Die T100 Triathlon World Tour expandiert weiter und folgt dem Geld. Nach Dubai und Katar soll ab 2026 auch Saudi-Arabien Gastgeber eines Rennens werden. Offiziell geht es um Entwicklung und Gesundheitsförderung, tatsächlich aber um Macht, Einfluss und Imagepflege – ein weiteres Kapitel im globalen Sportswashing, meint unser Autor.

Die T100 Triathlon World Tour dehnt sich aus. Und zwar dorthin, wo das Geld sitzt. Nach Dubai und Katar soll ab 2026 auch Saudi-Arabien eine Station der Serie austragen. Offiziell geht es in der Kooperation zwischen PTO und Saudi-Arabien um „Entwicklungspfade“, „Gesundheitsförderung“ und „nachhaltige Strukturen“. In Wirklichkeit geht es vor allem um Einfluss, Image und Investitionen.
Mit dem Einstieg des saudischen Staatsfonds-nahen SURJ Sports Investments bei der PTO wird klar, wohin die Reise führt. Die jetzt unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der Professional Triathletes Organisation und der Saudi Triathlon Federation bestätigt das: Sie kündigt „die Transformation des Sports im Königreich“ an, verspricht „Weltklasse-Events“ und eine „neue Generation von Athleten“. Auf dem Papier klingt das wie ein Fortschritt für die Sportkultur – tatsächlich ist es Teil einer seit Jahren erprobten Strategie.
Saudi-Arabien nutzt – wie andere Staaten des Mittleren Ostens – den Sport, um sich neu zu erfinden. Milliarden fließen in Fußball, Boxen, Golf, Formel 1 und nach Investments in die Super League Triathlon (heute: supertri) nun eben auch in den Langdistanztriathlon. Die Logik ist simpel: internationale Aufmerksamkeit einkaufen, mit glitzernden Events ein positives Bild zeichnen und damit die harte Realität überstrahlen. Denn die bleibt bestehen: systematische Menschenrechtsverletzungen, eingeschränkte Meinungsfreiheit, fehlende Gleichberechtigung und die brutale Unterdrückung von Kritik.
Triathlon ist dabei besonders anfällig. Die PTO will wachsen, Reichweite generieren, neue Märkte erschließen. Sogar mit der Formel 1 habe man sich messen wollen. Die Vision einer globalen Rennserie klingt verlockend, aber sie hat ihren Preis. Denn jedes Event, das in Jeddah oder Riad ausgetragen wird, trägt auch zur Imagepflege eines autoritären Regimes bei. Wenn internationale Stars über rote Teppiche schreiten, Kameras auf sie gerichtet sind und Millionen Menschen die Bilder sehen, entsteht ein Narrativ: modern, offen, sportbegeistert. Und genau das ist der Zweck.
Natürlich kann Sport Brücken bauen. Natürlich können Rennen in neuen Regionen Begeisterung wecken, Kinder inspirieren und neue Strukturen schaffen. Aber die Frage ist, wer wirklich profitiert und zu welchem Preis. Wenn sportliche Organisationen wie die PTO oder auch World Triathlon ihre Werte von Fairness, Inklusion und Integrität ernst nehmen, sollten sie sich fragen, ob diese Partnerschaften mit jenen vereinbar sind, die Menschenrechte mit Füßen treten.
Die Expansion der T100 nach Saudi-Arabien ist kein Zufall, sondern ein Spiegelbild eines Systems, das Sport als PR-Instrument missbraucht. Triathlon steht damit an einem Scheideweg: Will er Teil dieser Inszenierung werden oder sich seiner eigenen Verantwortung stellen?
Im Moment sieht es so aus, als habe das Geld entschieden.
Und das ist Sportswashing in Reinform.









