Anja Renner: Auf dem Weg in den Olymp

Sie ist eine deutsche Medaillenhoffnung bei den Paralympischen Spielen in Paris. Dabei begann die Karriere von Anja Renner erst vor einem Jahr. Ihr Weg bis in die französische Hauptstadt zu den Paralympischen Spielen 2024.

World Triathlon Anja Renner (rechts) und ihr Guide Maria Paulig beim Paralympischen-Testevent 2023 in Paris.

Sie ist in ­vielerlei Hinsicht eine Spätberufene. Den Triathlon entdeckt Anja ­Renner vor gut sieben Jahren durch ihren Mann. Sportlich ist die heute 38-Jährige schon immer und hat in den Jugendjahren vieles ausprobiert. Später Richtung Abitur ist sie nur noch geritten und danach hat sie das Studentinnenleben genossen, einschließlich einiger Backpacker­reisen. 

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Diagnose: Usher-Syndrom

Im Alter von Anfang 25 erhält sie die Diagnose ­Usher-Syndrom. Eine Krankheit, die sowohl das Hörvermögen als auch die Sehkraft beeinträchtigt. Hörgeschädigt ist Anja Renner seit der Geburt, doch dann beginnt auch das Sehvermögen durch eine Retinitis pigmentosa zu schwinden. Inzwischen sieht sie nur noch knapp zehn Prozent von dem, was die meisten Menschen sehen können. „Man kann sich das so vorstellen, als hätte man zwei Klopapierrollen vor den Augen, mit kleinen Punkten in der Mitte, um scharf zu ­sehen“, erklärt sie. Der Tunnel, durch den sie ­sehen kann, geht durch die Krankheit stetig weiter zu, sodass sie immer weniger scharf im Fokus sieht. Erschwerend kommt hinzu, dass die aus Neuburg an der Donau stammende Athletin ein reduziertes Farbsehen hat und nachtblind ist. Bei Dämmerung und in der Nacht sieht sie fast nichts. Auch drei­dimensionales Sehen wird immer schwieriger. 

Mit 30 sattelt sie um: vom Pferd aufs Rad zum Triathlon

„Es erfordert eine ­immense mentale Stärke“, erklärt Anja ­Renner. „Anfangs bin ich noch viel allein Rad gefahren, doch das Fortschreiten der Krankheit bedarf auch einer ständigen Anpassung an die Realität.“ Das führt dazu, dass sie in ihrer Freizeit seit einiger Zeit nicht mehr ohne Begleitung auf dem Rad unterwegs ist. Mit 30 Jahren sattelt sie durch ihren Mann, ein Triathlet, vom Pferd aufs Rad um und entdeckt den Ausdauerdreikampf für sich. Das Feuer ist entfacht. 

Über Starts bei Sprint- und olympischen Distanzen, wo sie zu ihrer eigenen Verwunderung ­direkt Podiumsplatzierungen erzielt, geht es bis auf die Mittel­distanz. Beim Ironman 70.3 Bahrain 2018 ­qualifiziert sie sich mit einem zweiten Platz in ihrer Altersklasse für die Ironman-70.3-Weltmeisterschaft 2019 in Nizza. An der Côte d’Azur belegt sie trotz einer Verletzung und einem Halbmarathon, den sie ab Kilometer zwölf, mit vielen Unterbrechungen und auch Tränen in den Augen beendet, einen 212. Platz in der Agegroup W30–34. Die Form stimmt und der Mythos ­Hawaii reizt sie, die Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft zu schaffen. Doch wie es manchmal so ist, Fulltime-Job und Alltag mit Hausbau und Beziehung neben den hohen Trainingsumfängen machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Der Körper rebelliert mit Verletzungen und die Sehkraft nimmt weiter ab – den Traum von Hawaii schiebt sie beiseite.

„Ich sah mich mit so vielen Aufgaben konfrontiert, dass ich eine Auszeit brauchte“

Der grosse Cut

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Lars Wichert
Lars Wichert
Lars Wichert ist dreimaliger Weltmeister im Rudern und nahm an den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio de Janiero teil, bevor er zum Triathlon wechselte. 2021 gewann er sein erstes Rennen beim Ironman Hamburg in 8:12:46 Stunden, der schnellsten jemals erzielten Rookie-Zeit bei den Agegroupern.

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