Marten Van Riel kämpft noch mit den Folgen einer Erkrankung, Jelle Geens sucht nach seiner Verletzung die Bestform und Gustav Iden schöpft auf vertrauten Straßen neues Selbstvertrauen. Die Stimmen der Top-Athleten vor der Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Nizza.

Drei Norweger, zwei Belgier und reichlich Gesprächsstoff: Auf der Pressekonferenz vor dem Männerrennen der Ironman-70.3-WM am Sonntag, 13. September, wechseln sich sportliche Ansagen mit gegenseitigen Sticheleien ab. Es geht um den Norwegian Hype Train, seine belgische Konkurrenz und die Frage, wer auf den anspruchsvollen Abfahrten Zeit gewinnen kann. Bei einer Prognose sind sich alle fünf einig: Der Sieger wird mehr als drei Sekunden Vorsprung haben – anders als Jelle Geens im Vorjahr. Wer diesen Abstand herausfahren oder herauslaufen soll, darüber gehen die Vorstellungen erwartungsgemäß auseinander.
Marten Van Riel: „Ich kämpfe noch ein bisschen mit der Müdigkeit“
Die entscheidenden Rennen seiner Saison stehen für Marten Van Riel erst jetzt an: Nizza am Sonntag, Kona vier Wochen später. Die Vorbereitung verlief lange problemlos, doch kurz vor der WM kam etwas dazwischen. „Ich bin vor zehn Tagen krank geworden und kämpfe noch ein bisschen mit der Müdigkeit“, berichtet der Belgier. Seine Hoffnung: am Sonntag ausreichend erholt an der Startlinie zu stehen.
Bislang hat Van Riel jeden Ironman 70.3 gewonnen, den er bestritten hat. „Aber da ist keine 70.3-WM dabei“, schränkt er ein. Diese Serie fortzusetzen, werde entsprechend schwierig. Gegen die Norweger setzt er auf einen „Belgian Train“ mit Titelverteidiger Jelle Geens als Lokomotive. Sein Landsmann könne besonders am Anstieg für Tempo sorgen. Die gemeinsame Laufgruppe aus dem Vorjahr in Nizza hat Van Riel zwar in guter Erinnerung, sein Wunsch für Sonntag ist aber ein anderer: „Ich hoffe, ein paar Minuten davor zu sein.“

Casper Stornes: „Ich muss an diesem Tag wirklich alles auf den Punkt bringen“
Für Casper Stornes ist die Rückkehr nach Nizza eine Rückkehr an den Ort seines größten Erfolgs. Hier wurde er im vergangenen Jahr Ironman-Weltmeister. Schon gegen Ende des Trainingslagers habe er sich darauf gefreut, wieder auf der Promenade zu laufen und im Meer zu schwimmen.
Seine Serie von sieben Podiumsplatzierungen in Folge soll auch am Sonntag halten. Stornes erwartet allerdings ein enges Rennen mit vielen Kandidaten für die ersten drei Plätze. Besonders beim Start in den Halbmarathon will er sofort bereit sein: „Ich darf diesmal nicht langsam aus der zweiten Wechselzone kommen.“ Sein Anspruch: „Ich muss an diesem Tag wirklich alles auf den Punkt bringen.“
Gustav Iden: „Man muss so viele verschiedene Dinge im Kopf haben“
2019 gewann Gustav Iden in Nizza seinen ersten Ironman-70.3-WM-Titel. Sieben Jahre später hilft ihm die Rückkehr auf die Strecke, wieder an einen Sieg zu glauben. Vor der Besichtigung sei diese Überzeugung noch nicht wirklich da gewesen. Doch die Atmosphäre und insbesondere die Abfahrt hätten etwas verändert: Nun traut er sich zu, am Sonntag ganz oben zu stehen. Doch zu viele unterschiedliche Rennverläufe seien möglich: das eigene Tempo fahren, auf Konkurrenten reagieren oder am Ende des Anstiegs attackieren. „Man muss so viele verschiedene Dinge im Kopf haben“, sagt Iden. Genau diese taktische Aufgabe gefällt ihm.
Auch für das Glück ist vorgesorgt. Seine berühmte Glückskappe hatte Iden zwar nicht mit ins Trainingslager genommen, doch sein Vater brachte Nachschub nach Nizza. „Ich glaube, zehn Stück.“ Wer dringend Glück brauche, könne eine bekommen – allerdings, wie Iden hinzufügt, zu einem ausgesprochen hohen Preis.

Kristian Blummenfelt: „Diesmal will ich gewinnen“
Das dramatische Finale gegen Jelle Geens bei der 70.3-WM in Marbella verfolgt Kristian Blummenfelt bis heute – vor allem in den sozialen Medien. „Ein oder zwei Kilometer vor dem Ziel dachte ich, ich hätte ihn“, erinnert sich der Norweger. Doch Geens war im Endspurt stärker. Dass die Bilder ständig wieder auftauchen und er auch noch darin markiert wird, kommentiert Blummenfelt mit trockenem Humor: „Diesmal will ich gewinnen.“
In Nizza hält er ein ganz anderes Finale für möglich. Während die Abfahrt in Marbella das Feld eher zusammengeführt habe, könne der technisch anspruchsvollere Kurs diesmal für Lücken sorgen. Einzelne Athleten könnten mit ein oder zwei Minuten Vorsprung zurück an die Küste kommen.
Jelle Geens: „Ich bekomme keine Minute Vorsprung“
Jelle Geens genießt die Erinnerungen an Marbella deutlich mehr als Blummenfelt. Für Sonntag bringen ihm seine beiden WM-Titel jedoch keinen Bonus. „Nur weil ich vergangenes Jahr gewonnen habe, bekomme ich keine Minute Vorsprung“, sagt der Belgier. „Am Sonntag ist es ein neues Rennen.“ Nach einer Verletzung musste Geens über Wochen und Monate wieder Form aufbauen. Sein zweiter Platz beim Comeback in Zell am See war ein Schritt zurück ins Renngeschehen, mit seiner Leistung dort war er aber nicht zufrieden. Bei diesem WM-Feld könne man schon beim Schwimmen und Radfahren früh viel Zeit verlieren.
Als vergleichsweise leichter Athlet sieht Geens im Anstieg eine Chance. Gewicht allein reiche allerdings nicht: „Wenn ich leicht bin, aber keine guten Beine habe, komme ich trotzdem nicht schnell den Berg hoch.“ Und die Konkurrenz reicht für ihn weit über die Pressekonferenz hinaus. Er nennt unter anderem Hayden Wilde, Lasse Nygaard Priester, Rico Bogen, Jonas Schomburg und Jamie Riddle: „Hier stehen nur fünf Stühle, aber es gibt viel mehr Leute, die um den Titel kämpfen werden.“


















