Freitag, 19. April 2024

Sonja Tajsich bloggt: „Ich bin bereit“

Der SwissMan steht vor der Tür. Zwei Jahre hat sich Sonja Tajsich auf dieses Rennen vorbereitet. In ihrem Blog nimmt sie euch mit durch die letzten Tage der Vorbereitung und gibt einen Einblick in ihre Gedankenwelt. Einiges liegt bei diesem Rennen nicht in ihrer Hand.

Sonja Tajsich bei ihrem letzten langen Lauf vor Klagenfurt auf der Simonhöhe.

Jetzt ist es bald so weit. Und ich bin bereit. Und total happy. Es lief alles wie am Schnürchen. Und wenn ich zurückblicke auf die letzten Wochen und Monate, hätte es nicht besser laufen können. Durch meine beiden Lanzarote-Trainingslager und die Kärnten-Camps habe ich gut Umfänge trainieren können. Und dazu die tollen langen Touren – eine schöner als die andere – mit Ella und Elke. Das Ganze gipfelte am letzten Trainings-Hauptwochenende, zwei Wochen vor dem Start, am Samstag mit der Abschlussausfahrt: Wir sind diese herrliche Drei-Länder-Tour von zu Hause aus gefahren. 225 Kilometer mit 3.500 Höhenmetern. Landschaftlich mehr als schön und es lief alles perfekt.

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Am Tag darauf wollte ich nochmals einen längeren Lauf machen, bei dem ich einige Höhenmeter am Stück schaffe. Ausgesucht habe ich mir die Simonhöhe, ein kleines familiäres Skigebiet im Winter in Österreich. Start war bei mir zu Hause. Ich bin über ein paar Umwege bis nach oben gelaufen, 31 Kilometer mit mehr als 800 Höhenmetern. Mein Mann Tom und unsere Tochter Julia haben mich oben empfangen und wieder nach Hause gebracht – was für eine tolle Unterstützung, was für ein Verständnis für meine vielen Trainingsstunden. Einfach toll. Jetzt fühle ich mich präpariert und bin gespannt, was der Renntag bringt.

„Ich kann nicht einschätzen, was wirklich an Anforderung auf mich zukommt“

Was ich mir für das Rennen erwarte? Offen gestanden, habe ich mir dazu schon wirklich viele Gedanken gemacht. Aber ich komme zu keinem echten Ergebnis – weil ich einfach nicht einschätzen kann, was wirklich an Anforderung auf mich zukommt.  

Ich dachte mir, ich kann die 3.800 Meter Schwimmen hoffentlich in einer Stunde bis 1:10 Stunden bewältigen. Das sollte mit Neo schon klappen. Wie viel Zeit es kostet, dass wir im Dunkeln starten, wie mir diese Finsternis in der ersten Disziplin behagt und wie direkt und genau man den Weg findet, ob überhaupt Bojen gesetzt sind, oder ob es womöglich ein paar Extrameter wegen Zickzackschwimmens gibt, das kann ich nicht so gut einschätzen. Aber gehen wir mal von 1:15 Stunden mit Wechselzeit aus.

Weste und Armlinge für die Pässe werden im Trikot verstaut

Dabei wartet schon die nächste schwierige Frage: Ich kann mich noch nicht festlegen, ob ich die Triathlonhose unter dem Neo tragen werde und mit der nassen Kleidung radeln möchte – oder ob ich mich umziehe. Schließlich verbringt man ein paar Stunden im Sattel. Vielleicht ist eine richtige Radhose dann doch besser? Ich glaube, ich ziehe auch ein Trikot mit Taschen an, in denen ich eine Weste und Armlinge verstaue, falls es auf den Pässen oben etwas kühler wird. Den Wetterbericht werde ich noch fleißig studieren. Ich hoffe, dass ich keine Regenjacke benötige. Aber mir ist bewusst, dass ich in den Bergen bin und das Wetter schnell umschlagen kann. Jetzt im Moment sieht es grandios aus für das Wochenende am 24. und 25. Juni. Wenn es nur so bleiben würde – das wäre mein Traum! Ich glaube, ich schwimme mit Sport-BH und Bikinihose und schlüpfe geschwind in Radhose, Trikot, Socken, Radschuhe und sogar in Radhandschuhe – und dann ab die Post. Die paar Sekunden Umziehen sind wertvoll investiert für diese Art von Rennen. Und dann mache ich mich auf den Weg über die Pässe.

Mehr Höhenmeter in schnellerer Zeit – geht das?

Höhenmeter bin ich genügend gefahren, aber nie so richtig lange Anstiege am Stück. Dennoch: Davor habe ich keine Angst. Und ich mache mir schon gar keine Sorgen. Aber wie lange werde ich für die 180 Kilometer benötigen? Bei meiner letzten Tour bin ich nicht nur gebummelt, aber die 180 Kilometer habe ich erst nach acht Stunden Fahrzeit geschafft. Zu dem Zeitpunkt standen gerade mal 3.000 Höhenmeter auf dem Tacho. Das heißt, ich muss 700 Höhenmeter mehr in viel weniger Zeit schaffen. Geht das? Eigentlich erhoffe ich mir eine Radzeit um die sieben Stunden. Aber kann man wirklich eine Stunde schneller sein als im Training mit so viel mehr Höhenmetern? Da es vom Veranstalter keine Zwischenzeiten gibt, kann ich auch in den Ergebnissen der vergangenen Jahre nicht herausfinden, wie lange die Radzeit der Frauen in etwa dauert. Das bleibt also sehr spannend.

