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Swissman 2022: Sonja Tajsich bloggt
Aus dem Negativstrudel zu neuer Motivation

Die ehemalige Profitriathletin Sonja Tajsich stellt sich 2022 dem Abenteuer Extremtriathlon und startet beim legendären Swissman. Hier bloggt sie über ihren Weg dorthin.

Hallihallo, da bin ich wieder! Zeitgerecht und sorgfältig habe ich meine Anmeldung zum Swissman 2022 abgewickelt. Mein Start ist nun fix, am 25. Juni mache ich mich auf die Strecke. Zusammen mit triathlon-Chefredakteur Nils Flieshardt, der mich begleiten wird. Und wir haben gemeinsam beschlossen, diesen Weg durch Blogbeiträge meinerseits zu begleiten. 

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Mein erster Blog ist Anfang November erschienen. Darin habe ich euch erzählt, wer ich überhaupt bin und wie es zu der Idee kam, mich diesen Herausforderungen zu stellen. Kurz für den Hinterkopf: Ich war viele Jahre Profitriathletin, bis ich dann im Jahr 2018 einsehen musste, dass ich mit 42 Jahren langsam aber sicher zu alt werde, um mit den jungen Hupfern mitzuhalten. Was auch richtig ist! Und hier waren wir stehengeblieben …

Abschied vom Profisport

2018 habe ich also altersbedingt dem Profisport „adieu“ gesagt. Und ich muss ehrlich sein: Ich hatte schon ein bisschen Angst vor der Zeit danach. Kann ich einfach weiter starten und akzeptieren, dass ich aufgrund von minimiertem Trainingsaufwand sowie höherem Alter geringere Leistung bringe? Irgendwann wird man sich von Bestleistungen trennen müssen, das war mir klar. Auf einmal habe ich verstanden, warum so viele Profi-Athleten nach ihrer Karriere dem Lieblingssport komplett den Rücken kehren. Ich jedoch wusste, mir wird es weiterhin großen Spaß machen zu radeln, zu laufen und vielleicht auch hin und wieder ein bisschen ins Wasser zu gehen. Und hier kommt es raus: Meine beste Disziplin war nicht zwingend das Schwimmen. Mit 22 Jahren habe ich es einfach zu spät gelernt. Ich konnte wohl einiges herauszuholen, aber an die Spitze kam ich nicht mehr. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum es dann doch nie bis ganz oben gereicht hat. Aber ich weine nichts und niemanden eine Träne nach. Ich denke, dass ich dafür, dass ich so spät mit dem Triathlonsport begonnen habe, noch viel erreichen konnte.

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Zurück zu meinen Ängsten: Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich große Sorgen, dass ich ein Wombel werden könnte (ein Wombel ist jemand träges, faules, energieloses, übergewichtiges). Nun gut – faul konnte ich mir nicht vorstellen, aber je weniger man tut, desto träger und energieloser wird man, und vor dem Zunehmen hatte ich tatsächlich Sorge. Denn das war schließlich ganz zu Beginn auch der Grund, warum ich überhaupt den Zugang zum Triathlon in diesem Maße gefunden habe. Als ich 1996 meinen ersten Volkslauf gemacht habe und von den Triathleten meines Heimatorts (Germering bei München) überredet wurde, mit Triathlon zu starten, war ich bereits 21 Jahre alt. Ich konnte kaum schwimmen, bin nie gelaufen und bezeichnete die Radfahrer als „Asphaltfresser“. Bezug hatte ich zum Ausdauersport keinen. Doch kaum fand das Training regelmäßig Platz in meinem Wochenablauf, habe ich gemerkt, dass ich unendlich viel Essen konnte, ohne zuzunehmen. Und ich esse doch so gern! Das hat mich ungemein motiviert und angetrieben, mehr und mehr Zeit in den Sport zu investieren.

Der Berg ruft

Jetzt aber zu der tatsächlichen Entwicklung: Nach dem Ende meiner Karriere 2018 bin ich mit meinem Mann und unseren beiden Kindern berufsbedingt nach Klagenfurt gezogen. Ein Grund, warum ich mich auf den Umzug gefreut habe, war auch meine Erinnerung an die Gegend. Denn 2009 hat sich hier mein damals größter Triumph zugetragen, als ich beim Ironman Klagenfurt zum ersten Mal unter neun Stunden geblieben bin. Das waren die Weichen für meine Profilaufbahn. 

