Vor dem Start des Ironman Hawaii lohnt ein Blick ins Kleingedruckte: Der Athletenguide 2026 listet unter fünf konkrete Regeländerungen – vom Cockpit-Aufbau übers Kamera- und KI-Brillen-Verbot bis zu neuen Windschatten-Regeln für die Profis. Wir fassen zusammen, was neu ist, und frischen die wichtigsten Dauerbrenner gleich mit auf.
Am Montag hat Ironman des Athletenguide für die Weltmeisterschaften 2026 veröffentlicht. Für Aufsehen sorgte bereits die Startreihenfolge. Der Guide nennt darüber hinaus fünf ausdrückliche Änderungen gegenüber 2025:
- Aufbauten am Oberrohr: Anbauten am Oberrohr des Rades dürfen maximal 10 Zentimeter hoch sein (gemessen ab Oberkante Oberrohr) und den Steuersatz weder berühren noch verdecken. Und ausdrücklich: kein Körperteil darf auf diesen Anbauten ruhen – der beliebten „Unterarm auf der Box“-Position ist damit ein Riegel vorgeschoben.
- Kameraverbot, verschärft: Das Aufnehmen von Fotos, Videos oder anderen Bildern während des Rennens ist untersagt – ausdrücklich „mit jeglichem Gerät, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Kameras, Handykameras, Videokameras, Brillen etc.“
- KI-Brillen verboten: Der Einsatz von KI-Brillen ist zu jedem Zeitpunkt des Rennens untersagt – ganz im Gegensatz zur T100-Serie der Professional Triathletes Organisation (PTO), die diese Devices ausdrücklich in ihr Sponsoringkonzept mit aufgenommen hat.
- Größere Draftzone für Profis: Die Windschattenbox der Profis misst jetzt 20 Meter – gemessen von der Vorderkante des Vorderrads nach hinten (etwa elf Radlängen freier Raum zwischen den Rädern). Zur Überwachung kommt dabei der „Race Ranger“ zum Einsatz.
- Neue Überholzeiten: Wer in die Draftzone einer anderen Person einfährt, muss zügig durch. Für Altersklassenathleten gelten maximal 25 Sekunden zum Überholen; wer als Agegrouper ins Profifeld gerät und zwei oder mehr Profis überholt, bekommt 45 Sekunden pro Profi. Profis haben generell 45 Sekunden. Zusätzlich gilt im Profifeld: seitlich überholen, nicht direkt von hinten heranrücken (kein Slipstreaming), und man darf sich nicht zwischen zwei regelkonform fahrende Profis drängen.
Die Dauerbrenner: Windschatten, Strafen, Verbote
Für alle, die nicht zur Profi-Szene zählen, bleibt es beim bekannten Abstand von 12 Metern: sechs Radlängen freier Raum zwischen Vorder- und Hinterrad, sonst droht eine Drafting-Strafe. Überholt wird links, niemals rechts; der Überholvorgang muss innerhalb von 25 Sekunden abgeschlossen sein. Wer überholt wurde, fällt erst sechs Radlängen zurück, bevor er zurückkontert.
Beim Strafensystem sollte man zwei Dinge wissen: Eine Blue Card bedeutet drei Minuten Zeitstrafe. Die gibt es nur für Drafting und vorsätzliches Littering. Auf dem Rad werden alle Blue- und Yellow-Card-Strafen im nächsten Penalty Tent abgesessen; auf der Laufstrecke gibt es keine Strafzelte, dort setzt der Kampfrichter die Strafe an Ort und Stelle durch. Und Vorsicht: Drei Blue Cards bedeuten die Disqualifikation.
Weitere Regeln, die immer wieder für Ärger sorgen:
- Müll nur in den Zonen: Nichts außerhalb der offiziellen Aid Stations wegwerfen – Flaschen, Verpackungen, Kleidung gehören in die „trash drop zones“. Absichtliches Wegwerfen außerhalb = Blue Card.
- Kopfhörer und Kommunikationsgeräte: Kopfhörer jeder Art (auch Knochenschall) sind verboten. Handys, Smartwatches und Co. dürfen nicht ablenkend genutzt werden – Telefonieren, Nachrichten, Musik, Social Media oder das Rad-Display am Handy führen zur Disqualifikation.
- Helm und Kinnriemen: Der Kinnriemen muss geschlossen sein, sobald man auf dem Rad sitzt.
- Oberkörper bedeckt: Schuhe und ordentliche Bekleidung sind auf Rad und Lauf Pflicht; mit nacktem Oberkörper zu fahren oder zu laufen ist auch in der Hitze der Lavawüste untersagt. Front-Reißverschlüsse dürfen offen sein, solange sie unten verbunden bleiben und die Schultern bedeckt sind – am Ziel muss der Anzug ganz geschlossen sein (sonst ein Warnhinweis, bei Nichtbehebung eine Minute Zeitstrafe).
- Keine fremde Hilfe: Freunde, Familie oder Coaches dürfen nicht neben den Athletinnen und Athleten herfahren oder -laufen und keine Verpflegung reichen – sonst droht die Disqualifikation.
Und der Rest?
Der Guide betont, dass die vollständigen „2026 IRONMAN Competition Rules“ gelten, soweit im Athletenguide nichts anderes steht – und dass Ironman sich vorbehält, Regeln kurzfristig zu ändern, sofern die Athletinnen und Athleten schriftlich oder beim Pflicht-Briefing informiert werden. Der dringende Rat des Head Referee bleibt deshalb Jahr für Jahr derselbe: das Regelwerk vor dem Rennen einmal komplett lesen.