Hamburg war für die deutschen Kurzdistanzler immer mehr als nur ein Rennen. 2026 reist das DTU-Team mit Weltmeisterin Lisa Tertsch, Hamburg-Spezialistin Laura Lindemann und aussichtsreichen Athleten bei den Männern an. Wie groß sind die Chancen auf das nächste Heim-Podium?
In Hamburg ist die Strecke des WTCS-Rennens mehr als einfach nur irgendein Kurs. Die Alster, der Rathausmarkt, enge Kurven, kurze Wege – all das hat aus dem Rennen über Jahre einen Fixpunkt der internationalen Kurzdistanz-Szene gemacht. Und für die deutschen Athletinnen und Athleten ist Hamburg noch einmal etwas anderes: ein Heimspiel auf der ganz großen Bühne.
Am 11. Juli starten die Protagonisten der World Triathlon Championship Series wieder in der Hansestadt. Die Männer starten um 13:15 Uhr, die Frauen um 15 Uhr. Einen Tag später folgt die Mixed Relay World Championship. Schwimmen in der Alster, ein flacher, aber technischer Radkurs, eine verwinkelte Laufstrecke – viel Raum für Fehler gibt es nicht. Genau darin liegt die Besonderheit dieses Rennens.
Hamburg als deutscher Erinnerungsort
Wer über deutsche Kurzdistanzgeschichte in Hamburg spricht, kommt an Daniel Unger nicht vorbei. 2007 wurde er in der Hansestadt Weltmeister über die olympische Distanz. Es war der erste ganz große deutsche Heimtriumph auf dieser Bühne, ein Sieg vor einer Kulisse, die das Rennen weit über die Szene hinaus sichtbar machte. Ein Jahr später gewann Unger erneut in Hamburg, damals vor Jan Frodeno. Kurz darauf wurde Frodeno Olympiasieger in Peking und übernahm für einige Jahre die Rolle des deutschen Kurzdistanz-Zugpferds.
Später verschob sich der Schwerpunkt. Die deutsche Langdistanz wurde international immer präsenter, die Kurzdistanz suchte nach neuen Gesichtern. Hamburg blieb trotzdem der Ort, an dem diese Gesichter sichtbar wurden. Laura Lindemann wuchs in diese Rolle hinein: Junioren-Weltmeisterin, U23-Weltmeisterin, Olympia-Achte von Tokio, später Ankerfrau der deutschen Mixed Relay. 2021 gewann sie in Hamburg ihr erstes WTCS-Rennen. Am selben Tag siegte auch Tim Hellwig bei den Männern im Fotofinish. Ein deutscher Doppelsieg in Hamburg, symbolträchtiger hätte ein Neustart kaum aussehen können.
Seitdem hat sich etwas verändert. Deutschland kommt nicht mehr mit einzelnen Hoffnungsträgern nach Hamburg. Vor allem bei den Frauen ist ein Team entstanden, das in der Breite zur Weltspitze gehört. Lisa Tertsch wurde 2025 Weltmeisterin und in diesem Jahr Europameisterin, Lindemann ist seit Jahren in der Weltspitze etabliert, Nina Eim, Annika Koch und Tanja Neubert haben auf WTCS-Niveau bereits gezeigt, dass sie in der Weltspitze bestehen können. Dazu kommen Julia Bröcker und Franka Rust, die das deutsche Aufgebot komplettieren.