Normale Laufschuhe für die erste Passage

Dann kommt der Lauf. In der Wechselzone werde ich aus der Rad- in die Laufhose hüpfen und mit Trinkgurt die ersten 30 Kilometer angehen. Da diese erste Etappe circa 1.000 Höhenmeter aufweist, aber weitestgehend asphaltiert sein soll, ziehe ich ganz normale Laufschuhe an. Ich hoffe, dass Tom und Julia an einem der möglichen Punkte stehen können, um mir die Flaschen mit flüssiger Nahrung und Wasser auszutauschen. Am Kontrollpunkt bei Grindelwald wartet dann meine Jenny. Wir müssen beide einen Rucksack mitnehmen, mit Langarmshirt, Jacke, langer Hose, Rettungsdecke, zwei Riegeln, einem halben Liter Flüssigkeit, Mütze und Handschuhen. Bei mir passt das in den Trail-Rucksack, das habe ich bei meinem letzten langen Lauf auf die Simonhöhe simuliert.

Einige Variablen machen Vorhersage schwierig

Mit Jenny bewältige ich dann gemeinsam die letzten zehn Kilometer. Sie war extra dort und hat sich ein Bild von diesem letzten Laufabschnitt gemacht – das nenne ich Einsatz. Ich war von den Socken und freue mich umso mehr, dass sie zugesagt hat, mich zu unterstützen. Sie sagt, wenn es trocken ist, könne man mit den normalen Schuhen weiterlaufen, sonst wären Trailschuhe eventuell ganz gut. Das überlege ich mir noch – je nach Wetter. Sie meinte auch, dass die meiste Zeit „laufen“ dann nicht mehr möglich ist, weil es so steil wird. Eigentlich hatte ich gehofft, diese 42 Kilometer in fünf Stunden zu schaffen. Aber unter diesen Umständen bin ich mir nicht mehr so sicher. Wir werden sehen. Viel steht und fällt auch mit der Witterung und damit, wie die Versorgung klappt.

Aufregung ist bereits groß

Jüngst bin ich zu Tom ins Büro gegangen und hab ihm gebeichtet, wie aufgeregt ich schon bin. „Na, du hast ja auch schon lange kein solches Rennen mehr gemacht“, meinte er. Die Unterstützung war und ist da. Tom hat sich um die Anreise gekümmert, die Stellplätze gebucht und wird alles perfekt am Renntag versorgungstechnisch meistern. Am Dienstag ist noch das Racebriefing, bei dem wir beide online dabei sein werden. Ich habe schon angefangen zu packen und Listen zu schreiben – und überhaupt. Vor Aufregung. Um tätig zu sein. Mir kommt es auch wirklich gelegen, dass am kommenden Wochenende der Ironman Klagenfurt stattfindet. Da bin ich von früh bis spät an der Strecke und betreue meine Athleten. Das gibt sicher nochmals den Extraschub Motivation.

Sonne? Lieber einen Tag später, wenn es sein muss

Nächsten Mittwoch geht es dann los. Wie zuvor erwähnt: Am Renntag ist das Wetter, wie es ist. Regen scheut mich nicht, ich bin oft genug im Regen, Sturm, Hagel, Gewitter gelandet. Beim Radeln und beim Laufen. Aber nachdem unsere Julia am nächsten Tag Geburtstag hat, wäre es mir viel wichtiger, dass an diesem Tag die Sonne scheint. Am Sonntag. Damit wir das Bergpanorama richtig genießen können. Und die Lodge „Kleine Scheidegg“, in der wir von Samstag auf Sonntag übernachten, hat sich bereiterklärt, einen Geburtstagskuchen zu backen. Dann ist das Rennen Vergangenheit, auf das ich mich nun zwei Jahre lang vorbereitet habe. Zwei Jahre mit Höhen und Tiefen. Mit Blogs für tri-mag.de. Mit euren Feedbacks und eurer Unterstützung. Und dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Und ich werde mich nach dem Rennen am 24. Juni nochmals melden. Wenn hoffentlich alles gut gegangen ist. Nach dem SwissMan, meinem großen Ziel. Danke euch.

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1 Kommentar

  1. Hallo Sonja

    Einmal mehr spannend zu lesen, wie es bei dir läuft. Auch ich bin in einer Woche am Start, bei mir lief die Vorbereitung auch gut. Ich kann es kaum noch erwarten, bald ist es soweit 🙂

    Hier noch ein Hinweis für dich:

    Die Zwischenzeiten vom letzten Jahr jedes Teilnehmers findest du hier auf diesem Link:

    https://map.racetracker.no/?race=swissman_2022

    Auf der linken Seite bei den Namen, einfach auf den gewünschten Namen klicken, schon siehst du alle Zwischenzeiten und die Endzeit.

    That`s it 🙂 Vielleicht sehen wir uns ja in Ascona irgendwo vor dem Start.

    Triathletische Grüsse

    Thomas (Goldinger)

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