Nach Jahren als Allrounder hat Philipp Seipp sein Coaching neu gedacht. Heute versteht er sich als „Head of Performance“ – mit klaren Strukturen, verlässlichen Partnern und dem Menschen im Mittelpunkt. Teil 3 unserer Serie, in der wir den erfolgreichsten Triathlontrainern über die Schultern schauen.

Philipp Seipp setzt 2022 alles auf eine Karte. Vollgas als Trainer, Manager, Strippenzieher. Und am Ende? Ist er viel Geld los, erschöpft und kurz davor, einfach alles hinzuschmeißen. Zwei Jahre später heißen seine Athletinnen und Athleten Laura Philipp, Rico Bogen und Daniel Bækkegård. Die Seipp-Squad ist zurück. Anders, aber nicht weniger ambitioniert. „Ich wollte nie aufhören, Trainer zu sein“, sagt Seipp heute. Aber er habe erst lernen müssen, wo seine Grenzen liegen.
Emotional leer und überarbeitet
Damals, nach der Weltmeisterschaft auf Hawaii, zieht er einen radikalen Schlussstrich. Er trennt sich nahezu von seinem gesamten Athletenstamm – aus Selbsterhalt. Emotional leer und überarbeitet spürt Seipp, dass er sich als Coach nicht mehr weiterentwickelt, sondern aufreibt. Der eigene Anspruch, immer mehr zu leisten, hat ihn an einen Punkt geführt, an dem das System nicht mehr tragfähig ist. Weder für ihn noch für die, die ihm vertrauen. „Ich habe zu dem Zeitpunkt einfach keinem Menschen mehr vertraut, der mir gesagt hat: Das ist gut oder das ist schlecht oder das ist der Weg. Ich hatte niemanden mehr“, erklärt er rückblickend. Die Folge: ein kompletter Rückbau. Seipp zieht sich zurück, denkt nach, sortiert sich. Und fängt ganz von vorn an.
Kein klassisches Comeback
Was folgt, ist kein Comeback im klassischen Sinn. Sondern eine bewusste Neuausrichtung. Weniger Hektik, mehr Struktur. Weniger machen, mehr denken. Und ein neues Rollenverständnis, das ihn heute nicht nur als Coach, sondern als Systemgestalter definiert. Seipp verabschiedet sich von der Vorstellung, alles selbst in der Hand haben zu müssen. Stattdessen beginnt er, sein Coaching neu zu organisieren – mit klaren Zuständigkeiten, vertrauensvollen Partnern und einem wachsenden Team von Spezialisten. Er nennt es: Head of Performance. Der Architekt im Hintergrund.









