Jana Uderstadt vor dem Ironman Texas: „Ich habe mental echt eine Auszeit gebraucht“

Neun Monate sind seit ihrer letzten Langdistanz vergangen. Beim Rennen der Ironman Pro Series im „Lone Star State“ der USA greift Jana Uderstadt daher noch nicht nach den Sternen. Auf tri-mag.de spricht sie über die Gründe für ihre Pause und die Erwartungen an das Rennen.

Die mentale Frische ist zurück: Jana Uderstadt eröffnet ihre Triathlonsaison mit dem Ironman Texas.

Eine lange Vorbereitung liegt hinter Jana Uderstadt. Am Wochenende geht sie als einzige deutsche Starterin beim Ironman Texas ins Rennen. Das zweite Rennen der Ironman Pro Series ist ihre erste Langdistanz seit dann 286 Tagen. Für die ausgedehnte Pause gab es Gründe. Darüber spricht die 28-Jährige auf tri-mag.de ebenso wie über ihre Erwartungen an Texas, die WM in Nizza und ihre weitere Saisonplanung.

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Jana, du stehst am kommenden Wochenende beim Ironman Texas an der Startlinie. Dein letztes Eliterennen über die Langdistanz liegt neun Monate zurück. Damals stoppten dich beim Ironman Vitoria-Gasteiz gleich zwei Platten auf dem Rad. Dein letztes Finish bei einer Mitteldistanz liegt sogar zehn Monate zurück. Warum hast du so lange über die längeren Distanzen pausiert?

Beim Rennen in Vitoria-Gasteiz konnte ich den ersten Platten noch reparieren, den zweiten nicht. Der Platten war zwar nicht selbst verschuldet, aber wenn man ihn nicht reparieren kann, gibt man sich selbst viel Schuld an dem Ausstieg. Und ich muss zugeben, dass mich das DNF mental ganz schön getroffen hat. Ich hatte viele Hoffnungen in das Rennen gesetzt, weil ich mich sehr lange darauf vorbereitet hatte. Mein ursprünglicher Plan 2023 war, dass ich beim Ironman Frankfurt, meinem Heimrennen, an den Start gehe. Das hatte aber schon zum zweiten Mal nicht geklappt. Das erste Mal wegen Corona. Im vergangenen Jahr dann wegen zahlreicher Prüfungen an der Uni. Mir war wichtig, dass ich dort vorankomme und mein Studium beende. Die Prüfungen lagen rund um das Rennen in Frankfurt, das hat mir mental zu viel abverlangt.

Für mich fühlt es sich nicht nach einem „Zurückkehren“ an.

Jana Uderstadt

Deshalb hatte ich mich einen Monat davor dazu entschlossen, dass ich nicht in Frankfurt starte. Dafür wollte ich alles auf Vitoria setzen. Ich habe mich also auf zwei Langdistanzen vorbereitet – und wer sich schon mal auf eine Langdistanz vorbereitet hat, weiß, dass man dort auch viel mentale Energie hineinsteckt. Das habe ich also zweimal gemacht – mit allem, was dazu gehört. Ich bin dann im Rennen ausgestiegen, als ich gerade auf den dritten Platz vorgefahren war. Es sah eigentlich ziemlich vielversprechend aus. Der Ausstieg hat mich ziemlich getroffen. Ich habe mental echt eine Auszeit gebraucht.

Zwischendurch warst du wieder vermehrt auf der olympischen Distanz und in anderen Formaten wie Crossduathlon unterwegs. Wie kam es dazu?

Ich war körperlich fit und wollte noch die olympische Distanz bei meinem Heimrennen in Frankfurt mitnehmen. Ich habe mich aber nicht mehr auf der Mitteldistanz gesehen, weil das mehr mentale Körner gekostet hätte. Stattdessen habe ich danach entschieden, dass ich die Saison relativ früh im September beende. Auch, weil mein Budget erschöpft war. Dadurch konnte ich zugleich recht früh wieder ins Training einsteigen. Das lief richtig gut. In dieser Phase habe ich mich dazu entschieden, dass ich erst mal etwas anderes machen will. Deshalb bin ich beim Crossduathlon gestartet. Bei uns im Rhein-Main-Gebiet gab es zu der Zeit eine Rennserie. Also habe ich etwas gemacht, das mir mental guttut und dafür sorgt, dass ich trotz der langen Pause ein bisschen Wettkampfroutine beibehalte.

Warum kehrst du nun auf die Langdistanz zurück? Und warum hast du dir Texas dafür ausgesucht?

Für mich fühlt es sich nicht nach einem „Zurückkehren“ an. In meinem Kopf war ich immer auf der Langdistanz. Ich habe zwar die Rennen nicht gemacht, aber immer dafür trainiert. Auch vergangenes Jahr. Es gibt viele Gründe, weshalb ich mir Texas ausgesucht habe. Zum einen, weil das Rennen Teil der Ironman Pro Series ist. Das fand ich sehr spannend, weil man davon ausgehen konnte – und jetzt sieht man es ja auch –, dass es ein hervorragend und breit besetztes Rennen ist. Ich war noch nie in einem Profirennen mit 40 Starterinnen. Zudem mag ich es gern warm – und Texas ist potenziell immer ein sehr warmes Rennen. Das hat da mit reingespielt.

Die Ironman-Weltmeisterschaft der Frauen wird 2024 in Nizza stattfinden. Inwiefern hast du das Rennen in Texas gewählt, um eine frühe Chance zur WM-Qualifikation zu besitzen?

Ich glaube nicht, dass ich mich in Texas schon für die Weltmeisterschaft qualifizieren kann, weil meines Wissens keine Teilnehmerin außer Fenella Langridge und Lotte Wilms einen Slot für Nizza hat. Es sind so viele starke Frauen am Start, dass ich es für unwahrscheinlich erachte. Aber es gibt, gerade auch in der Serie, noch andere Rennen, bei denen ich gern starten und mir die Qualifikation für Nizza holen würde.

Weniger Reisestress, weniger Kosten, selektivere Radstrecke – inwiefern stellt eine Ironman-WM in Nizza für dich einen größeren Reiz dar als auf Hawaii?

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Bengt Lüdke
Bengt Lüdke
Bengt-Jendrik Lüdke ist Redakteur bei triathlon. Der Sportwissenschaftler volontierte nach seinem Studium bei einem der größten Verlage in Norddeutschland und arbeitete dort vor seinem Wechsel zu spomedis elf Jahre im Sportressort. In seiner Freizeit trifft man ihn in Laufschuhen an der Alster, auf dem Rad an der Elbe – oder sogar manchmal im Schwimmbecken.

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