In meinem ersten Jahr nach der Profikarriere habe ich mich selbst ausgetrickst und ganz viele Rennen in völlig ungewohnten Distanzen absolviert (Sprint, Rad-Bergrennen usw.). Zum Ende dieser sehr anderen Saison konnte ich dann noch den Ironman 70.3 Slowenien gewinnen. Und das alles mit Riesenspaß und dem „Profi-Karrieren-Wintergewicht“, das ich bis heute problemlos stabil halte (Gott sei Dank). 

Es folgte die sehr triste Saison 2020 aus bekannten Corona-Gründen. 2021 war ich dann so dermaßen „raus“ aus dem Wettkampfgeschehen, dass ich nur noch gemacht habe, was mir just in diesem Moment in den Sinn kam. Das Problem daran war: Ich bin so gut wie ausschließlich Rennrad gefahren. Schwimmen war ich nur noch ab und an in unserem wunderschönen Wörthersee und das auch nur, weil der See wirklich traumhaft schön ist und eine magische Anziehungskraft hat. Das müsst ihr unbedingt mal ausprobieren! Beim Laufen habe ich schneller abgebaut, als mir lieb war und als ich selbst glauben konnte. Eine Minute Pace pro Kilometer war problemlos einfach weg. Dadurch wurden die Trainingsläufe natürlich unglaublich mühsam, ich fühlte mich schwerfällig und kam nicht in den Tritt. Die Pace auf der Uhr war so frustrierend. Schließlich mochte ich gar nicht mehr laufen, fuhr stattdessen nur noch Rad und schon war die Negativ-Spirale in Gang. Ich kann mir vorstellen, dass es einige unter euch gibt, die so etwas schon mal erlebt haben. Aber ich kann euch versichern: Man kann aus dieser Spirale auch wieder herauskommen und das ist ein wirklich sehr schönes Gefühl. 

Nun denn: Ich bin also vorrangig in 2021 Rennrad gefahren, mein Triathlonrad habe ich nur ein einziges Mal aus dem Schuppen geholt, um es aufzupumpen. Rennradfahren ist hier einzigartig. Es gibt so tolle Routen mit vielen Höhenmetern. Es ist eine absolute Freude, die Ausblicke zu genießen, ein echter Traum. Aus diesem Grund habe ich im vergangenen Sommer auch erstmals ein Camp in Kärnten angeboten, mit Schwimmen im herrlichen Wörthersee, Radeln auf tollen Strecken und einem Triathlon über die olympische Distanz, nachdem es bis dahin ja covidbedingt keine offiziellen Rennen gab. Es war eine tolle Woche, woraufhin ich noch einen zweiten neuen Versuch gewagt habe. Nämlich die sogenannte Gipfelstürmer-Woche, bei der wir an fünf Tagen fünf umliegende Berge erklommen haben. Also ein Radblock mit ein bisschen Laufen und Schwimmen. Beide Wochen waren wirklich sehr schöne Erlebnisse, die ich auf jeden Fall im nächsten Jahr wiederholen möchte (die Termine stehen schon fest: Kärnten Camp 4.–11.6.22, Gipfelstürmer-Woche 23.–27.7.22). 

Zurück zum Wettkampf

Auf der einen Seite war es sehr schön, aber irgendwie war mir sonnenklar, dass ich unbedingt ein neues Ziel brauchte. Diese nicht vorhandene Trainingsroutine, dieses Nicht-Aufraffen zu ordentlichen Schwimmeinheiten, die wenigen Laufkilometer – die Struktur ist mir irgendwie abgegangen. So schön die vielen Radkilometer waren: Ich habe gespürt: Ich bin doch eine Triathletin.

Dann kam es zu der „Wie-der-Blitz-SWISSMAN-Idee“, wie ich sie euch im letzten Blog geschildert habe. Und mit dieser Idee auch gleich ein riesiger Haufen an Motivation dazu. Ich wollte gleich mal ausprobieren, wie es wohl ist, 1.400 Höhenmeter auf 14 Kilometer zu laufen, und habe mich Anfang Oktober 2021 zu einem Berglauf in der Region, dem Kosiak-Löwen, angemeldet. Das Ergebnis: Mit Bravour gemeistert, viel Spaß gehabt und die Aussichten genossen – ich war einen kleinen Schritt von meinen Zweifeln entfernter. Die Herausforderung Swissman schaffen und meistern zu können, wurde präsenter. Die Motivation ist ungleich angestiegen. 

Läuft wieder bei Sonja Tajsich: Die ersten Bergläufe hat die angehende Extremtriathletin bereits absolviert.

