Challenge accepted – und das gleich im doppelten Sinn: Vor wenigen Tagen verkündete Jonas Schomburg in unserem Interview, dass er dem Aufruf von Vorjahressieger Sam Laidlow folgen wird, bei der Challenge Roth die Weltbestzeit zu jagen. Dieses Profifeld erwarten wir bei den Männern am 5. Juli 2026.
Die Challenge Roth ist nach dem Ironman Hawaii das bedeutendste Rennen im internationalen Langstreckenkalender. Die 3,8 Kilometer im Main-Donau-Kanal, die 180 Kilometer durch den südlichen Landkreis mit Kalvarien- und Solarer Berg und die 42,195 Kilometer entlang des endlosen Kanals und ins Hassliebedorf Büchenbach stehen nicht nur für Agegrouper auf der Bucketlist einer Triathlonkarriere. Auch viele Profis zieht es ins Frankenland – denn die Strecken sind schnell.
Roth ist immer für Rekorde gut – wenn da nicht Cozumel wäre …
Wie schnell, das zeigt sich auch beim Vergleich des Streckenrekords mit der inoffiziellen Weltbestzeit – bis vor einigen Jahren jedenfalls. Lothar Leder war 1996 der weltweit erste Mann, der die 226 Kilometer unter acht Stunden absolvierte (inzwischen stehen die Frauen ebenfalls vor dieser magischen Schwelle). Ein Jahr später pulverisierte Ironman-Weltmeister Luc Van Lierde (Belgien) diese Marke. 14 Jahre sollte es dauern, bis Andreas Raelert 2011 eine neue Fabelzeit setzte, die fünf Jahre bis zum legendären Rekordrennen von Jan Frodeno Bestand hatte. Magnus Ditlev (Dänemark) setzte 2023 und 2024 noch einmal ganz neue Maßstäbe. Auch wenn die tatsächlich schnellste Zeit auf dieser Distanz seit 2021 Kristian Blummenfelt (Norwegen) gehört, der sein Langdistanzdebüt auf Cozumel in 7:21:12 Stunden ins Ziel brachte.
Die Entwicklung des Streckenrekords der Männer in Roth
3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,195 km Laufen| Datum | Sieger | Gesamtzeit |
|---|---|---|
| 30. Juli 1988 | Axel Koenders (NED) | 8:13:11 |
| 13. Juli 1991 | Pauli Kiuru (FIN) | 8:04:54 |
| 10. Juli 1993 | Cristián Bustos (CHI) | 8:03:19 |
| 10. Juli 1994 | Jürgen Zäck (GER) | 8:01:59 |
| 14. Juli 1996 | Lothar Leder (GER) | 7:57:02 |
| 13. Juli 1997 | Luc Van Lierde (BEL) | 7:50:27 |
| 10. Juli 2011 | Andreas Raelert (GER) | 7:41:33 |
| 17. Juli 2016 | Jan Frodeno (GER) | 7:35:39 |
| 25. Juni 2023 | Magnus Ditlev (DEN) | 7:24:40 |
| 7. Juli 2024 | Magnus Ditlev (DEN) | 7:23:24 |
Ist die Zeit reif für einen Vereinigungskampf?
Kritiker sagen zurecht, dass Blummenfelt in Mexiko stark von der bekannten Meeresströmung auf der mexikanischen Insel profitierte. Demgegenüber stehen jedoch die traditionell etwas zu kurzen Strecken in Roth, die zwar im Rahmen der Zulässigkeit des Reglements liegen, aber die Leistungen von Blummenfelt und Ditlev wie einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen anmuten lassen.
Beim Boxen würde man sagen: Es ist Zeit für einen Vereinigungskampf. Und der deutet sich für die Challenge Roth 2026 an. Es geht nicht um die Jagd nach Ditlevs Marke aus dem Jahr 2024, sondern um die von Blummenfelt aus 2021. Es ist an der Zeit, darüber zu spekulieren, wer dabei eine Rolle spielen könnte …
Sam Laidlow (FRA)
2023 wurde er in Roth Achter, nach dem Weltmeistertitel von Nizza zwei Monate darauf lief jeoch vieles nicht ganz rund für Sam Laidlow. Auch sein Start in Roth 2025 war lange gefährdet. Doch der Franzose fasste sich ein Herz, reiste ins Frankenland und ließ sich von der einmaligen Kulisse beflügeln – zu einem unerwarteten Sieg in 7:29:35 Stunden vor Jonas Schomburg und Jan Stratmann. Ein Gefühl für die Strecke hat er nun. Und für ihre Möglichkeiten auch: Der Rekord muss 2026 fallen. Und Laidlow will ihn holen.
