclay, „aber vieles weist eher darauf hin.“
Last-Minute-Start in Marbella
Zusätzlich belastete die Familie der Verlust von Reeces Großvater kurz nach der Rückkehr. „Es war eine wirklich schwierige Zeit“, sagt sie. Physisch fand sie schnell wieder ins Training, mental dauerte es deutlich länger: „Es fühlte sich wie eine echte Belastung an.“ Erst nach etwa zwei Wochen stellte sich ein Wendepunkt ein. „Ich fühlte mich plötzlich positiv. Die Zahlen wurden besser. Und ich dachte: Vielleicht kann das in Marbella funktionieren.“ Die Entscheidung für einen Start fiel dennoch erst in letzter Minute – „erst, als wir wirklich ins Flugzeug steigen mussten“.
In Marbella sei sie überraschend gelöst an die Startlinie gegangen: „Es gab keine Erwartung“, sagt Charles-Barclay. Als das Rennen gut lief, habe sie früh gespürt, dass etwas möglich sei. Der Zieleinlauf wurde zu einem der emotionalsten Momente ihrer Karriere. „Es ist einfach aus mir herausgebrochen“, sagt sie. Für Reece Barclay war der Sieg ein symbolischer Abschluss der schwierigen Wochen: „Sie hat in vier Wochen etwas geradegerückt, wofür wir sonst vielleicht ein ganzes Jahr gebraucht hätten.“
Die 32-Jährige blickt nun auf das Grand Final der T100-Tour in Katar und die Planung für 2026. Welche Serie sie im kommenden Jahr bestreiten wird, lässt sie noch offen.