Daraufhin habe ich mich direkt für das nächste Abenteuer registriert, das Radrennen ISTRIA300. Bis zum Vortag war ich mir sicher, dass ich die 225-Kilometer-Strecke in Angriff nehmen werde. Die Zeitspanne ist nur 12 Stunden, da müsste man einen 25er-Schnitt fahren, um die 300 Kilometer mit 5.000 Höhenmetern zu schaffen, wenn man überhaupt keine Pausen macht. Mein Mann hat mir dann gut zugeredet und gesagt, ich solle es einfach versuchen. Das Rennen ist so aufgebaut, dass man jederzeit auf die kürzeren Distanzen abbiegen kann und dann dort gewertet wird. Mit einer Zeit von 10:38 Stunden (wie bei meiner ersten Langdistanz!) bin ich über die Ziellinie gefahren und war paniert wie nach einem Langdistanztriathlon. Ich hatte sogar Muskelkater im Trizeps vom Lenker festhalten! Aber es hat sich gelohnt. Ich war überglücklich und noch mehr bestätigt, dass es eine richtige Entscheidung war, den Swissman zu wagen. 

Der Preis ist Schweiß

Den Traillauf Ende Oktober mit 350 Höhenmetern auf 13,5 Kilometern konnte ich sogar gewinnen. Und nicht nur das: Bei der Verlosung während der Siegerehrung hatte ich eine besonders fähige Glücksfee, die doch tatsächlich meine Startnummer aus dem Topf zog. Der Preis: eine Spirometrie mit EKG. Sehr praktisch. Ich hatte zeitnah einen Termin vereinbart und wurde absolut überrascht: Die Ausdauerleistungen sind gar nicht allzu stark zurückgegangen. Die prognostizierten Geschwindigkeiten doch noch ganz gut. Ich denke mein Hauptthema wird nun sein, die Muskulatur wieder an die Belastung hinzuführen und vor allem mir selbst auch mehr zuzutrauen. 

Und so habe ich auch mein November- und Dezember-Training aufgebaut: Auf dem Rad und beim Laufen gibt es sowohl die klassischen Grundlageneinheiten, als auch Motorik und moderates Tempotraining. Die schnelleren Läufe mache ich sowohl draußen im Flachen als auch auf dem Laufband. Die Grundlageneinheiten verlege ich eigentlich alle in den Wald, auf Trails mit Höhenmetern. Ganz in meiner Nähe gibt es den Ulrichsberg. Wenn ich von hier durch den Wald dorthin laufe (bis ganz oben) und dann zurück, sind es zwischen 18 und 21 Kilometer mit 700 Höhenmetern. 

Ein wirklich für mich wertvoller Hinweis von dem Schweizer Teilnehmer meines Lanzarote Camps, durch den ich überhaupt auf den Swissman aufmerksam geworden bin, war, dass der Weg auf die Kleine Scheidegg wohl lang bergauf geht, aber nicht schwer oder ausgesetzt ist, was den Untergrund und die Wegwahl angeht. Da war ich doch ein bisschen beruhigt. Die Herausforderung wird so schon groß genug sein, wenn man nach guten 30 Kilometern die letzten ungefähr 1.000 Höhenmeter auf zehn bis zwölf verbleibenden Kilometern bewältigen muss …

Leider ist über Österreich wieder ein kompletter Lockdown verhängt worden und all unsere Schwimmbäder sind geschlossen. So schön hatte ich wieder den Rhythmus mit zweimal Schwimmen pro Woche gefunden. Hab mich im Wasser direkt schon wieder ganz wohl gefühlt. Aber es hilft alles nichts: Mit gezielten Zugseilübungen versuche ich nun, die Muskulatur so gut es geht aufrecht zu erhalten. Zusätzlich hilft mir sicherlich mein zweimal wöchentlich stattfindendes Zoom-Athletik-Training. Montag um 17:30 Uhr und Donnerstag um 6:45 Uhr geht es triathlonspezifisch 45 Minuten lang zur Sache. Wer da mal mitmachen möchte, kann sich gern bei mir melden. 

Auf jeden Fall freue ich mich auf den Winter. Wir sind leidenschaftliche Langläufer (Skating-Technik) und waren sogar letztes Wochenende schon am Dachstein im Schnee. Bald soll es auch auf tieferen Lagen schneien. Skaten ist ein perfekter Alternativsport für den ganzen Körper. Damit schaffen wir es gut über die kalte Jahreszeit und dann geht es im Februar und März 2022 wieder in die Sonne nach Lanzarote. Meine zweimal zwei Wochen Trainings-Camps in Costa Teguise sind schon gut gebucht und ich freue mich auf die Teilnehmer, die Stimmung, die Sonne, den großen Pool. Lang ist es nicht mehr hin …

Euch allen eine besinnliche Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins neue erfolgreiche Jahr!

Eure Sonja

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