12 Meter waren nie unfair, sie waren die Regel. Mit 20 Metern verschiebt sich nicht die Moral, aber die Dynamik: weniger Windschatten, mehr echte Solo-Leistung, mehr Mut zur Attacke. Eine Einordnung.
Die Umstellung der Drafting-Zone auf 20 Meter für Profis ist ein richtiger Schritt. Aber nicht, weil damit plötzlich „Fairness“ hergestellt würde. Fair war auch das System davor, solange die Regeln klar waren: Zwölf Meter waren erlaubt, also fährt man als Profi innerhalb dieser zwölf Meter. Punkt. Wer glaubt, man könne im Profisport großzügig „etwas liegen lassen“, versteht nicht, wie dieses Business funktioniert. Auf dem Rad wird bis ins kleinste Detail optimiert: Position, Reifen, Druck, Ernährung, Linienwahl und eben auch der Abstand im Rahmen der Regeln. Wenn zwölf Meter die Leitplanke sind, dann bewegt man sich eben an dieser Leitplanke, weil alles andere im Zweifel ein Geschenk an die Konkurrenz ist.
Die neue Regel ist keine Moralfrage, sondern eine Systemanpassung
Genau deshalb ist die 20-Meter-Regel nicht die moralische Korrektur eines „unfairen“ Zustands, sondern eine sportpolitische Weichenstellung: Sie verändert, wie stark Windschatteneffekte das Rennen prägen. Der Nutzen, den man im legalen Bereich mitnimmt, wird kleiner, und das ist der eigentliche Punkt. Nicht, dass vorher jemand „betrogen“ hätte, sondern dass die Dynamik des Radfahrens im Langdistanz-Triathlon zuletzt immer stärker in Richtung Gruppeneffekt gedrückt wurde. Schnelleres Material, höhere Felddichte, höhere Geschwindigkeiten: In der Praxis konnte ein Feld trotz Regelkonformität mit zwölf Metern Abstand mehr vom Windschatteneffekt profitieren, als viele es im Langstreckentriathlon wollen.