Roth-Starts: 2
Bestzeit: 7:29:35 Stunden (Challenge Roth 2025)
Jonas Schomburg (GER)
Was für ein Langstreckendebüt 2025 – mit doppeltem Anlauf. Nach dem Lenkerbruch in Führungsposition beim Ironman Frankfurt avancierte Jonas Schomburg eine Woche später bei der Challenge Roth schnell zum Topfavoriten – und musste sich am Ende nur Laidlow geschlagen geben. Für 2026 hat der Shootingstar zwei Hauptziele: die Challenge Roth und den Ironman Hawaii. Der stets gut besetzte Ironman Texas? Nur Durchgangsstation, um die Quali sicherzustellen.
Roth-Starts: 1
Bestzeit: 7:31:24 Stunden (Challenge Roth 2025)
Kristian Blummenfeld und Gustav Iden (NOR)
Kristian Blummenfelt weiß, wie man auf deutschem Terrain für Furore sorgt. Beim Showevent Sub7/Sub8 mit seiner maximalen Dehnung des Regelwerks finishte der Norweger die 226 Kilometer im Jahr 2022 in 6:44:25 Stunden, beim Ironman Frankfurt siegte er 2024 und 2025 zweimal in Folge mit dem letztjährigen Streckenrekord von 7:25:57 Stunden. Ein Start in Roth steht schon lange auf der Agenda Blummenfelts, was oftmals gleichbedeutend ist mit: auch auf der Agenda von Gustav Iden. Die beiden Norweger absolvieren viele Rennen gemeinsam. Der Dritte im Bunde, der aktuelle Ironman-Weltmeister Casper Stornes, hat hingegen seinen Start in Frankfurt verkündet (und Norwegens Weltmeisterin Solveig Løvseth den ihrigen in Hamburg).
Roth-Starts: 0
Bestzeit Blummenfelt: 7:21:12 Stunden (Ironman Cozumel 2021)
Bestzeit Iden: 7:33:51 Stunden (Ironman Frankfurt 2025)
Magnus Ditlev (DEN)
2022, 2023 und 2024 hat er die Challenge Roth bereits gewonnen, 2023 und 2024 mit Rekord – in den Jahren, als er bei den Ironman-Weltmeisterschaften später Dritter und Zweiter wurde. 2025 setzte er aus im Frankenland, hatte nach dem Sieg beim Ironman Südafrika auch sonst ein durchwachsenes Jahr: nur Achter in Frankfurt, ein DNF bei der Ironman-WM in Nizza. Back to the Roots als Rückweg in die Erfolgsspur? Kampflos wird der Däne den von der einen Hälfte der Szene postulierten „Weltrekord“ sicher nicht hergeben.
Roth-Starts: 3
Bestzeit: 7:23:24 Stunden (Challenge Roth 2024)
Frederic Funk (GER)
2026 könnte zu einem Schicksalsjahr für Frederic Funk werden: Gelingt ihm nach jahrelangem konsequentem Aufbau auf der Mitteldistanz auch auf der Langstrecke der Durchbruch nach seiner Premiere 2025? Oder hat er zu lange gewartet, die 226 Kilometer in Angriff zu nehmen? Seine 28 Jahre sind auf der Langdistanz längst keine Jugendkategorie mehr, und national und international rücken längst Titelaspiranten nach. Zum Favoritenkreis darf man ihn allemal zählen, wenn er sich auf Roth fokussiert – und damit auch zum Anwärterkreis für einen Rekord.
Roth-Starts: 1
Bestzeit: 7:40:07 Stunden (Challenge Roth 2025)
Rico Bogen (GER)
Womit wir bei den jungen Wilden wären. Allen voran: Rico Bogen, der mit dem Weltmeistertitel über die Ironman-70.3-Distanz 2023 in Lahti seinen Durchbruch feierte und immer dann weit oben landet, wenn ihm äußere Extrembedingungen nicht vorher den Stecker ziehen. Sein Langdistanzdebüt ist längst in Planung, auch weil die T100 Triathlon World Tour medial nicht die Beachtung findet, die sich seine Sponsoren sicher erhoffen – und von Roth versprechen dürften. Genug Vorzeichen, um ihn mit in die Spekulationen um eine Rekordjagd in Roth aufzunehmen.
Roth-Starts: 0
Bestzeit: –
Patrick Lange (GER)
7:19:19 Stunden hat Patrick Lange bereits stehen in Roth – und niemand hat’s gesehen: Hinter den hohen Sponsorenzäunen, die die Zuschauer beim Coronarennen 2021 abhalten sollten, feierte Lange 2021 seinen bisher einzigen Roth-Sieg auf der verkürzten Strecke ohne den Solarer Berg. Lange hat sein Lieblingsrennen für dieses Jahr zur Abschiedsgala von seinen heimischen Fans erkoren – und seine Kritiker schon oft überrascht.
Roth-Starts: 4
Bestzeit: 7:30:04 (Challenge Roth 2023)